Lückenschluss rückt näher

Streckenreaktivierung: Erster Güterzug von K+S soll im Oktober rollen

K+S-Logistikleiter Andreas Metz (links) und der stellvertretende Anschlussbahnleiter Holger Pfannkuch an einer der Weichen, die K+S für die Wiederinbetriebnahme der ehemaligen Grenzumgehungsstrecke im Bahnhof Unterbreizbach eingebaut hat.
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K+S-Logistikleiter Andreas Metz (links) und der stellvertretende Anschlussbahnleiter Holger Pfannkuch an einer der Weichen, die K+S für die Wiederinbetriebnahme der ehemaligen Grenzumgehungsstrecke im Bahnhof Unterbreizbach eingebaut hat. Das komplette Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuzchen oben rechts klicken.

Voraussichtlich im Oktober soll der erste Güterzug des Düngemittelherstellers K+S die reaktivierte Bahnstrecke von Unterbreizbach nach Vacha befahren.

Die dafür notwendigen Bauarbeiten sind bereits weit vorangeschritten. Das Unternehmen verfüge inzwischen nicht nur über alle baurechtlichen Genehmigungen, auch die Lücke zwischen K+S-eigenen Gleisen des ehemaligen Bahnhofs Unterbreizbach und der Strecke der Regiobahn Thüringen nach Vacha sei bereits wieder geschlossen, berichtet der Logistikleiter des Kaliwerks Werra, Andreas Metz. Noch fehle allerdings die entsprechende Betriebsgenehmigung, sodass die Schienenverbindung noch nicht für den regulären Zugverkehr genutzt werden dürfe.

Die Pläne für die Reaktivierung hatte K+S im vergangenen Dezember bekannt gegeben. Erste Überlegungen und Streckenbegehungen habe es bereits im Jahr 2008 gegeben, erinnert sich der Logistikleiter.

Die Schienenverbindung von Vacha über Sünna nach Unterbreizbach war 1952 in nur 90 Tagen als „erster sozialistischer Bahnbau“ fertiggestellt worden. Bis dahin führte der Weg der Kalizüge aus Unterbreizbach über Philippsthal-Süd nach Vacha und nach einem Richtungswechsel weiter in Richtung Gerstungen – und damit zweimal über bundesdeutsches Gebiet. Um die innerdeutsche Grenze zu umgehen, nahm die DDR-Reichsbahn beim Streckenneubau starke Steigungen in Kauf, wodurch die vollen Waggons mit erheblichem Aufwand über den Berg nach Vacha befördert werden mussten. Das besiegelte nach der Wiedervereinigung das vorläufige Ende: Über die im Jahr 2000 fertiggestellte Grubenanschlussbahn zwischen den Standorten Unterbreizbach und Hattorf konnten die Züge mit geringerem Aufwand in Richtung Gerstungen abgefahren werden. Weil zwischenzeitlich auch die Hersfelder Kreisbahn stillgelegt und teilweise abgebaut worden war, bildete die Strecke Heimboldshausen-Gerstungen fortan die einzige Schienenverbindung zu den drei K+S-Werksstandorten.

Durch den Bau des Containerbahnhofs Werra-Kombi-Terminal in Röhrigshof und die Kesselwagentransporte salzhaltiger Abwässer zur Flutung stillgelegter Bergwerke sei das Verkehrsaufkommen dort in den vergangnen Jahren jedoch gestiegen. Die eingleisige Strecke werde damit zum Nadelöhr, verdeutlicht der Logistikleiter. Zudem hat K+S bereits angekündigt, die für die geplante Abdeckung der Abraumhalden benötigte Schlacke ebenfalls per Bahn anliefern zu lassen.

Mit dem bevorstehenden Lückenschluss bekommen die Kalifabriken nun wieder eine Schienenanbindung in Richtung Bad Salzungen. Im Wesentlichen habe K+S dafür in Unterbreizbach eine neue Weichenverbindung schaffen und den Bahnhof wieder mit den Gleisen der Regiobahn Thüringen verbinden müssen. Diese Reaktivierungsvariante sei mit deutlich geringerem finanziellen Aufwand und vor allem in wesentlich kürzerer Zeit umsetzbar gewesen, als die Wiederinbetriebnahme der topografisch günstigeren Strecke Vacha-Philippsthal, verdeutlicht Andreas Metz. Letztgenannten direkten Lückenschluss samt Wiederaufnahme des Personenverkehrs haben kürzlich der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und die Allianz pro Schiene vorgeschlagen (unsere Zeitung berichtete).

Eine konkrete Investitionssumme für den Lückenschluss nennt K+S nicht. Zeitgleich seien ohnehin notwendige Unterhaltungsarbeiten ausgeführt worden, sagt Andreas Metz. Die Sanierung eines schadhaften Dammabschnitts sowie die Instandsetzung der Gleise zwischen Unterbreizbach und Vacha habe die Regiobahn Thüringen als Streckenbetreiber übernommen.

Start mit einem Zugpaar pro Tag

Mit dem Eisenbahninfrastrukturunternehmen Regiobahn Thüringen hat K+S laut Logistikleiter Andreas Metz für zunächst zehn Jahre einen Nutzungsvertrag abgeschlossen. Damit erhalte das Bergbauunternehmen direkten Zugang zu benötigten Abstellgleisen sowie der Werkstatt des Waggonwerks Brühl in Vacha. Zudem soll die dortige Drehscheibe zum Wenden der K+S-Werkloks genutzt werden, um einseitigen Verschleiß der Radsätze zu vermeiden. Wegen der starken Steigung der Strecke strebe K+S einen Richtungsverkehr an. Leere Waggons könnten über Eisenach, Bad Salzungen und Vacha zu den Fabriken gebracht, beladene Züge in Richtung Gerstungen abgefahren werden. Zum Start sei zunächst durchschnittlich ein – entweder mit Werkloks oder Lokomotiven von beauftragten Eisenbahnverkehrsunternehmen bespanntes – Zugpaar pro Tag vorgesehen. Gefahren werde nicht nachts, sondern nur zwischen 6 und 22 Uhr versichert der stellvertretende K+S-Anschlussbahnleiter Holger Pfannkuch. Durch den Einsatz moderner Waggons sei die zu erwartende Lärmbelastung zudem geringer als in früheren Jahren.

(Jan-Christoph Eisenberg)

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