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K+S optimiert Produktpalette: Werk Werra soll vor allem hochwertige Spezialsalze liefern

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Liefert hochwertige Salze: Das K+S-Werk Werra ist der weltweit größte Produktionsstandort für hochwertige Kali-, Magnesium- und Sulfatspezialitäten. Unser Bild zeigt Förderturm und Fabrik am Standort Hattorf in Philippsthal.
Liefert hochwertige Salze: Das K+S-Werk Werra ist der weltweit größte Produktionsstandort für hochwertige Kali-, Magnesium- und Sulfatspezialitäten. Unser Bild zeigt Förderturm und Fabrik am Standort Hattorf in Philippsthal. © Jan-Christoph Eisenberg

Um trotz hoher Fixkosten wettbewerbsfähig zu bleiben, soll die Produktion bei K+S effektiver werden. Das Werk Werra stellt deshalb künftig vor allem hochwertige Spezialsalze her.

Philippsthal/Heringen – Der Düngemittelhersteller K+S will die Produktpalette des Verbundwerks Werra optimieren.

Hochwertigen Spezialsalzen solle dabei ein noch größerer Stellenwert als ohnehin schon zukommen, kündigte das Unternehmen am Mittwoch an. Die Produktion weniger lukrativer Standardprodukte werde im Gegenzug an andere Werke der Gruppe im In- und Ausland abgegeben, erklärte Unternehmenssprecher Michael Wudonig auf Nachfrage.

Ziel sei es, das Profil des hessisch-thüringischen Verbundwerks als weltweit größtem Produktionsstandort für Kali-, Magnesium- und Sulfatspezialitäten weiter zu stärken, heißt es in einer Pressemitteilung von K+S. Durch die weltweit einzigartige mineralische Zusammensetzung der heimischen Lagerstätte werden in den Fabriken an Werra und Ulster neben Düngemitteln auch Vorprodukte für technische und industrielle Anwendungen sowie für die Pharma-, Lebensmittel- und Futtermittelindustrie hergestellt, beispielsweise hochreine Salze für Infusionslösungen und Arzneimittel.

Neben Kalium enthält das Rohsalz im Werra-Revier auch Magnesiumsulfat und damit sowohl Magnesium als auch Schwefel. Daraus hergestellte Düngemittel haben einen entsprechend ausgewogenen Nährstoffgehalt.

Laut Pressemitteilung soll im Werk Werra die Menge granulierter Düngemittel gesteigert oder das Angebot um neue Spezialitäten erweitert werden. Während granulierter Dünger als Endprodukt auf die Felder ausgebracht wird, liefert K+S ungekörnte Standardprodukte wie Kaliumchlorid überwiegend an die Industrie – etwa als Ausgangsstoff von Mehrnährstoffdünger.

Die Neuausrichtung ist Teil einer im Herbst vorgestellten Unternehmensstrategie mit Schwerpunkt auf der Optimierung des Bestandsgeschäfts. Ziel sei es, die Düngemittel-Produktion bei steigenden Kosten und Umweltauflagen langfristig zukunftssicher und wettbewerbsfähig zu machen und den ökologischen Fußabdruck weiter zu reduzieren, teilt K+S mit. Die untertägigen Kalivorkommen des Werks reichen voraussichtlich bis zum Jahr 2060.

„Wir arbeiten daran, die Produktion an unserem größten Werk fit für die nächsten Jahrzehnte zu machen. Das ist ein zentraler Baustein der neuen Strategie und für die Zukunft von K+S“, erklärt Vorstand Holger Riemensperger. Dabei solle auch der ökologische Fußabdruck verkleinert werden, indem der Anfall von Prozesswässern und festen Rückständen weiter reduziert werde – bei gleichzeitiger Senkung des Energieverbrauchs und damit der CO2-Emissionen.

Durch teure Energie und steigende Kosten für die Rückstandsentsorgung produziere K+S grundsätzlich zu höheren Fixkosten als die Mitbewerber am Weltmarkt. Laut Werksleiter Martin Ebeling sollen deshalb Potenziale zu identifiziert werden, wie durch eine Weiterentwicklung der Produktion Energie effizienter genutzt werden kann und weniger Rückstände anfallen: „Das heißt, wir überdenken den gesamten Produktionskreislauf von der Rohsalzgewinnung über die Aufbereitung bis hin zur Frage, welche Produkte wir anbieten“, so Ebeling.

Konkrete Maßnahmen benennt K+S bislang nicht. Ein Personalabbau sei derzeit nicht geplant.

Der Transformationsprozess werde eng vom Betriebsrat begleitet. Es gehe dabei nicht nur um die robuste Ausrichtung für die Zeit der bergbaulichen Nutzung bis 2060, betont der Betriebsratsvorsitzende André Bahn: „Uns geht es auch darum, aufbauend auf der bestehenden Infrastruktur innovative Lösungen zur nachbergbaulichen Nutzung des Werks zu etablieren.“

Salzfracht in Werra und Weser um 60 Prozent reduziert

Mit rund 4400 Mitarbeitern an den Standorten Hattorf (Philippsthal/Hohenroda) und Wintershall (Heringen) in Hessen sowie Unterbreizbach und Merkers in Thüringen ist das Verbundwerk Werra der größte Standort der K+S Minerals and Agriculture GmbH. Für die Entsorgung der festen und flüssigen Produktionsrückstände steht das Unternehmen überregional in der Kritik. Aktuell klagt der BUND Hessen im Eilverfahren gegen Teile der Erlaubnis zur Einleitung von Salzwasser in die Werra (unsere Zeitung berichtete). K+S verweist hingegen darauf, dass umfangreiche Investitionen in den vergangenen 20 Jahren bereits eine erhebliche Entlastung der Umwelt bewirkt hätten. So sei die Salzabwassermenge von rund 14 Millionen Kubikmetern im Jahr 2000 auf aktuell rund 6,3 Millionen Kubikmeter pro Jahr gesenkt werden. Die Salzfracht in Halden- und Prozesswässern sei in diesem Zeitraum um 60 Prozent reduziert worden. Die Versenkung von Salzwässern in tiefe Gesteinsschichten endete zum Jahreswechsel. Weitere Maßnahmen, wie zum Beispiel das Einstapeln hoch konzentrierter Prozesswässer unter Tage, sollen bis Ende 2027 folgen. Damit werde die Gewässerqualität von Werra und Weser weiter verbessert. K+S stehe zu seiner Zusage, ab 2028 keine Produktionswässer mehr in die Werra einzuleiten. (Jan-Christoph Eisenberg)

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