HZ-Forum in der Kreuzberghalle

Bürgermeisterwahl in Philippsthal: Kandidaten sprechen über Visionen fürs Werratal

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HZ Forum zur Bürgermeisterwahl in Philiippsthal in der Kreuzberghalle mit (von links) Timo Heusner, HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff, Anja Zilch und Carsten Wiegand.

Am Sonntag ist Bürgermeisterwahl in Philippsthal. Wenige Tage vorher stellten sich alle drei Kandidaten beim HZ-Forum den Fragen von Redaktionsleiter Kai A. Struthoff.

Wie können in Philippsthal neue Arbeitsplätze geschaffen werden? Wo soll Wohnraum für Senioren und junge Familien entstehen? Und wie geht es weiter in der Zeit nach K+S?

Diese und andere Fragen standen im Fokus, als HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff am Dienstagabend in der voll besetzten Kreuzberghalle mit den Bürgermeisterkandidaten Anja Zilch (FWG), Carsten Wiegand (CDU) und Timo Heusner (SPD) über ihre Ziele, Pläne und Visionen für ihre Heimatgemeinde diskutierte. Dabei gingen die drei Bewerber um den Chefsessel in der Gemeindeverwaltung ausgesprochen freundlich miteinander um und bestätigten sich in vielen Themenfeldern eher gegenseitig, als sich voneinander abzugrenzen.

Die 51-jährige Versicherungsfachfrau Anja Zilch präsentierte sich als Kandidatin mit Herz, Bauchgefühl sowie politischer und Lebenserfahrung. Der 34-jährige Bankbetriebswirt Carsten Wiegand warf sein Wissen als Finanzfachmann sowie sein gemeindepolitisches Engagement in die Waagschale und der 39-jährige Timo Heusner warb mit Bürgernähe und Verwaltungserfahrung.

Neue Firmen ansiedeln

Um neue Firmen anzusiedeln, plädierte Carsten Wiegand dafür, das brachliegende RKW-Gelände in Röhrigshof offensiver zu vermarkten und zügig zu nutzen. „Dazu muss ich aus Philippsthal rausgehen und den Firmen zeigen, wie schön es ihre Mitarbeiter hier hätten“, unterstrich er. Auch die gute Internetabdeckung sei ein Pfund, mit dem die Gemeinde wuchern könne. Timo Heusner plädierte dafür, auch die bestehenden Arbeitgeber im Blick zu halten und setzt, wie auch Anja Zilch, bei Neuansiedlungen auf die Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung des Kreises.

Die FWG-Bewerberin sieht auch die Gemeinde selbst in der Verantwortung, die heimischen Handwerksbetriebe zu unterstützen: „Ich finde es nicht gut, wenn Wartungsverträge an auswärtige Firmen vergeben werden“, sagte sie.

Bei der möglichen Ansiedlung neuer Betriebe stehen die drei Bewerber auch einer interkommunalen Zusammenarbeit offen gegenüber – insbesondere mit den umliegenden Ostkreis-Gemeinden. Beim Blick auf eine länderübergreifende Zusammenarbeit mit den Nachbarorten in Thüringen fürchteten Timo Heusner und Anja Zilch, dass eine Zusammenarbeit wohl an unterschiedlichen Fördermodalitäten scheitern werde. „Ich habe mit dem Bürgermeister in Vacha gesprochen, er hält eine Zusammenarbeit mit Philippsthal nicht für ausgeschlossen“, betonte hingegen Carsten Wiegand.

Land in der Pflicht bei Straßenbeiträgen

Bei den Straßenbeiträgen sahen die Kandidaten vor allem das Land in der Pflicht. Die aktuelle Satzung mit 100 Prozent Gemeindeanteil lasse sich aus eigener Kraft wohl nur aufrechterhalten, solange keine Straßenbauprojekte anstehen, waren sich Timo Heusner, Carsten Wiegand und Anja Zilch weitgehend einig.

