Schlagerparty im Schlosspark

Ross Antony kommt nach Philippsthal: „Die besten Hits sind von früher“

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Er tritt im Schlosspark von Philippsthal auf: Sänger Ross Antony.

Mit Schlagersänger Ross Antony kommt ein musikalischer Tausendsassa nach Philippsthal und wird mit vielen Fans das Jubiläum des Mauerfalls feiern. 

Sänger und Entertainer Ross Antony ist Stargast der Schlagerparty, die vom Verein Kulturwecker am Samstag, 24. August, im Philippsthaler Schlosspark veranstaltet wird. Am Telefon sprachen wir mit dem gebürtigen Briten über seine Begeisterung für Musik, den Brexit und seine frühere Band Brosis.

Sie singen, tanzen, moderieren und betreiben eine Pension. Was tragen Sie in offiziellen Formularen eigentlich als Beruf ein?

Die Pension haben wir inzwischen wegen des Brexits abgegeben. Viele Leute nennen mich Allround-Entertainer. Das finde ich auch super, weil keiner mich in irgendwelche Schubladen stecken kann.

Musikalisch sind Sie von Musical und Popmusik zum Schlager gewechselt. Wie kam es zu diesem Wandel?

Ich bin 1997 wegen meines Musical-Engagements in Aachen nach Deutschland gekommen. Von dort aus ging es nach Essen zu „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“. Wir hatten damals immer Festivals mit Schlagersängern wie Jürgen Drews, Roberto Blanco oder Antonia aus Tirol. Da hat meine Liebe zum Schlager angefangen. Ich habe zu mir selber gesagt: Irgendwann möchtest du auch in diesen Beruf einsteigen. Darauf musste ich acht Jahre warten. Eine tolle Plattenfirma kam auf mich zu und hat gesagt: Du bist genau dieser gut gelaunte Typ, den wir für Schlager brauchen. Sechs Alben später bin ich noch da. Ich hatte drei eigene Shows beim MDR und – Gott sei Dank – die Leute freuen sich.

Ihr Mann ist ausgebildeter Opernsänger. Ist es für ihn nicht ein riesiger Kulturschock, Sie zu Schlager-Auftritten zu begleiten?

Er begleitet mich sehr oft und am Anfang war er schon ein bisschen irritiert, wie die Menschen dort drauf sind. (lacht) Inzwischen findet er es richtig geil, wenn ich das so sagen darf. Manchmal singen wir auch auf der Bühne zusammen. Die Leute rasten völlig aus, wenn er mit seiner Opernstimme loslegt. Paul hat durch die Schlager-Auftritte viel erlebt und er ist dankbar, dass ich diesen Weg genommen habe.

Sie treten zum Schlager-Open-Air im Schlosspark Philippsthal auf. Hatten Sie vorher schon jemals von diesem Ort gehört?

Gehört schon, aber ich war noch nie da. Wir kommen ein bisschen früher an, damit ich den Ort erkunden kann. Seit ich ein bisschen älter bin, mache ich nicht mehr nur den Job und reise gleich wieder ab, sondern wir hängen noch ein paar Stunden oder einen Tag dran. Ich freue mich sehr. Alleine schon der Titel Schlosspark. Es kann dort nur fantastisch sein, oder?

Das ist es. Als Einheimischer bin ich bei dieser Einschätzung allerdings nicht objektiv.

Siehst du! (lacht)

Sie haben einige Hits vergangener Jahrzehnte gecovert. War früher die Musik besser als die heutigen Kompositionen?

Wenn ich ehrlich bin, ist das einer der Gründe, warum ich immer noch solche Coverversionen mache. Ich merke, dass man die Songs von damals nicht vergessen darf. Es gibt einen riesen Pulk von jungen Schlagerfans. Ich will dieser neuen Generation zeigen, wie toll diese Songs waren und immer noch sind. Es gibt natürlich auch heute noch Ausnahme-Hits, aber die besten Hits für mich sind von früher.

Schlager gilt ja eher als unpolitisch. Dennoch: Mit welchen Gefühlen verfolgen Sie als gebürtiger Brite die aktuelle Brexit-Debatte?

