Alles muss raus

Philippsthal: Fensterbaubetrieb Käufer schließt

Alles muss raus: Dieter Käufer schließt seinen Fensterbau-Betrieb. Der Fertigungsbereich ist bereits leer geräumt. Die Maschinen sind verkauft. Foto: Mario Reymond

Ende Juni wird in Philippsthal der Metall- und Fensterbaubetrieb von Dieter Käufer endgültig schließen.

Nach 51 Jahren Arbeitsjahren – 41 davon in der Selbstständigkeit – geht der gelernte Maschinenschlosser und Bauzeichner Dieter Käufer aus Rotensee zum Ende des Monats in den Ruhestand. Mehr noch. Er schließt seinen Metall- und Fensterbaubetrieb in Philippsthal, weil sich niemand gefunden hat, der den Betrieb hätte übernehmen und weiterführen können.

In Philippsthal hatte er noch vor Öffnung der innerdeutschen Grenze optimale Bedingungen vorgefunden. Das Betriebsgebäude erwarb er für relativ wenig Geld, denn Richtung Osten war ja Schluss.

Im sogenannten Zonenrandgebiet seien Ende der Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts die Preise noch überschaubar gewesen. In Bad Hersfeld hätte er für eine vergleichbare Immobilie wesentlich mehr berappen müssen. Also verlagerte er seinen Fensterbau-Garagenbetrieb aus Rotensee ins Werratal.

Keiner wollte

Die Sache mit dem Fensterbau hat er beim Hersfelder Metallbau erlernt. „Als ich gesehen habe, was beim Metallbau alles schiefgelaufen ist, habe ich mir gedacht, das kannst du auch“, scherzt Käufer. Die Firma Hersfelder Metallbau hatte im Jahre 1989 aufgrund wirtschaftlicher Schieflage Konkurs anmelden müssen.

Mit 66 Jahren darf man der Arbeitswelt sicherlich den Rücken kehren, doch Dieter Käufer hätte gerne noch weitergemacht. Alleine die Gesundheit macht ihm da einen Strich durch die Rechnung. Sein Arzt hat ihm und einer weiteren beruflichen Zukunft die Rote Karte gezeigt. Seinen Betrieb hat Käufer bereits verkauft.

Statt Kunststofffenster sollen in den Hallen des aktuellen Fensterbaubetriebs schon bald von einem Tischler Inneneinrichtungen für den Gastronomiebereich gefertigt werden.

Dieter Käufer fällt der Rückzug ganz offensichtlich nicht leicht. Auch das Aus für seinen Betrieb macht ihm zu Schaffen. Zu gerne hätte er ihn in gute Hände übergeben und als Fensterbaubetrieb fortführen lassen. Doch niemand wollte einsteigen. „Das Handwerk hat leider ein ganz schlechtes Image. Da gebe ich auch den Kammern die Schuld, die sich jahrelang nicht richtig gekümmert haben. Heute will halt niemand mehr im Blaumann herumlaufen“, glaubt Käufer. Doch das werde sich schon bald wieder umkehren. Dann nämlich, wenn es kaum noch Handwerker gibt, und die, die dann noch da sind, für die Arbeitsstunde 80 bis 85 Euro berechnen werden.

Auch in seiner Branche habe sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Es gebe immer weniger Fensterbauer in Deutschland. Viele würden die fertigen Fenster billig in Osteuropa einkaufen und dann nur noch einbauen.

Zeit für Enkel und Schallplatten

In der Freizeit will sich Käufer nun um seine fünf Enkelkinder kümmern. Und auch seinem Hobby, der Blasmusik wird er weiter frönen. Zwar nicht mehr aktiv als Paukist, sondern nur noch passiv am Schallplattenspieler.

Käufer spielte für den Stadtmusikverein Bad Hersfeld, für den Musikverein Ransbach, für die Rotenburger und die Kirchheimer Blasmusik sowie die Bergmannskapellen Wintershall und Hattorf.

„Ich habe eine riesige Plattensammlung. Meine bis zu 1200 Exemplare der Richtungen Schlager und Blasmusik möchte ich sortieren. Das habe ich mir schon ganz lange vorgenommen“, sagt Käufer. Dafür wird er schon bald sehr viel Zeit haben.

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