Vage Visionen

Relativ vage blieben die Kandidaten, als sie nach ihren Visionen für die Zeit nach dem Ende des Kalibergbaus gefragt wurden: Timo Heusner hofft, dass innovative Ansätze für eine neue Nutzung der Infrastruktur des Werksgeländes gefunden werden und verwies auf ein aktuelles Forschungsprojekt von K+S („Mit den Fischen und den Pflanzen“). Carsten Wiegand setzt auf die Chancen der Digitalisierung und dadurch entstehende Berufe, „von denen wir heute noch nicht ahnen, dass es sie geben wird“. Anja Zilch sieht Philippsthal vor allem als Wohngemeinde und Standort für kleine und mittelständische Unternehmen: „Einen so großen Arbeitgeber wie K+S werden wir nicht mehr bekommen“.

Kontroverse um Kita-Anbau

Dass den Philippsthalern die Zukunft ihrer Gemeinde am Herzen liegt, wurde auch an zahlreichen Fragen deutlich, die die HZ-Leser im Vorfeld des Forums eingesandt hatten. 

So sorgt im Ortsteil Röhrigshof der Krippenanbau an die Kita Werrawichtel für Unruhe: Alle Entwürfe von drei beauftragten Planungsbüros sehen offenbar die ganze oder teilweise Bebauung des benachbarten Minigolfplatzes des Heimat- und Verschönerungsvereins vor. Das stehe im Widerspruch zum Gedanken der Vereinsförderung, monierte Carsten Wiegand. Bei der Planung müsse langfristiger gedacht werden, anstatt nur kurzfristig auf den Bedarf zu reagieren.

„Das kann so nicht sein“, sagte Anja Zilch und plädierte, um ohne das Minigolf-Gelände auszukommen, für einen spartanischen, in die Länge statt in die Breite gezogenen Anbau.

 „Ich bin enttäuscht. Das Thema gehört nicht in den Wahlkampf“, beklagte Timo Heusner: Es handele sich um erste Entwürfe, die nur in nicht öffentlicher Sitzung behandelt worden seien. „Ich kenne sie noch nicht“, so der SPD-Kandidat. „Niemand möchte dem Verein etwas überstülpen“, betonte der amtierende Bürgermeister Ralf Orth. Dass die Gemeinde den Anbau vordringlich angehe, liege daran, dass die Antragsfrist für Fördermittel bereits am 30. Juni ende. 

Handlungsbedarf bei Wohnanlage Hattorfer Platz

Bei der Frage nach der denkmalgeschützten Bergarbeiterwohnanlage Hattorfer Platz waren sich die drei Bewerber hingegen einig, dass dort dringender Handlungsbedarf besteht. Angesichts der verworrenen Eigentümerstruktur des als Problemviertel geltenden Ensembles war jedoch eine gewisse Ratlosigkeit spürbar. Timo Heusner könnte sich dort altersgerechte Wohnungen vorstellen und will mit Investoren ins Gespräch kommen und diese bei der Fördergeldakquise unterstützen. 

Um das Wohnquartier entwickeln zu können, müsste die Gemeinde das Areal kaufen, meinte Anja Zilch: „Dafür fehlt uns aber das Geld. Die Gemeinde habe durchaus Möglichkeiten, die Eigentümer zur Sanierung zu zwingen, sagte Carsten Wiegand, „Das wäre aber ein langwieriges Verfahren“, räumte er ein. 

In einer weiteren Leserfrage war davon die Rede, dass Carsten Wiegands Familie möglicherweise von der Erschließung des Neubaugebiets in Verlängerung der Südstraße durch den Verkauf von Grundstücken profitieren würde. „Soweit ich weiß, gehören die Flächen dort zu 100 Prozent der Gemeinde“, trat der 34-Jährige den Gerüchten entgegen. Im Besitz seiner Familie seinen in Philippsthal noch zwei Grundstücke – auf dem einen stehe sein Haus, auf dem anderen das seiner Eltern.

VON JAN-CHRISTOPH EISENBERG

HZ-Forum zur Bürgermeisterwahl in Philippsthal

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