Für zweieinhalb Stunden abgetaucht

Viele Häppchen im Angebot: Welt der Musicals in der Kreuzberghalle 

Ein Hauch von sommerlicher Hippie-Atmosphäre durchwehte die Kreuzberghalle, als das Ensemble „Let the Sun shine“ aus dem Musical Hair auf die Bühne brachte. Foto: Janßen

Philippsthal. Für zweieinhalb Stunden dem grauen Winter entfliehen und abtauchen in die Welt der Musicals.

Sich verzaubern lassen vom Schmelz von Hits aus Erfolgsproduktionen wie „Evita“, „Elisabeth“, „Hair“ „Sister Act“ und vielen mehr, diese Gelegenheit wurde dem Publikum mit der vielfältigen und abwechslungsreichen Show „The World of Musicals“ in der Philippsthaler Kreuzberghalle geboten.

Auch wenn natürlich – anders als vom Veranstalter etwas vollmundig angekündigt – nicht die Hits aller großen Musicals geboten werden konnten, blieben nur wenige Wünsche offen. Acht junge, talentierte und dennoch sichtlich bühnenerfahrene Darsteller aus England, Irland und Schottland tanzten und sangen, sowohl im Ensemble als auch solistisch, mit Professionalität, Leidenschaft und Spielfreude.

Die ganze Vielfalt

Von „Anatevka“ und „Blues Brothers“ bis „Cats“, vom Queen-Musical „We will rock you“ über das aus Hits der Gruppe ABBA kompilierte „Mamma Mia“, den „König der Löwen“, das „Phantom der Oper“ und „The Rocky Horror Show“, von der Edelschnulze bis hin zu Gospel und hartem Rock reichte das Spektrum. Quietschbunte Hippie-Atmosphäre, verruchte „Cabaret“-Atmosphäre, afrikanischer Dschungel und die Barrikaden der Französischen Revolution wechselten sich auf der Bühne ab. Und das sogar ohne viele Requisiten: Eine Mini-Showtreppe und eine LED-Wand, die die verschiedensten Hintergründe auf die Bühne zauberte, reichte, um eine Vielfalt von Stimmungen zu erzeugen. Schnelle und zahlreiche Kostümwechsel taten ihr Übriges, damit die Show nicht nur akustische, sondern auch optische Reize entfalten konnte.

Ein wenig bedauerlich war allerdings, dass in einer solchen Show natürlich nur „Häppchen-Kost“ geboten werden kann, die Geschichten der verschiedenen Musicals spielten kaum eine Rolle. Auch einige Aussetzer in der Tonanlage (bei denen hörbar wurde, dass die Sängerinnen und Sänger durchweg live sangen) und das im Verhältnis zum Gesang teilweise sehr laut justierte Instrumentalplayback sorgten für leichte Störungen.

Dies tat der Stimmung im Publikum, das nur wenig Ermutigung zum Aufstehen und Mitklatschen brauchte, jedoch kaum Abbruch. Das junge Ensemble überzeugte sowohl in seiner Gesamtheit als auch als Solisten. Nicht nur die beiden Iren Fearghal Curtis und Ciara Powers (letztere auch als charmante Conférencière in ausgezeichnetem Deutsch), auch Emily Huddleston, Georgina Nicholas, Consuela Rolle, Kieran Wynne, Kevin Olohan und Chris Currid konnten stimmlich und darstellerisch überzeugen. Ein wenig unfreiwillig komisch wirkte der Auftritt der vier männlichen Mitzwanziger mit dem Udo-Jürgens-Chanson „Mit 66 Jahren“, der allerdings musikalisch durchaus überzeugen konnte, und der vom Publikum enthusiastisch mitgesungen wurde.

Selbst musikalisch heikle Stücke, wie die „Bohemian Rhapsody“ bildeten keine unüberwindlichen Hürden für die jungen Interpreten. Am Ende war sicher für jeden Geschmack ein Ohrwurm dabei, sodass der Abend auch nach Ende der Veranstaltung seine Wirkung nicht verfehlte. (uj) 

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