Mehrere Produktionsstopps 2018 wegen Dürre

K+S: Salz-Pipeline wackelt - 100 Stellen in Kassel in Gefahr

+
K+S hat ein schwaches Jahr hinter sich.

Der trockene Sommer hat dem Kasseler Kali- und Salzproduzenten K+S zugesetzt: Auch deshalb sollen nun weltweit 300 Stellen wegfallen. Positives gibt es jedoch von der Werra-Salz-Pipeline. 

Aktualisiert um 19 Uhr - Der Kasseler Kali- und Salzproduzent K+S kommt möglicherweise um den Bau einer Salzabwasser-Leitung durch Nordhessen herum: Bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt sagte der Vorstandsvorsitzende Burkhard Lohr: „Ich bin zuversichtlich, dass die Einstapelung unter Tage im Werk Werra genehmigt wird.“ Das würde die sogenannte Oberweser-Pipeline überflüssig machen. Am Konzernsitz in Kassel werden bis 2020 möglicherweise Stellen abgebaut.

Bis 2020 will K+S weltweit etwa 300 Stellen in der Verwaltung abbauen. Im Raum stand am Donnerstag auch, dass bis zu 100 Stellen am Konzernsitz in Kassel wegfallen könnten. Hintergrund ist, dass K+S sich ein bis 2030 laufendes Programm aufgelegt hat, mit dem der Konzern neu organisiert werden soll.

Das größte Problem bei der Kaliproduktion am Werk Werra sind für K+S die salzigen Abwässer, für die der Düngemittelhersteller keine Verwendung hat. Bisher werden diese in die Werra geleitet oder im Boden „versenkt“. Beides belastet die Natur, mit der Versenkung ist Ende 2021 Schluss. Deswegen wird seit Jahren eine Pipeline geplant, die die Abwässer aus Osthessen, vorbei an Kassel, in die Oberweser leiten soll.

Burkhard Lohr, Vorstandsvorsitzender des Kasseler Düngemittel- und Salzproduzenten K+S.

Mit der Einstapelung, also der Auffüllung erschöpfter Gruben mit Abwasser, hat K+S eine aus Unternehmenssicht vielversprechende Alternative gefunden. Lohr sagte am Donnerstag, er rechne mit einer Genehmigung dieses Verfahrens bis zum Herbst diesen Jahres. Er habe viele gute Gespräche mit betroffenen Anrainerländern geführt, die ihn positiv stimmten.

Es gebe keine „ökologisch und ökonomisch sinnvolle Alternative“ zur Einstapelung, womit er sich auf die aufwändige Entsorgung der Abwässer an anderen Standorten bezog. Am Werk Werra könnten mittelfristig bis zu drei Millionen Kubikmeter Abwasser pro Jahr eingestapelt werden. Die Kosten der bisherigen Planung der umstrittenen Pipeline bezifferte Lohr auf 30 Millionen Euro.

Rekorddürre kostete viel Geld 

Doch es lief nicht rund für den Konzern: Produktionsprobleme im neuen Kali-Werk in Kanada, Personalmangel im deutschen Kalirevier Werra und vor allem die Trockenheit durch den Dürresommer bremsten K+S. Die Kaliproduktion im hessisch-thüringischen Grenzgebiet hängt an der Entsorgung. Führt die Werra wenig Wasser, kann K+S weniger flüssige Produktionsrückstände entsorgen. Daher transportierte der Konzern Abwässer per Bahn und Lastwagen ab - was teuer ist.

Und trotz der Transporte musste die Produktion im Kalirevier Werra an insgesamt 64 Tagen gestoppt werden. Das kostete K+S 110 Millionen Euro.

So blieb der Konzern weit hinter den ursprünglichen Erwartungen: Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) betrug 606 Millionen Euro (Vorjahr 577 Mio Euro). Ursprünglich hatte das Unternehmen bis zu 740 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Der Gewinn sank von 145 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 85 Millionen Euro. Für die Aktionäre soll es 25 Cent pro Aktie geben (Vorjahr 35 Cent).

Der Druck auf den Konzernchef steigt: "Lohr muss jetzt liefern, keine Frage", sagte Oliver Schwarz, Analyst der Warburg Research GmbH in Hamburg. Die Jahre 2019 und 2020 würden zeigen, ob die neue Kalimine in Kanada ein vernünftiges Projekt ist und die Restrukturierung des Konzerns zu den gewünschten Resultaten führt.

Laut K+S soll die Umstrukturierung im laufenden Jahr erstmals mehr Geld einsparen, als sie kostet. 300 Stellen in der Verwaltung will K+S weltweit abbauen. Langfristig werde die Zahl der Beschäftigten von zuletzt 14.931 aber nicht weniger werden. Für eine neue Trockenheit sieht K+S sich gerüstet. Die Speicher für Salzwasser wurden und würden weiter vergrößert. (dpa)

Lesen sie auch: So ist es in der größten Fahrzeug-Werkstatt Europas unter Tage

Von Gregory Daubner (mit dpa)

Kommentare