Herde war auf Ulsterberg geflüchtet

Die wilde Hilde ist zurück: Entlaufene Kuh brachte Kalb im Wald zur Welt

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Zurück auf der Weide: Auch die letzte bei Sünna ausgebüxte Kuh wurde inzwischen wieder eingefangen. Unser Symbolbild zeigt nicht die entlaufene Herde. 

Mehrere der insgesamt 15 Kühe, die mit ihrer Flucht auf den Ulsterberg für Schlagzeilen gesorgt hatten, haben inzwischen gekalbt. Hilde brachte ihr Kalb im Wald zur Welt.

Auch Hilde ist Mutter geworden – anders als ihre Artgenossinnen aber nicht auf der Koppel, sondern allein im Wald auf dem Ulsterberg. Nun ist Hilde zurück, gemeinsam mit ihrem Nachwuchs. „Es ist ein männliches Kalb“, berichtete Veiko Schmidt, Leiter der Agrarvereinigung „Rhönpforte“ Sünna. Mit 14 Artgenossinnen war Hilde am 16. April aus ihrem Stall in Sünna geflohen. Während die anderen Kühe zwei Wochen nach ihrer Flucht wieder eingefangen wurden und seitdem auf einer Koppel am Ulsterberg bei Pferdsdorf stehen, blieb Hilde zunächst spurlos verschwunden. Diverse Suchaktionen der Mitarbeiter des Agrarbetriebs verliefen ergebnislos.

„Wir hatten mehrfach angesessen auf den Hochsitzen, die uns der Pferdsdorfer Jäger dafür überlassen hatte – haben sie aber lange gar nicht mehr gesichtet“, schilderte Veiko Schmidt. Im Wald wurden schließlich Trittspuren von der Kuh gefunden – und auch von einem Kalb. Damit sei klar gewesen, dass Hilde nun jede Menge Wasser braucht: „Sie muss verstärkt saufen, weil die Milchbildung eingesetzt hat.“ Daraufhin seien wieder Wasserfässer aufgestellt worden, um Hilde aus dem Wald zu locken. Zudem wurde eine Spur mit Viehsalz und Mineralien zu einer eigens für Hilde errichteten Fangkoppel gelegt. 

Dann sei sie nachts gesichtet worden. „Sie kam nur in der Dämmerung aus dem Wald, um zu fressen und zu saufen“, allerdings immer alleine – und kehrte danach zu ihrem Kälbchen zurück, von dem niemand wusste, wo es lag. In der Nacht zum Samstag sei sie zum ersten Mal mit dem Kalb zur Wasserstelle gekommen. Mitarbeitern, die sich erneut auf der Lauer befanden, sei es gelungen, die Koppel hinter den Tieren zu verschließen, berichtete Veiko Schmidt. Am Tag seien Hilde und ihr Sohn dann zu ihren Artgenossen auf die eigentliche Koppel gebracht worden, „sodass sie nun alle wieder vereint sind – Mütter und Kinder“, erzählte Veiko Schmidt lachend.

„Es war schon alles nervig und anstrengend“, befand der Agrar-Chef rückblickend. Wegen der Beobachtungen seien die Mitarbeiter des Betriebes nächtelang unterwegs gewesen. Und dann sei am Himmelfahrtstag auch noch die Fangkoppel beschädigt worden, „sodass kein Strom drauf war“. Somit sei es eigentlich doppeltes Glück gewesen, dass Hilde, die nach mittlerweile mehr als fünfwöchiger Flucht „total verwildert“ gewesen sei, überhaupt gefangen werden konnte.

„Sie war natürlich sehr scheu, aber sie ist dageblieben. Es ist alles gut gegangen. Also gibt es doch noch ein Happy End“, verkündete Veiko Schmidt erfreut.

Ihren Namen hat die letzte vermisste Kuh übrigens dem Besuch eines Kamerateams von RTL zu verdanken. Der Sender habe gewollt, dass das Tier nicht so anonym rüberkommt. Deshalb hatte der Chef der „Rhönpforte“ ihr kurzerhand den Namen Hilde verpasst.

Von Beate Funk

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