Vom Ruhrpott an die Werra

Nur wenige Kohle-Kumpel wechseln in den Kalibergbau

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Von der Kohle in den Kalibergbau: Pasqual Olminski (links) unterhält sich mit einem Mitarbeiter, der einen Bohrwagen steuert. Der frühere Kohle-Bergmann Olminski arbeitet seit 2011 im Werk Werra für den Düngemittelhersteller.

Philippsthal –Weißes Salz statt schwarzer Kohle: Pasqual Olminski ist einer der wenigen Kohle-Bergleute, die zum Kalibergbau gewechselt sind.

Früher konnte sich Pasqual Olminski oft nur auf allen vieren an seinem Arbeitsplatz bewegen. Im Kohlebergbau war es heiß, stickig und eng.

Heute fährt der 32-Jährige meist mit dem Auto. 120 Kilometer legt der Vorarbeiter des Dünger- und Salzkonzerns K+S pro Tag unter Tage zurück. „Mir fehlt hier nichts“, sagt Olminski. Im hessisch-thüringischen Kalirevier hat er eine neue Heimat gefunden – und ist damit eine Ausnahme. Denn trotz der Schließung aller deutschen Steinkohlezechen kamen bisher nur wenige Kohle-Bergleute an die Werra.

2004 wurde Olminski Bergmann. Er begann eine Ausbildung im Bergwerk Ost in Hamm (Nordrhein-Westfalen). „Die brauchten Leute“, erinnert er sich. Durch steigende Kohlepreise und eine überalterte Belegschaft taten sich trotz Kohlekrise Perspektiven auf. Doch die zerschlugen sich schnell. 2009 kehrte Olminski der Branche den Rücken – trotz Jobangebot bis 2018 für ein anderes Kohlebergwerk.

Gute Arbeitsbedingungen

Nach zwei Jahren als Schweißer zog es Olminski zurück in den Bergbau. Er setzte sich vor den Computer und gab „Bergmann Deutschland“ ein. Einer der ersten Treffer sei der Bergbaukonzern K+S gewesen. Doch trotz guter Arbeitsbedingungen wird Kali im Kohlerevier belächelt. „Die Kollegen haben gesagt: Das ist Salonbergbau“, erklärt Olminski und lacht. Im K+S-Werk Werra gibt es hohe Decken statt niedriger Stollen und weißes Salz statt schwarzer Kohle. Die Temperatur liegt bei angenehmen 25 Grad. Seit 2011 arbeitet Olminski für K+S. Heute ist der 32-jährige Vorarbeiter in der Gewinnung, verantwortlich für sieben Bergleute. Dass er mit seiner Familie im jetzt ländlichen Osthessen wohnt, sei kein Problem. „Ich bin eher gestresst, wenn ich in den Ruhrpott muss und dort Auto fahre.“

Doch Olminski sei ein Einzelfall. Trotz Kohlekrise wechselten nur wenige Bergleute zum Kali, bedauert Betriebsratsvorsitzender AndréBahn. Dabei habe das Unternehmen im Ruhrgebiet um neue Arbeitskräfte geworben. 4400 Arbeitsplätze bietet K+S im Kalirevier. Rund 2100 davon sind Bergleute. Allerdings haben auch sie Zukunftssorgen. Das Unternehmen kämpft mit Entsorgungsproblemen, die die Produktion begrenzen.

Mit 55 Jahren in den Vorruhestand

Bei K+S kommt laut André Bahn ein Bergmann nach drei Jahren mit Zulagen auf über 3000 Euro. Die Knappschaftsausgleichsleistung (KAL), die es Bergleuten erlaubt, nach 25 Jahren unter Tage mit 55 in Vorruhestand zu gehen, gehe bei einem Wechsel ins Kalirevier nicht verloren.

Der Vorruhestand ist aber ein Grund, warum so wenige ehemalige Kohleleute an die Werra kommen. Und die, die nicht in Frührente sind, wechseln oft in andere Branchen. Da kann man nicht immer das verdienen, was im Bergbau gezahlt wurde. Dafür ist in den meisten Fällen kein Umzug erforderlich.

Olminski jedoch ist froh, zurück im Bergbau zu sein. Denn Bergleute sind eine Gemeinschaft, die zusammenhält. „Grube ist Grube“, sagt Olminski.  

VON GÖRAN GEHLEN /DPA

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