Ich bin sehr enttäuscht und verstehe nicht, was die Menschheit gerade macht. Wir müssen mit Trump umgehen und jetzt haben wir auch noch Boris Johnson. Ich habe das Gefühl, dass ich in einer Realityshow wie Big Brother bin und hoffe, irgendwann aufzuwachen. Theresa May hat wirklich ihr Bestes gegeben. Boris Johnson hat viel versprochen, aber nichts – gar nichts – hingekriegt.

Ihren Durchbruch hatten Sie durch die TV-Sendung Popstars. Haben Sie zu Ihren alten Bandkollegen von Brosis eigentlich noch Kontakt?

Ich habe super viel Kontakt zu Giovanni Zarella. Wir telefonieren fast täglich oder schreiben SMS. Zu den anderen habe ich kaum Kontakt. Obwohl wir nie im Bösen auseinandergegangen sind, ist es wie mit einer Schulklasse: Man geht unterschiedliche Wege und freut sich, wenn man sich zufällig wiedertrifft.

Sehnen Sie sich manchmal nach der Musical-Bühne?

Nein. Die gleiche Rolle jeden Tag zu spielen, ist nicht so einfach, wie man denkt. Ich finde es schön, wie mein Leben jetzt ist. Ich wurde mehrfach gefragt, ob ich den Rusty in Starlight-Express spielen möchte. Aber ich bin keine 21 mehr, sondern 45. Die Knochen machen nicht mehr so mit wie früher.

Könnten wir Sie vielleicht mit einer Musicalrolle bei den Bad Hersfelder Festspielen umstimmen – oder würde Sie ein Auftritt bei strömendem Regen zu sehr ans Dschungelcamp erinnern?

(lacht) Mir ist es heute lieber, im Zuschauerraum zu sitzen und das Stück zu sehen, als selbst mitzuspielen.

Zur Person

Ross Antony wurde 1974 in Bridgnorth in England geboren. Er entstammt einer Künstlerfamilie und stand schon im Alter von drei Jahren auf der Bühne. Nach der Schule schloss er eine Ausbildung an der Guildford School of Acting for Music, Dance and Drama mit Diplom ab. Seit 1997 spielte er zahlreiche Hauptrollen in verschiedenen Musicalproduktionen in Deutschland. Der Durchbruch gelang ihm mit der Casting-Band Brosis. 2008 gewann Antony in der Fernsehsendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ und wurde Dschungel-König. Mit seinem Ehemann, dem Opernsänger Paul Reeves, betrieb er eine Bed-and-Breakfast-Pension in Wallingford (Oxfordshire) in England. Das Paar hat zwei Kinder adoptiert und lebt in Siegburg bei Bonn.

Schlagerparty zum Mauerfall-Jubiläum

Neben Ross Antony stehen bei der Schlagerparty des Kulturweckers im Schlosspark Philippsthal am Samstag, 24. August, auch Schlagersängerinnen Linda Hesse („Mach ma laut“) sowie Libelle (mit bürgerlichem Namen Franziska Führ aus Melsungen) auf der Bühne. Mit dabei ist auch die fränkische Band Dorfrocker. Das Schlager-Open-Air ist Teil einer Veranstaltungsreihe zu 30 Jahren Grenzöffnung. Einlass ist ab 18.30 Uhr, Beginn um 20.30 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf beim Zeitschriftenhandel Fritsch in Philippsthal, in der Glückauf-Apotheke in Heringen, bei der Raiffeisenbank Werratal-Landeck in Philippsthal und Vacha, bei der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg in Philippsthal, in den Geschäftsstellen von HNA und Hersfelder Zeitung sowie online im Ticketshop des Kulturweckers. Normale Stehplatzkarten kosten 32 Euro, Kinder bis zwölf Jahre sind frei. Front-of-Stage-Karten kosten für Erwachsene 40 Euro und für Kinder bis zwölf Jahre 20 Euro. (Preisangaben ohne eventuelle Servicegebühr).

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