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Netzbetreiber richtet in Röhrigshof Zwischenlager für Suedlink-Erdkabel ein

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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Hier ist Platz für 150 Kabelspulen: (von links) Philippsthals Bürgermeister Timo Heusner, Revikon-Geschäftsführer Daniel Beitlich sowie Teilprojektleiterin Stefanie Cerchiarini und Gesamtprojektleiter Michael Gutzeit von TransnetBW bei der symbolischen Schlüsselübergabe für das Suedlink-Kabellager auf dem ehemaligen Werra-Plastic-Gelände.
Hier ist Platz für 150 Kabelspulen: (von links) Philippsthals Bürgermeister Timo Heusner, Revikon-Geschäftsführer Daniel Beitlich sowie Teilprojektleiterin Stefanie Cerchiarini und Gesamtprojektleiter Michael Gutzeit von TransnetBW bei der symbolischen Schlüsselübergabe für das Suedlink-Kabellager auf dem ehemaligen Werra-Plastic-Gelände. © Jan-Christoph Eisenberg

Der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW hat auf dem Gelände des ehemaligen Kunststoffwerks Werra Plastic eines von acht Kabelzwischenlagern für die Höchstspannungsleitung Suedlink eröffnet.

Röhrigshof – Der Trassenkorridor für die Höchstspannungsleitung Suedlink führt zwar östlich am Kreis Hersfeld-Rotenburg vorbei, dennoch wird die Region während der Bauphase eine entscheidende Bedeutung für das Projekt haben.

Auf dem Gelände des ehemaligen Kunststoffwerks Werra Plastic im Philippsthaler Ortsteil Röhrigshof hat der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW am Donnerstag eines von acht Kabelzwischenlagern entlang der Trasse eröffnet. Das rund fünf Hektar große Gelände sowie Büros im zugehörigen Verwaltungsgebäude mietet das Unternehmen vom Gießener Projektentwickler Revikon, der es „in Rekordzeit“, wie Suedlink-Gesamtprojektleiter Michael Gutzeit betonte, vorbereitet habe.

Seit dem Frühjahr wurde laut Revikon-Geschäftsführer Daniel Beitlich ein Großteil des bisherigen Gebäudebestands, darunter die rund 20 Meter hohe Intruderhalle, abgebrochen, die Freiflächen entsiegelt und eine neue Betondecke aufgebracht. Rund fünf Millionen Euro hat der Umbau zum Suedlink-Kabellager gekostet.

Das Ausbauprojekt der beiden Übertragungsnetzbetreiber Tennet und TransnetBW soll in zwei parallelen Gleichstrom-Leitungen zwischen Wilster (Schleswig-Holstein) und Bergrheinfeld bei Schweinfurt sowie Brunsbüttel und Großgartach vorrangig in Norddeutschland mit Windkraft erzeugte Energie in den Süden bringen. Nachdem die Bundesnetzagentur im Oktober 2020 den einen Kilometer breiten Trassenkorridor festgelegt hatte, läuft für die Abschnitte C und D zwischen dem niedersächsischen Edemissen und dem fränkischen Bad Kissingen seit 2021 das Planfeststellungsverfahren, bei dem der konkrete Leitungsverlauf festgelegt wird. Seine Antragsunterlagen wird TransnetBW laut Michael Gutzeit voraussichtlich Ende nächsten Jahres einreichen. Rund ein Jahr dauert es wohl, bis ein Planfeststellungsbeschluss vorliegt.

Kraftprotz: Der Kran für den Umschlag steht schon bereits, die ersten Kabel sollen im März eintreffen.
Kraftprotz: Der Kran für den Umschlag steht schon bereits, die ersten Kabel sollen im März eintreffen. © Jan-Christoph Eisenberg

TransnetBW hat offenbar keine Zweifel, eine Genehmigung zu erhalten: Gutzeit sprach von der „gesetzlichen Verpflichtung“, die für die Energiewende benötigte Übertragungsleitung zu bauen.

Die Einrichtung der Logistik-Standorte schon während der Genehmigungsphase begründete der Gesamtprojektleiter mit den beschränkten Kapazitäten und einem entsprechend langen Vorlauf bei der Kabelproduktion. Insgesamt 2420 Kilometer des 15 Zentimeter dicken Erdkabels werden die Lieferanten NKT und Prysmian in mehreren Werken in Europa produzieren. Die Fertigung ist bereits angelaufen, im März sollen die ersten Kabeltrommeln im Werratal ankommen. Obwohl das Lager neben einem Containerbahnhof liegt, werden die insgesamt 150 Spulen in Röhrigshof über die Straße angeliefert. Mit 4,4 Metern Querschnitt und einem Gewicht von bis zu 100 Tonnen seien sie zu groß und schwer für Eisenbahnwaggons.

Bis zu zwei Kilometer lange Kabelabschnitte sind auf einer Trommel aufgewickelt. Schwertransporter bringen diese zu den Abspulplätzen, sobald sie benötigt werden. Das Zwischenlager versorge die Baustellen in Umkreis von rund 50 Kilometern Luftlinie, erklärte Teilprojektleiterin Stefanie Cerchiarini – neben dem gesamten Abschnitt C2, der zwischen der Landesgrenze zu Niedersachsen und der Landesgrenze zu Thüringen durch den Werra-Meißner-Kreis führt, auch Teile der Abschnitte C1 durch Niedersachsen sowie D1, der von Wommen an Unterellen, Marksuhl und Bad Salzungen vorbei in Richtung bayerischer Grenze führt. Die jeweils nächsten Lager sind bei Hildesheim und Queienfeld (Landkreis Schmalkalden-Meiningen).

Während die bis zu 42 Meter langen, zehnachsigen Schwertransporter nachts rollen, soll der Umschlag per Mobilkran am Tag stattfinden. Auf dem umzäunten und von einem Sicherheitsdienst bewachten Areal arbeiten zu Spitzenzeiten laut Transnet BW etwa 20 Personen im Schichtdienst. Nutzen will der Netzbetreiber das Gelände, bis – voraussichtlich im Jahr 2028 – die Suedlink-Leitung in Betrieb geht. Philippsthals Bürgermeister Timo Heusner (SPD) begrüßte während der Eröffnungsfeier die neue Nutzung der ehemaligen Industriebrache ausdrücklich. (Jan-Christoph Eisenberg)

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