Umjubelte Aufführung in der Kreuzberghalle

Pavillontheater Philippsthal zeigte Zickenkrieg in der Seniorenresidenz

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Als „Hahn im Korb“ zieht Senior Hannes (Herbert Janßen) in eine reine Damen-Wohngruppe des Seniorenheims „Haus Abendsonne“. Die Pflegedienstleiterin (Sylvia Ochs, links) merkt bald, dass der männliche Zuwachs nicht nur mit der resoluten Gerda König (Mathilde Dürr-Hohenthanner, 2. von links) und mit Maria Grothe (Eila Vogel, rechts) flirtet, sondern auch den anderen Damen Avancen macht.

Philippsthal. Theater macht Freunde – seit mittlerweile 25 Jahren erprobt das Philippsthaler Pavillontheater dieses Motto. Jetzt zeigte die Gruppe das heitere Stück "Ach, Hannes!"

Gründungsmitglied Monika Götte betonte bei der Jubiläumsaufführung, dass durch das gemeinsame Theaterspielen intensive und lang andauernde Freundschaften geknüpft wurden.

Und wie viel Freude Theaterspielen macht, konnten die Zuschauer in der gut besetzten Philippsthaler Kreuzberghalle bei der Aufführung des Theaterstücks „Ach, Hannes!“ von Franka Michaelis nachspüren, das sich die Mitglieder des Pavillontheaters als „Geburtstagsgeschenk“ ausgesucht hatten.

Freude am gemeinsamen Tun

Auch Bürgermeister Ralph Orth würdigte die langjährige und konstante Arbeit der Mitglieder des Pavillontheaters als Beitrag zum kulturellen Leben in der Gemeinde. Viel Arbeit, so Orth, sei erforderlich, um den Zuschauern einen vergnüglichen Abend zu bereiten. Doch gerade den Mitgliedern des Pavillontheaters spüre man deutlich an, dass sie Freude am gemeinsamen kreativen Tun hätten. Und das wurde auch bei der aktuellen Aufführung immer wieder deutlich.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Der Senior Johannes „Hannes“ Heisters (Herbert Janßen) zieht als einziger Mann in eine reine Frauen-Wohngruppe in das Seniorenheim „Haus Abendsonne“. Die Damen blühen infolge des männlichen Zuwachses, der keinem Flirt abgeneigt ist und mit jeder seiner fünf Mitbewohnerinnen eine kleine Romanze beginnt, sichtlich auf: Sie holen ihre beste Kleidung aus dem Schrank, bemühen sich um ein möglichst Rollator- und Gehstock-armes Gangbild und auch die Stimmung in der zuvor eher von Zickenkrieg geprägten Wohngruppe verbessert sich - sehr zur Freude des Pflegepersonals (gespielt von Sylvia Ochs und Julia Koch) - deutlich.

Hoffen auf Beziehung

Die vornehme Frau von Schiller (Ulrike Erbe), die in ihrer eigenen Welt lebende Frau Bublitz (Andrea Merkel), die sehr auf ihr Äußeres bedachte Frau Bornefeld (Kornelia Schönewolf) , die resolute Frau König (Mathilde Dürr-Hohenthanner) oder die eher naive Maria Grothe (Eila Vogel) - sie alle freuen sich über den männlichen Zuwachs und machen sich Hoffnung auf eine dauerhafte Beziehung. Sie alle genießen den kleinen Flirt, den Hauch von Rasierwasser in der Nase.

Hannes ist von der „Ménage a sechs“ schon bald überfordert und täuscht bei Gefahr im Verzug gezielt Gedächtnislücken vor, was seine Tochter Lisa (Merle Lotz) nicht wenig irritiert.

Für eine stilechte musikalische Rahmung mit Schlagern der 1920er Jahre sorgten Wolfgang von der Ehe (Klarinette, Gesang und Klavier), Petra Lotz (Klavier) und Günter Bartmann (Akkordeon).

Als die Frauen schließlich die „geheimen“ Affären entdecken, die Hannes mit ihnen allen unterhält, kommt es nicht zur gefürchteten Explosion, sondern zu einer überraschenden Lösung: Sie arrangieren sich und teilen sich ihren männlichen Mitbewohner.

Altern mit Würde und Freude

Die Mitglieder des Pavillontheaters hatten sichtlich Spaß bei ihrer Aufführung: Mit viel Gefühl für die unterschiedlichen Menschentypen und ohne in Gefahr zu geraten, ins schenkelklopfend-komödienstadelhafte abzugleiten, führten sie dem Publikum mit Augenzwinkern vor, dass Würde, Lebensfreude und Altern keine unvereinbaren Gegensätze sein müssen. Denn wie auch immer man sein Leben gestaltet: Im Alter gelten immer andere Regeln und eigentlich sind alle Männer ohnehin Verbrecher.

Von Ute Janßen

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