Fassade und Fenster erneuert

Neue Farbe für den Südflügel der Philippsthaler Schlosskirche

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Nach historischem Vorbild: Der gelbe Anstrich des Südflügels der Philippsthaler Schlosskirche ist einem kräftigen Oxidrot gewichen, während Turm und Westfassade altweiß gestrichen wurden. Im Vordergrund (von links) der bisherige Bauausschussvorsitzende Manfred Bugs, Pfarrerin Heidi Houska, Planer Stephan Nimmich, Küsterin und Kirchenvorstandsmitglied Martina Martens und der künftige Bauausschussvorsitzende Hans-Heinrich Wiegand.

Spätestens, wenn die Bauarbeiten im Südflügel der Philippsthaler Schlosskirche  nach dem Abbau des Gerüsts in die Winterpause gehen, wird der Baufortschritt auch von außen sichtbar sein.

Denn der vertraute Gelbton der Gebäudefassade ist einem Oxidrot gewichen. „Der Kirchenvorstand ist bei der Farbwahl der Empfehlung des Landesamts für Denkmalpflege gefolgt“, erklärt Stephan Nimmich vom mit der Planung beauftragten Ingenieurbüro Trabert und Partner aus Geisa. Beim Abnehmen der Putzschicht habe ein Restaurator den ursprünglichen Anstrich in diesem Farbton entdeckt. „Rot war im 18. Jahrhundert, als das ehemalige Kloster zur fürstlichen Residenz umgebaut wurde, ein Herrschaftszeichen“, erklärt Pfarrerin Heidi Houska.

Für das bisherige Gelb lieferten die Befunduntersuchungen hingegen keine Belege. Der Kellenputz sei erst zu Zeiten der Ortskernsanierung in den 1970er Jahren aufgetragen worden, erinnert sich der neue Vorsitzende des Bauausschusses der Kirchengemeinde, Hans-Heinrich Wiegand. Die Westfassade samt Turm wurde deshalb nun mit in der Barrockzeit üblichem Altweiß gestrichen. Mit Fassadenerneuerung wurden im Zuge des dritten Bauabschnitts auch die historischen Fenster saniert und die übrigen Holzrahmen und Scheiben nach historischem Vorbild nachgefertigt. Auch die Fenstergesimse mussten aufwendig restauriert werden: „Die Natursteinarbeiten wurden zum Teil mit der Hand ausgeführt“, berichtet Heidi Houska.

Fertig zum Einbau: Der bisherige Bauausschussvorsitzende Manfred Bugs (links) und sein Nachfolger Hans-Heinrich Wiegand begutachten die Fenster, die nach historischem Vorbild nachgefertigt wurden.

Vorangeschritten sind die Arbeiten auch im Gebäudeinneren: Im ersten und zweiten Bauabschnitt wurden Dachkonstruktion, Geschossdecken und Wände des westlichen Turmbereichs sowie im Südflügel statisch grundsaniert. Die Holzkonstruktion dieses Gebäudetraktes hatte sich geneigt und stellenweise bis zu 15 Zentimeter von der Mauer zum Kirchenschiff entfernt. Besondere Herausforderung sei gewesen, die Anforderungen des Schall- und Brandschutzes mit den Belangen des Denkmalschutzes und dem Erhalt historischer Bausubstanz in Einklang zu bringen, verdeutlicht Stephan Nimmich. Den mit der Ausführung beauftragten Fachfirmen bescheinigt der bisherige Bauausschussvorsitzende Manfred Bugs gute Arbeit.

Roh- und ersten Innenausbauarbeiten sollen sich im kommenden Jahr anschließen. In den sanierten Räumen werden später die Einrichtungen der evangelischen Kirchengemeinde zu einem Gemeindezentrum gebündelt: Die Fürstenloge wird zum Gemeindesaal. Er soll über einen neuen Eingang mit Rampe an der Ostseite barrierefrei erreichbar sein. Auf gleicher Ebene sind auch Küche sowie ein Funktionsraum vorgesehen. Die geplante Toilettenanlage im Kellergeschoss wird ebenso wie das erste Obergeschoss per Fahrstuhl erschlossen. Dort sowie im Mansardengeschoss wird die Pfarrerdienstwohnung eingerichtet, während die Räume unter dem Turm für das Pfarrbüro vorgesehen sind.

Bislang liege das Projekt im Kostenrahmen, betonen Manfred Bugs und Stephan Nimmich. Von rund 1,8 Millionen Euro kalkulierten Baukosten übernimmt den größten Teil die evangelische Landeskirche. 176 000 Euro kommen aus einem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes und mit 730 000 Euro beteiligt sich das Landesamt für Denkmalpflege. Die evangelische Kirchengemeinde bringt den Erlös aus dem geplanten Verkauf des seit einigen Jahren vermieteten Pfarrhauses sowie des bisherigen Gemeindehauses ein.

Hintergrund

Fürstenloge, Wohnungen und Vereinsheim

Die Philippsthaler Schlosskirche wurde im 12. Jahrhundert von Benediktinern als Klosterkirche geplant und vom Zisterzienserorden fertiggestellt. Nach Übernahme durch die Philippsthaler Landgrafen wurde das Gotteshaus bis 1733 in größerem Umfang umgebaut. Dabei wurde auch das südliche Kirchenschiff in den heutigen dreigeschossigen Südflügel mit Fürstenloge verwandelt. Bis ins Jahr 1939 nutzte die landgräfliche Familie den Gebäudetrakt. Danach waren dort bis in die Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts mehrere Mietwohnungen untergebracht. Anschließend richtete der örtliche Männerchor in den Räumen sein Vereinsheim ein. Zuletzt waren im Südflügel nur noch die Toiletten für die Kirchenbesucher und ein Lagerraum untergebracht. Ein Großteil des Gebäudetraktes stand leer. Die Räume im Turmbereich der Schlosskirche waren die zuletzt übergangsweise K+S, davor von der Krankenkasse Knappschaft genutzt worden. (jce)

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