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Pipeline bald schon Geschichte? K+S hat neue Lagermöglichkeit für Salzabwässer

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Hinter den Häusern von Widdershausen (Kreis Hersfeld-Rotenburg) ragt der „Monte Kali“, eine Abraumhalde aus dem Kalibergbau, auf.

Seit Jahren wird über eine Leitung für Salzabwässer der Kali-Produktion von K+S quer durch die Region gestritten. Eine neue Lagermöglichkeit könnte alle bisherigen Pläne hinfällig machen.

Warum ist die jetzt genehmigte Möglichkeit, Salzabwässer im Kali-Revier an der Werra unter Tage zwischenlagern zu können, für den Kasseler Düngerkonzern K+S so wichtig?

Weil der Hauptentsorgungsweg für solche Abwässer aus den Kali-Fabriken und von den riesigen Abraumhalden der Fluss ist. Und hinter der Werra die Weser, die die Salzfracht – durch Nebenflüsse zunehmend verdünnt – bis in die Nordsee trägt. 

Das ist aber nur genehmigt, solange die Werra so viel Wasser führt, dass festgelegte Konzentrationen von Chlorid, Kalium und Magnesium durch die Abwasser-Einleitung nicht überschritten werden. Anderenfalls muss das Abwasser in Zwischenlager. Oder die Produktion in den K+S-Fabriken an der Werra muss zeitweise ruhen, wie 2018. Mehr Speicherraum hilft genau dies zu vermeiden – mit den zusätzlichen 400.000 Kubikmetern unter Tage und weiteren oberirdischen Becken kommt K+S jetzt nach eigenen Angaben auf knapp eine Million Kubikmeter – und länger über trockene Zeiten.

Was in dem stillgelegten Grubenfeld der Grube Wintershall an Abwasser unterkommt, muss irgendwann wieder raus. Wieso?

Weil das Regierungspräsidium (RP) Kassel das Projekt auf zehn Jahre begrenzt hat. Aus dem zeitweisen soll aus K+S-Sicht nach dem ersten Praxistest aber dauerhaftes Einstapeln werden. Es könnte das bisherige Verpressen von Abwässern in tiefe und poröse Gesteinsschichten ersetzen. Das ist wegen möglicher Risiken für Grund- und Trinkwasser seit Langem umstritten und läuft 2021 nach mehrmaliger Verlängerung durch die Genehmigungsbehörde aus. Im Gespräch für dauerhafte Einstapelung und bereits untersucht ist das thüringische Grubenfeld Springen. Laut einem jüngst veröffentlichten Bericht der Bundesländer in der Flussgebietsgemeinschaft (FGG) Weser läge dort ein Einstapelvolumen von 35 bis 40 Millionen Kubikmeter. Zum Vergleich: 2018 fielen an der Werra laut FGG in Summe rund 5,6 Mio. Kubikmeter Salzabwasser an.

Und wie ist das mit Risiken, wenn Salzabwasser nicht in tiefes Gestein verpresst, sondern in alte Grubenbaue gepumpt wird?

Laut K+S-Vorstand Burkhard Lohr ist die Einstapelung ökologisch und ökonomisch die beste Lösung. Probleme durch eine Versalzung des Grundwassers seien ausgeschlossen – die Gruben liegen zu tief. „Eine Grundwasserthematik haben wir da gar nicht, es geht ausschließlich um die Frage: Werden die Sicherheitspfeiler angegriffen und könnte es oberirdisch Setzungen geben?“ 

Theoretisch können Flüssigkeiten Salz aus den tragenden Pfeilern lösen, die Decken absenken, was sich bis zur Oberfläche fortsetzt. Verwende man aber eine hochgesättigte Salzlösung, sei das ausgeschlossen. Auch das Regierungspräsidium Kassel sieht für den jetzt genehmigten Testlauf keine Risiken.

Eine weitere Entscheidung in Sachen Kali-Abwasser soll morgen in Kassel fallen, wenn sich Minister der FGG-Anrainerländer in Kassel treffen. Es geht um das geplante Abwasserrohr aus dem Werrarevier zur Oberweser. Was steht genau an?

Hinter den Häusern von Widdershausen (Kreis Hersfeld-Rotenburg) ragt der „Monte Kali“, eine Abraumhalde aus dem Kalibergbau, auf. 

Laut Einladung die Entscheidung über das Rohr, das eigentlich Teile des Abwassers aus dem Werra-Revier quer durch Nordhessen an der Werra vorbei direkt zur Oberweser bringen soll (siehe Grafik). Ohne Verpressung fehlt K+S nach 2021 einer von bislang zwei Entsorgungswegen. Salzabwässer aber nur noch in die Werra zu kippen, das geben die Grenzwerte nicht her. 

Und eine Verschlechterung des sowieso schlechten Werra-Zustandes ist tabu. Also Umleitung an der Werra vorbei – das war die Idee im Maßnahmenpaket der FGG-Länder zur Verbesserung der Qualität von Oberflächen- und Grundwasser an Werra und Weser. Zu entscheiden ist, ob neben allen anderen Maßnahmen (etwa Salzwasserreduzierung in der Produktion, Abdeckung von Abraumhalden, Lkw- und Bahntransporte von Abwasser in stillgelegte niedersächsische Gruben, Einstapelung im Werra-Revier), das Rohr zur Oberweser überhaupt nötig ist. (mit dpa)

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