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Hommage an Udo Jürgens: Jörg Seidel und Band im Schlosspark Philippsthal

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Von: Ute Janßen

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Hommage an Udo: Volker Bruder, Joe Dinkelbach, Gerold Donker, Jörg Seidel und Christian Schönefeldt (von links) kleideten Udo Jürgens’ Musik in ein neues Gewand.
Hommage an Udo: Volker Bruder, Joe Dinkelbach, Gerold Donker, Jörg Seidel und Christian Schönefeldt (von links) kleideten Udo Jürgens’ Musik in ein neues Gewand. © Ute Janßen

Eine Hommage an Udo Jürgens war das Konzert von Jörg Seidel und Band im Rahmen des Kultursommers Nordhessen im Schlosspark Philippsthal.

Philippsthal – Eine Hommage an einen ganz Großen, musikalisch Vertrautes in neuem Gewand wiederentdecken – so könnte man die Erfahrung zusammenfassen, die der Kultursommer Nordhessen und die Stadt Philippsthal dem Publikum im Schlosspark ermöglichte. Udo Jürgens stand im Mittelpunkt des Konzertes des Bremerhavener Jazz-Gitarristen und Sängers Jörg Seidel, der durch sein Quintett bestehend aus renommierten norddeutschen Vollblut-Jazzmusikern begleitet wurde.

Seidel gab einen tief gehenden Einblick in das Werk des Komponisten und Musikers Udo Jürgens, wobei er ihn von einer Seite zeigte, die weit entfernt war von der Schlagerseligkeit der 1960er und 1970er Jahre. Zwar standen auch bei Seidel Klassiker wie das „Ehrenwerte Haus“ und „Siebzehn Jahr, blondes Haar“ auf dem Programm, aber im Wesentlichen konzentrierte er sich auf Titel, die ansonsten eher selten gespielt werden, die auch Jürgens schon unter dem Titel „Lieder im Schatten“ zusammengefasst hatte.

Jörg Seidel beschränkt sich in seinen Arrangements nicht darauf, die Lieder einfach nachzusingen, er verändert sie (ohne sie jedoch unkenntlich zu machen) und zeigt, dass Jürgens’ Musik auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung noch höchst lebendig sind. Dabei zwingt er der Musik nichts auf, was sie nicht von sich aus schon in sich trägt, er betonte, dass die harmonischen Grundlagen von ihm nur sehr wenig verändert worden seien.

Er habe vor allem im Hinblick auf die Rhythmik Veränderungen und Verschiebungen vorgenommen. Seine Musiker und er arbeiten bereits Vorhandenes neu heraus, lassen die Poesie der Texte selbst sprechen und ermöglichen die Neuentdeckung musikalischer Juwelen von einer ganz neuen Seite.

In Seidels Interpretationen gewannen auch die populäreren Lieder von Udo Jürgens, der ohnehin immer mehr war als ein Mainstream-Schlagerstar, völlig neue Konturen. Seidel und sein Quintett, bestehend aus dem Pianisten Joe Dinkelbach, dem Saxofonisten Volker Bruder, dem Bassisten Gerold Donker und dem Schlagzeuger Christian Schönefeldt, legen die Wurzeln der Musik von Jürgens frei, der, wie Seidel klarstellt, zeitlebens selbst ein passionierter Jazzkenner und -musiker war.

Seine Lieder leben nicht nur in den von ihm aufgenommenen Fassungen weiter, sie wurden auch von internationalen Stars wie Sammy Davies jr. und Frank Sinatra gecovert. Gerade weil Seidel weiß, dass Jürgens’ Fußabdrücke extrem groß sind, verleiht er den Liedern sowohl sängerisch als auch instrumental eine eigene musikalische Handschrift.

Seidel agiert in Phrasierung und Gestaltung als lupenreiner Jazz-Sänger, alle Musiker agieren äußerst feinfühlig und lassen sich gegenseitig genügend Raum und Atem, um jeweils auch solistisch hervortreten zu können. Jörg Seidel lieferte darüber hinaus in seinen Moderationen viele Informationen über den Entertainer und den Menschen Udo Jürgens, in denen deutlich wurde, dass er sich über Jahre hinweg intensiv mit ihm befasst hat.

Gut möglich, dass einige Zuschauerinnen und Zuschauer ein wenig enttäuscht waren, dass die ganz großen Hits wie „Griechischer Wein“ und „Ich war noch niemals in New York“ an diesem Abend nicht zu hören waren. Aber es waren gerade die „Lieder im Schatten“, deren Texte unter anderem von „Blacky“ Fuchsberger, von Alexandra und von Reinhard Mey stammen, die die Faszination, die bis heute von den Liedern von Udo Jürgens ausgeht, lebendig macht. (Ute Janssen)

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