„Ich bin nicht amtsmüde“

Philippsthals Bürgermeister Ralf Orth tritt nicht mehr an

Schlossherr auf Zeit: Philippsthals Bürgermeister Ralf Orth hat angekündigt, nicht noch einmal als Rathauschef in der Werragemeinde zu kandidieren. Sein Büro im Landgrafenschloss (im Hintergrund) wird er damit Ende 2019 räumen. Foto: Eisenberg

Philippsthal. Im Dezember 2019 endet die zweite Amtszeit von Philippsthals Bürgermeister Ralf Orth. Nach einer Erkrankung will der 58-Jährige nicht erneut zu kandidieren.

Darüber hat der Rathauschef jetzt die Fraktionsvorsitzenden der Gemeindevertretung und die Mitarbeiter informiert. Wir sprachen mit Orth über seine Beweggründe.

Sie haben angekündigt, nicht noch einmal als Bürgermeister zu kandidieren. Sind Sie nach zwei Wahlperioden amtsmüde?

Ralf Orth: Nein, auf keinen Fall. Es liegen viele Aufgaben vor uns, gerade in der wichtigen Phase der Haushaltskonsolidierung. Hinzu kommen die Digitalisierung der Verwaltung und die gerade auf den Weg gebrachte interkommunale Zusammenarbeit. Maßgebend sind gesundheitliche Gründe. Ich habe meine gesundheitliche Leistungsgrenze erreicht. Mit dem Amt als Bürgermeister ist das nicht vereinbar. Man muss topfit sein, um weitere sechs Jahre Dienst tun zu können. Deshalb ist es der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören.

Wie lange ist diese Entscheidung in Ihnen gereift?

Orth: Ich habe diese Entscheidung nach einer längeren Reha-Maßnahme im letzten halben Jahr getroffen.

Wie haben die Fraktionsvorsitzenden und Mitarbeiter auf Ihren Entschluss reagiert?

Orth: Mit Bedauern, aber Verständnis. Sie hätten – sofern ich wieder gewählt worden wäre – gerne weiter mit mir zusammengearbeitet. Ich bin zur letzten Wahl von allen drei Fraktionen nominiert worden. Deshalb habe ich die Vorsitzenden zuerst informiert.

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz nach knapp elf Jahren als Bürgermeister aus?

Orth: Insgesamt bin ich zufrieden mit dem, was wir gemeinsam erreicht haben. Es ist gelungen, den politischen Frieden zu wahren und gemeinsam an der Sache zu arbeiten. Das war immer meine Arbeitsweise. Wir haben die Jahre gut genutzt und bei Straßenbau, Kanal- und Wasserleitungen, Schlosspark-Sanierung, Dorfgemeinschaftshäusern und Feuerwehrgerätehäusern in allen Ortsteilen in die Infrastruktur investiert und ein Investitionsprogramm für die kommenden Jahre aufgestellt. Die Doppik wurde eingeführt – mit den Geburtswehen, die alle Gemeinden hatten. Die Verwaltung wurde umstrukturiert und ein Bürgerservicebüro geschaffen. Auch die Feuerwehr- und Vereinförderung war mir wichtig. Wir haben Philippsthal durch kulturelle Veranstaltungen und gemeinsam mit der Werbegemeinschaft durch die Gewerbeschau PhiFa noch bekannter gemacht.

Als negativ habe ich die Gewerbesteuer-Neuaufteilung mit der Gemeinde Hohenroda empfunden. Man kann nicht darauf vorbereitet sein, rückwirkend für zehn Jahre Gewerbesteuer plus Zinsen zurückzahlen zu müssen, weil die Finanzbehörde jahrelang die Verteilung falsch berechnet hat. Der Einsatz für die Arbeitsplätze bei K+S hat viel Kraft gekostet. Es waren arbeitsreiche Jahre, aber das habe ich auch nicht anders erwartet.

Wie geht es beruflich für Sie weiter – suchen Sie nach einer neuen Aufgabe oder gehen Sie in den Ruhestand?

Orth: Ich gehe in den Ruhestand. Im kommenden Jahr werde ich 60 Jahre alt und war dann fast 30 Jahre haupt- und ehrenamtlich in der Vereins- und Kommunalpolitik tätig. Ich freue mich darauf, meinen Ruhestand zu genießen – so stelle ich es mir zumindest vor. Ob ich wirklich ganz die Hände in den Schoß legen kann, weiß ich noch nicht.

Bleiben Sie im Ruhestand im Werratal?

Orth: Ich gehe zurück in meine alte Heimat Breitenbach am Herzberg. Dort habe ich ein Haus und meine Eltern brauchen meine Unterstützung. Ich bin in den vergangenen Jahren in Philippsthal heimisch geworden und werde natürlich den Kontakt ins Werratal halten.

Zur Person 

Ralf Orth (58) ist in Breitenbach/H. aufgewachsen. Der gelernte Bäcker und Koch war Zeitsoldat bei der Bundeswehr, schulte anschließend um zum Bankkaufmann und bildete sich zum Diplom-Bankbetriebswirt weiter. Orths Vater Paul war von 1996 bis 2002 Bürgermeister von Breitenbach/H. Auch Ralf Orth war als Mitglied des Ortsbeirats und der SPD-Fraktion in der Gemeindevertretung in seiner Heimatgemeinde kommunalpolitisch aktiv. Bei der Bürgermeisterwahl in Philippsthal im Jahr 2007 trat Ralf Orth als SPD-Kandidat an und setzte sich mit 55,1 Prozent der Stimmen gegen Carsten Wenig und Hans-Werner Gast durch. Bei seiner erneuten Kandidatur im Jahr 2013 wurde er von allen drei Fraktionen des Gemeindeparlaments unterstützt und blieb ohne Gegenkandidat. Ralf Orth sitzt für die SPD im Kreistag. Sein Hobby ist das Laufen. Außerdem ist er musikbegeistert und lernt seit Kurzem Gitarre spielen. 

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