„Erstmal einen Gang zurückschalten“

Nach zwölf Jahren: Philippsthals Bürgermeister Ralf Orth geht in Ruhestand

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Nimmt nach zwölf Jahren Abschied vom Philippsthaler Rathaus: Bürgermeister Ralf Orth tritt zum Jahreswechsel in den Ruhestand. 

Nach zwölf Jahren als Bürgermeister in Philippsthal geht Ralf Orth zum Jahreswechsel in den Ruhestand. Im Interview zieht er Bilanz. 

Nach zwölf Jahren als Bürgermeister in Philippsthal geht Ralf Orth zum Jahreswechsel in den Ruhestand. Mit dem scheidenden Verwaltungschef, der aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut zur Wahl angetreten war, sprachen wir über die letzten Tage im Rathaus sowie seine Pläne für die Zukunft.

Wie ist Ihre Gemütslage in den letzten Tagen als Bürgermeister?

Gerade haben mir die Kinder der Kindertagesstätte Philippsthal Abschiedslieder gesungen und Geschenke überreicht. Da kam schon Wehmut auf. Auch in der letzten Gemeindevertretersitzung, der großen Verabschiedung bei der Feuerwehr und vielen persönlichen Begegnungen. Aber ich freue mich natürlich auf den kommenden Lebensabschnitt – auch wenn es der letzte ist – und hoffe, dass die Gesundheit noch lange mitspielt.

Wie fällt Ihre Bilanz aus – haben Sie Ihre Ziele erreicht?

Ich neige gelegentlich dazu, mit mir selbst unzufrieden zu sein, und bekomme von anderen oft die Rückmeldung, dass ich mich doch auch mal über das Erreichte freuen soll. Alleine 43 Straßen sind in den vergangenen zwölf Jahren erneuert und viele andere Projekte umgesetzt worden. Bei den Investitionen wurde jeder Ortsteil berücksichtigt. Trotz der vielen Arbeit waren wir ein gutes Team – damit meine ich nicht nur meine Mitarbeiter, sondern alle Kommunalpolitiker, Bürger, Vereine und Verbände, unsere Gewerbetreibenden unter dem Dach der Werbegemeinschaft. Unterm Strich fällt meine Bilanz positiv aus – aber eigentlich müssen das ja andere beurteilen.

Welche offenen Baustellen hätten Sie gerne noch vor dem Ende der Amtszeit abgearbeitet?

Sicherlich hätte ich noch gerne weitere Projekte mit meinem Team abgearbeitet, aber ich habe mich aus gesundheitlichen Gründen entschlossen, nicht für eine weitere Amtszeit anzutreten. Kommunalpolitik ist ja nunmal ein stetig weiterlaufender Prozess.

Würden Sie rückblickend etwas grundsätzlich anders machen?

Die Erschließung des Neubaugebiets in Philippsthal hätten wir im Nachhinein früher angehen müssen. Aber wir hatten ja so viele andere Projekte. Das alles muss finanziell sowie personell auch leistbar sein und die Gemeindegremien müssen mitgenommen werden. Durch die Gewerbesteuer-Neuaufteilung und die Krise bei K+S waren unsere Möglichkeiten zwischenzeitlich einfach begrenzt.

Welcher Moment Ihrer Amtszeit bleibt in besonderer Erinnerung?

Der Festakt zum 25-jährigen Mauerfall-Jubiläum, den wir gemeinsam mit Vacha ausgerichtet haben und die Menschenkette zum Erhalt der Arbeitsplätze bei K+S. Aber auch die Philippsthaler Fachausstellungen – eigentlich alle Anlässe, zu denen hier in Philippsthal viel los war und wir gemeinsam etwas erreichen konnten.

Was werden Sie aus Ihrer Zeit als Bürgermeister besonders vermissen?

Die Begegnungen mit den Menschen in der Marktgemeinde Philippsthal. Gemeinsam etwas voranzubringen und gestalten zu können.

Bleiben Sie in der Kommunalpolitik aktiv?

Bis zur nächsten Wahl gehöre ich weiterhin dem Kreistag an. Da ich wieder in meine alte Heimat Breitenbach am Herzberg ziehe, werde ich in Philippsthal nicht kommunalpolitisch tätig werden – und habe das auch anderswo nicht vor. Nach über 30 Jahren Kommunalpolitik brauche ich erst mal Ruhe und ich will richtig gesund werden.

Welchen Rat geben Sie Ihrem Nachfolger Timo Heusner mit auf den Weg?

Immer sachlich und offen auf die Menschen zuzugehen. Und die Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden. Das ist mir leider weniger gelungen. Ich habe immer viel Zeit für den Beruf aufgewendet, das Private ist im Nachhinein oft zu kurz gekommen.

Bald sind Sie Pensionär. Was fangen Sie mit der freien Zeit an?

An meinem Haus in Breitenbach gibt es einiges zu tun. Ich möchte mich sportlich betätigen, alte Freundschaften wieder aufleben lassen, verreisen und viel Zeit mit den Menschen verbringen, die auf mich verzichten mussten.

Sie lernen seit einiger Zeit Gitarre. Folgt auf die Abschiedstournee als Bürgermeister das große Bühnen-Comeback als Musiker?

(lacht) Musik ist meine Leidenschaft, sowohl als Zuhörer, als auch beim Singen in Chorprojekten ober beim Musizieren für den Hausgebrauch. Auf der Bühne war ich oft genug in meiner Rolle als Bürgermeister – jetzt geht es darum, wirklich mal einen Gang zurückzuschalten.

Zur Person

Ralf Orth (60) ist in Breitenbach/H. aufgewachsen. Der gelernte Bäcker und Koch war Zeitsoldat bei der Bundeswehr, schulte anschließend um zum Bankkaufmann und bildete sich zum Diplom-Bankbetriebswirt weiter. Sein Vater Paul war von 1996 bis 2002 Bürgermeister von Breitenbach/H. Auch Ralf Orth war in seiner Heimatgemeinde als Mitglied des Ortsbeirats und der SPD-Fraktion in der Gemeindevertretung kommunalpolitisch aktiv. 

Bei der Bürgermeisterwahl in Philippsthal im Jahr 2007 setzte sich Ralf Orth als Kandidat der SPD mit 55,1 Prozent der Stimmen gegen Carsten Wenig und Hans-Werner Gast durch. Zur Bürgermeisterwahl 2013 trat er ohne Gegenkandidaten an und wurde von allen Fraktionen des Gemeindeparlaments unterstützt. Orth ist verheiratet, hat einen erwachsenen Sohn und eine erwachsene Tochter und lebt künftig wieder in Breitenbach am Herzberg. jce

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