Gute Seele der Schlosskirche

Martina Martens ist seit 20 Jahren Küsterin in Philippsthal

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Bereitet nicht nur die Gottesdienste vor: Martina Martens ist seit 20 Jahren Küsterin in der evangelischen Schlosskirche in Philippsthal.

Philippsthal – Der erste Advent ist für Martina Martens in diesem Jahr gleich in mehrfacher Hinsicht ein besonderer Tag.

Denn mit einem feierlichen Gottesdienst wird dann nicht nur der neue Philippsthaler Kirchenvorstand ins Amt eingeführt, dem auch die 58-Jährige – wie bereits in den vergangenen 24 Jahren – angehört. Auf den Tag genau vor 20 Jahren hat Martina Martens zudem ihre Stelle als Küsterin in der evangelischen Schlosskirche angetreten. Ein Dienstjubiläum im klassischen Sinne sei das zwar noch nicht, so die Philippsthalerin bescheiden. Dennoch: „Dass ich so lange Küsterin sein werde, hätte ich damals nicht gedacht“. Zu ihrer Tätigkeit kam Martina Martens über die Mitgliedschaft im Kirchenvorstand: „Wir haben damals einfach keinen neuen Küster gefunden“, berichtet die 58-Jährige. Als Kirchenvorsteherin hatte sie bereits ihre Vorgängerin vertreten – und sich damit für die Stelle qualifiziert. Seither ist die Philippsthalerin die gute Seele der Schlosskirche. „Die Gemeinde sieht mich nur im Gottesdienst. Die meiste Zeit arbeite ich im Verborgenen“, erzählt Martina Martens. Zu ihren Aufgaben zählt nämlich auch, den Kirchenraum sauber zu halten, was durch Sandsteinboden, feststehende Bänke und viele Stühle nicht einfach sei. Auch auf Glocken und Heizung hat die Küsterin stets ein Auge, die Pflege der Außenanlage vor der Kirche und des Rebgartens hinter der Kirche fallen ebenso in ihren Tätigkeitsbereich wie die Aushänge im Schaukasten. Im Kircheninneren obliegen ihr die Altargestaltung mit Blumen und Kerzen, der farbliche Wechsel Altar- und Kanzelbehänge dem Kirchenjahr entsprechend, die Pflege von Abendmahls- und Taufgeschirr sowie das Einstellen der Mikrofone.

Zu den Gottesdiensten steckt Martina Martens die Liedertafeln, stellt Stühle und weist vor besonderen Veranstaltungen Plätze aus. Im Vorfeld von Taufen, Konfirmationen und Konfirmationsjubiläen, Hochzeiten, Jubelhochzeiten und manchmal auch Trauerfeiern spricht die Küsterin mit den Beteiligten Dekoration und Blumenschmuck ab.

Mit Besuchern, Gemeindegliedern, Pfarrern, Prädikanten, Lektoren, Kirchenmusikern und Chorsängern ins Gespräch zu kommen, macht für Martina Martens den Reiz des Küsterdienstes aus – wenngleich sie meist auch die Erste sei, die Unmut abbekomme. Manchem jungen Brautpaar, erzählt die Philippsthalerin schmunzelnd, müsse sie allzu unrealistische Vorstellungen über die Gestaltung ihrer kirchlichen Trauung freundlich ausreden. Ebenso schätzt die 58-Jährige, sich den Großteil ihrer Arbeitszeit in „ihrer“ schlichten, großen, hohen und ruhigen Schlosskirche frei einteilen zu können. Zu außergewöhnlichen Anlässen, etwa dem frühmorgendlichen Oster- oder dem Totenläuten, ist der Einsatz der Küsterin gefragt, während ansonsten eine Zeitschaltuhr das Läutwerk in Bewegung setzt.

Besonders in Erinnerung geblieben ist Martina Martens die Umbettung des 1916 verstorbenen, in der Fürstengruft der Kirche bestatteten Prinzen Karl von Hessen-Philippsthal im Jahr 2015. Auch die umfangreichen Bauarbeiten – zunächst der Dachausbau 2011/2012 und seit 2018 die Sanierung des Südflügels – verlangen der Küsterin besonderen Einsatz ab: Der feine Staub ziehe trotz Einhausung durch alle Ritzen. „Manchmal übt unsere Kantorin gerade Orgel. Bei der richtigen Musikauswahl fällt das Putzen leichter“, erzählt die 58-Jährige schmunzelnd.

Herzblut gehöre beim Küsterdienst einfach dazu. Ohne das Verständnis und die Hilfe ihres Mannes sowie die Unterstützung des Kirchenvorstandes wäre diese Tätigkeit über diese lange Zeit ebenfalls nicht möglich, ist Martina Martens überzeugt.

Gottesdienst am 1. Advent

In einem Gottesdienst in der Philippsthaler Schlosskirche am Sonntag, 1. Dezember, wird Martina Martens für 20 Jahre Küsterdienst geehrt. Beginn ist um 9.25 Uhr, die musikalische Begleitung übernimmt das Blockflötenensemble. In diesem Gottesdienst sollen auch ehemalige Kirchenvorstandsmitglieder verabschiedet und neue ins Amt eingeführt werden. Im Anschluss lädt die Kirchengemeinde zum Sektempfang.

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