Skepsis bei Investor-Plänen

Kreisbahn: Philippsthal will einen Radweg

Rostige Schienen: Auf Höhe des Bahnübergangs an der Eichmühle zwischen Röhrigshof und Heimboldshausen überwuchern Büsche das Gleis der ehemaligen Hersfelder Kreisbahn. Foto: Eisenberg

Harnrode. Als es in der Sitzung des Philippsthaler Gemeindeparlaments um die Zukunft der Bahnstrecke von Heimboldshausen nach Schenklengsfeld ging, waren die Gemeindevertreter von den aktuellen Entwicklungen sichtlich überrumpelt.

Denn am vorhergehenden Wochenende hatten die Mitglieder des Fördervereins Werra-Fulda-Bahn mehrheitlich beschlossen, das verblieben e Teilstück der ehemaligen Hersfelder Kreisbahn für einen Euro an den Niederländer Klaas J. Smith zu verkaufen. Der Unternehmer aus Groningen hat ein Konzept vorgelegt, nach dem zunächst im Bahnhof Schenklengsfeld Waggons als Pfannkuchen-Restaurant hergerichtet, später auch Erlebnisfahrten zwischen Schenklengsfeld und Heimboldshausen stattfinden sollen (unsere Zeitung berichtete). Angesichts der zu diesem Zeitpunkt eher vagen Informationen zu den Umständen des Streckenverkaufs und den Plänen des potenziellen Käufers reagierten die Philippsthaler Gemeindevertreter überwiegend skeptisch auf die aktuelle Entwicklung.

Entwidmung vorantreiben

Die FWG-Fraktion, die das Thema vor der Entscheidung des Fördervereins auf die Tagesordnung gebracht hatte, hielt deshalb auch an ihrem Antrag fest: Gemeindevorstand und -verwaltung sollen gemeinsam mit den übrigen Kuppenrhön-Gemeinden die Entwidmung der Strecke vorantreiben und bei Land, Kreis und EU den Ausbau zum Radweg beantragen. Dieser Beschlussvorlage stimmten die Philippsthaler Gemeindevertreter mehrheitlich bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen zu. Zunächst aber soll sich Bürgermeister Ralf Orth um weitere Informationen zum aktuellen Sachstand bemühen.

Video: Führerstandsmitfahrt Hersfelder Kreisbahn

Ob die Philippsthaler Radwegepläne Erfolgsaussichten haben, ist derzeit allerdings fraglich: Land und Kreis haben auf die Bahnstrecke keinen direkten Zugriff mehr. „Die Hersfelder Eisenbahn Gesellschaft (HEG) hat den Abschnitt zwischen Schenklengsfeld und Heimboldshausen im Jahr 2009 ohne Auflagen an den Förderverein Werra-Fulda-Bahn veräußert“, erklärt Jochen Fink, Leiter des Infrastrukturmanagements bei der Hessischen Landesbahn (HLB), die mit 51 Prozent an der Hersfelder Eisenbahn beteiligt ist. Der Landkreis hält 49 Prozent der Anteile. 

Die 1912 eröffnete Hersfelder Kreisbahn war 1884 zur HEG umgewandelt worden. Im Dezember 1993 endete der Bahnbetrieb, 1999 wurden die Gleise zwischen Bad Hersfeld und Schenklengsfeld abgebaut und als Radweg hergerichtet, der von Stadt Bad Hersfeld als Pächterin und die Gemeinde Schenklengsfeld als Eigentümerin der früheren Bahngrundstücke betrieben wird. Im Dezember hatte der Kreistag der Liquidation der Hersfelder Eisenbahn Gesellschaft zugestimmt. Über den Verkauf der verbliebenen Liegenschaften – Busbetriebshof in Schenklengsfeld und Bahndamm auf Bad Hersfelder Gebiet – wird nach Auskunft von Landkreis-Sprecher Dirk Herrmann derzeit verhandelt.

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