Die Historie bewahren

Wolfgang Fischer setzt sich für den Erhalt denkmalgeschützter Fachwerkhäuser in Heimboldshausen ein 

Mitstreiter gesucht: Wolfgang G. Fischer setzt sich für diese denkmalgeschützten Fachwerkhäuser im Ortskern von Heimboldshausen ein. Foto: Eisenberg

Heimboldshausen. Sie sind für heutige Verhältnisse winzig und wirken fast wie aus dem Bilderbuch. Doch um die Zukunft der beiden benachbarten Fachwerkhäuser am Lehngarten in Heimbodshausen scheint es nicht gut bestellt zu sein.

Seit dem Tod der letzten Bewohnerin steht auch das linke, größere Gebäude leer. Das kleinere Fachwerkhaus, das zuletzt deren Schwiegereltern bewohnten, schon seit etwa 30 Jahren. Da alle Nachfahren ihr Erbe ausgeschlagen haben, sind beide Anwesen als sogenannte Fiskalerbschaft an das Land Hessen gefallen.

Sorge um Verfall

Wolfgang G. Fischer fürchtet, dass die denkmalgeschützten Gebäude dem Verfall preisgegeben werden, bis sie schließlich in einigen Jahren als Schandfleck dem Abrissbagger zum Opfer fallen – ein Schicksal, das viele historische Gebäude in seinem Heimatort und der Region bereits ereilt habe. „Ein Dorf ohne Fachwerkhäuser hat keine Seele“, ist der gebürtige Heimboldshäuser überzeugt und erinnert sich an einen Besuch in einem Dorf im Westerwald, in dem kein historisches Gebäude überdauert habe.

Fischer arbeitet als Archivar in Hamburg und befasst sich seit seiner Jugend mit Ahnen- und Familienforschung in seiner Heimat. Über die früheren Bewohner sei auch sein Interesse für die Geschichte der Gebäude geweckt worden. „Man muss das Erbe der Vorfahren bewahren“, ist er überzeugt.

Suche nach potenziellen Käufern

Ihm sei allerdings auch bewusst, dass das nur dann gelinge, wenn die Gebäude auch genutzt werden. Deshalb sucht Fischer jetzt nach potenziellen Käufern, die am Erhalt interessiert sind. „Durch die relativ hohen Räume mit kleiner Grundfläche würden sich die Häuser als Ferienwohnungen eignen“, regt er an. Beide Gebäude seien zwar sanierungsbedürftig, aber in einem überraschend guten Bauzustand, betont Wolfgang Fischer, der die Häuser kürzlich gemeinsam mit einem Vertreter der Oberfinanzdirektion Frankfurt besichtigt hat.

Das linke, etwas größere stamme aus dem Jahr 1765 und sei von der Witwe eines Försters erbaut worden, die nach dem Tod ihres Mannes aus dem Heimboldshäuser Forsthaus ausziehen musste. Das rechte, etwas kleinere Haus stamme aus der Zeit um 1750 und sei ein typisches Handwerker- oder Tagelöhnerhaus. Die zugehörige Scheune sei stark baufällig. Sie stehe nicht unter Denkmalschutz und müsse wohl abgerissen werden.

Förderverein gründen

Das Interesse an historischen Fachwerkbauten sei zwar gering, es gebe aber auch positive Beispiele. Der Archivar nennt die Fachwerkfreunde Hönebach, die in dem Wildecker Ortsteil eine ehemalige Gastwirtschaft vor dem Verfall bewahrt haben. Wolfgang Fischer sucht jetzt nach Mitstreitern, um im Werratal ebenfalls einen Förderverein für den Erhalt historischer Fachwerkhäuser zu gründen – auch als Plattform zum Ideen- und Erfahrungsaustausch sowie zur Selbsthilfe für Eigentümer und Kaufinteressenten.

Kontakt:Wolfgang G. Fischer,  WF21@gmx.de.

Hintergrund: Land erbt, wenn Nachkommen verzichten

Wenn in einem Erbfall kein Verwandter, Ehegatte oder Lebenspartner des Erblassers vorhanden ist, erbt das Land. Meist werde das Erbe wegen Überschuldung ausgeschlagen. In seltenen Fällen seien keine Erben auffindbar. Äußerst selten sei das Land im Testament als Erbe bedacht, heißt es auf der Internetseite des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen, der seit 2005 Liegenschaften aus Fiskalerbschaften vermarktet. Eine Anfrage beim Landesbetrieb zu den Häusern am Lehngarten blieb bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet. (jce)

Von Jan-Christoph Eisenberg

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