Rezepten von einst auf der Spur

Markus Koch aus Philippsthal will altes Küchenwissen bewahren

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Philippsthal – Markus Koch hat alte Kochbücher und Rezepte aus der Region zusammengetragen. Für die Zubereitung der Speisen verwendet er auch Küchenutensilien aus Omas-Zeiten.

Ein Notizbuch, in dem die Rezepte für diese und zahlreiche weitere Gerichte festgehalten sind, hütet Markus Koch wie einen Schatz. Die Aufzeichnungen stammen von einer Hausfrau aus Gethsemane. Auf der Innenseite des schwarzen Einbandes ist die Jahreszahl 1921 vermerkt. „Die Verfasserin dürfte also um 1890 geboren sein“, rechnet der 36-Jährige vor. Wahrscheinlich hat auf dem leicht vergilbten Papier aber mehr als eine Generation ihre Familienrezepte festgehalten. Dafür sprechen unterschiedliche Handschriften. Markus Koch spürt solche alten Rezeptsammlungen aus der Region auf, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Das Interesse dafür sei bereits in seiner Kindheit geweckt worden: „Meine Großeltern haben noch so gekocht. Ich bin mit diesen Gerichten groß geworden“. In seiner eigenen Generation hat der 36-Jährige eine gewisse Sehnsucht nach traditioneller Küche ausgemacht – nach dem Duft von frisch gebackenem Blechkuchen oder den Geschmack von deftigem Kartoffelsalat mit Speck und Schmand. Auch altbewährte Beilagen wie Rotkraut stünden wieder hoch im Kurs, berichtet der Philippsthaler, der seine Kochleidenschaft in Form eines Cateringservice inzwischen zum Nebenberuf gemacht hat.

Viele Rezepte existierten allerdings nur in den Köpfen der Älteren und gingen mit dem Tod eines Menschen unwiederbringlich verloren. Aber auch schriftliche Rezeptsammlungen wanderten bei Haushaltsauflösungen allzu oft ungesehen in den Müll, bedauert Markus Koch. „Ich möchte dieses Stück Kultur meiner Heimat gerne erhalten“, fasst er seine Motivation zusammen. Inzwischen hat sich die Leidenschaft des Philippsthalers herumgesprochen und Erben oder ältere Menschen, die ihre Familienrezepte in guten Händen wissen wollen, vertrauen Koch ihre Aufzeichnungen an. Zudem frage er gezielt bei älteren Einwohnern der Werragemeinde nach. Denn genauso wichtig wie die Zutaten seien die oft nur mündlich überlieferten Tricks und Kniffe bei der Zubereitung. Mehrere alte Kochbücher sowie rund 150 traditionelle Rezepte hat Markus Koch alleine aus seiner Heimatgemeinde und den umliegenden Orten im Werratal und in der Kuppenrhön zusammengetragen. Per Fax erreichen den 36-Jährigen inzwischen sogar alte Familienrezepte aus der Schwalm. Die alten Handschriften zu entziffern, bereite ihm gelegentlich Probleme – ebenso wie mancher heute nicht mehr geläufige Mundart-Begriff. „Da bin ich auf die Übersetzung von Älteren angewiesen“, erklärt er lachend. Die Zutatenmengen seien oft in Pfund, meist aber in Messerspitzen, Löffeln oder Tassen angegeben. „Waagen waren offenbar noch nicht so verbreitet“, hat Markus Koch festgestellt.

Langfristig möchte der gelernte Schlosser die gesammelten Rezepte in lesbarer Form in einem Kochbuch zusammenfassen, um sie auch künftigen Generationen zugänglich zu machen. Bei seinen Söhnen kämen die meisten der alten Gerichte jedenfalls gut an: „Sie helfen bei der Zubereitung und bedienen mit Begeisterung die alten Küchengeräte – so wie ich früher bei meinen Großeltern“, freut sich der Familienvater. Seine große Hoffnung: Irgendwann auf Rezepte aus der Landgrafenzeit zu stoßen, nach denen einst die Speisen in der Küche des Philippsthaler Schlosses zubereitet wurden. Bei den einfachen Leuten hingegen sei früher hauptsächlich auf den Tisch gekommen, was im eigenen Garten oder auf den Feldern gedieh – unter der Woche meist in Form von Suppen oder Brei. Fleischgerichte seien meist Sonn- und Feiertagen vorbehalten gewesen. Mangels Kühlmöglichkeit wurde vieles eingekocht oder gepökelt.

Eines überrascht Markus Koch beim Blick in die alten Rezeptbücher jedoch immer wieder: Manche Gerichte von damals sind noch heute populär – und werden noch immer genauso zubereitet, wie vor rund 100 Jahren.

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