Fritz Schäfer und Karl-Heinz Grübel

Freundschaft verbindet: Zwei Bürgermeister – eine Einheit

Fritz Schäfer und Karl-Heinz Grübel, die beiden ehemaligen Rathauschefs von Philippsthal und Vacha, sind seit dem Mauerfall enge Freunde

Die Grenze zwischen der thüringischen Kleinstadt Vacha und der hessischen Gemeinde ist am 12. November 1989 geöffnet worden.

Daran erinnern sich Fritz Schäfer (78) und Karl-Heinz Grübel (66), als wäre es gestern gewesen. Schäfer war an diesem Tag Bürgermeister von Philippsthal. Grübel übernahm die Amtsgeschäfte in Vacha am Nikolaustag 1989. Er war damit der erste gewählte Bürgermeister in der damals noch bestehenden DDR nach der Grenzöffnung.

Die Werrabrücke zwischen Philippsthal und Vacha war ab dem 12. November 1989 wieder passierbar. Foto: HZ-Archiv

Seinem Vorgänger Werner Mäder war, wie eigentlich allen anderen haupt- und ehrenamtlichen Politikern im Osten, die Mitgliedschaft in der SED und die Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) auf die Füße gefallen.

Die Nähe zur Stasi sollte auch Grübel bereits Ende 1993 zum Verhängnis werden. Am 31. Dezember 1993 musste er den Chefsessel im Vachaer Rathaus räumen. Als einstiger Spitzensportler der DDR war Grübel notgedrungen an die Stasi geraten. „Die DDR hat 1974 angefangen, selbst Bobs zu bauen. Da war die Bobbahn in Oberhof nachts von 22.30 bis 0.30 Uhr immer hermetisch abgeriegelt, wenn wir Fahrer die neuesten Entwicklungen ausprobierten“, erklärt Grübel.

Damit auch tatsächlich nichts von diesen geheimen Tests nach Außen drang, musste Grübel mit seiner Unterschrift die Kooperation mit dem Ministerium für Staatssicherheit besiegeln.

Auch wenn der erfolgreiche Bobpilot – unter anderem wurde er in den Siebzigerjahren Junioren-Europameister im Zweierbob und belegte bei der Weltmeisterschaft 1975 im Viererbob mit Pilot Meinhard Nehmer den fünften Platz – politisch nie mit der Stasi zusammenarbeitete und auch 1988 bereits aus der Partei ausgetreten war, hat ihn diese eine Unterschrift, den Bürgermeisterjob gekostet. „In die Partei selbst war ich als 18-Jähriger eingetreten, weil ich es im Sport zu etwas bringen wollte“, berichtet Grübel.

Trotz all der politischen Verstrickungen nicht gelitten hat jedoch die Freundschaft zu seinem damaligen Philippsthaler Amtskollegen Schäfer. So stehen die beiden noch jeden Mittwoch in der Philippsthaler Tennishalle zusammen mit anderen am Netz und schlagen Bälle. „Meist spiele ich im Doppel mit dem Karl-Heinz, weil der jeden Ball erläuft. Ich dagegen bin nicht mehr ganz so flink auf den Beinen“, sagt Schäfer und Grübel fügt an: „Dafür aber umso ehrgeiziger. Der Fritz gibt keinen Ball verloren.“ Grübel trainiert zudem noch heute Kinder und Jugendliche aus Vacha und Philippsthal im weißen Sport.

Die beiden Männer schätzen einander. Und sie sind sich einig darin, dass der 9. November, als die Mauer in Berlin geöffnet wurde, für Philippsthal und Vacha ein nicht ganz so bedeutendes Datum ist. „Wir haben bis 2001 die Wiedervereinigung an der Brücke der Einheit immer am 12. November gefeiert. Nach meinem Ausscheiden aus dem Amt ist dann immer am 9. gefeiert worden. Da sind wir beide dann nicht mehr hingegangen. Das war und ist nicht der Tag der Philippsthaler und Vachaer“, erklärt der einstige Philippsthaler Bürgermeister.

Amtshilfe aus Philippsthal

Schon am 12. November 1989 hat Philippsthals damaliger Bürgermeister Fritz Schäfer die Nachbarstadt Vacha besucht, um sich selbst ein Bild von den aktuellen Begebenheiten dort zu machen. Von Beginn an hatte er es sich auf die Fahnen geschrieben, den „neuen“ Nachbarn kommunalpolitisch Hilfe anzubieten.

Natürlich nicht ganz ohne Eigennutz. „Weil die Straße Weidenhain in Richtung Osten nur 4,63 Meter breit war, haben wir den Radweg in die Werra-Aue ausgebaut – 95 Prozent davon hat der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl bezahlt“, scherzt Schäfer.

 Und sein neuer Amtskollege Grübel lernte schnell von dem „Wessi“. „Ich habe an unseren Regierungschef Hans Modrow einen Brief geschrieben und für die jahrelange Benachteiligung Vachas in der Sperrgebietszone eine Entschädigung in Höhe von 15 Millionen D-Mark gefordert“, sagt Grübel, der selbst aber nie mit einer Antwort rechnete. Doch die ist tatsächlich nicht ausgeblieben. Mehr noch, Modrow erklärte, dass die Benachteiligung Vachas eingesehen worden sei und es gab 1,6 Millionen D-Mark. 

Mit diesem Geld wurden das Freibad sowie der Fuß- und Radweg zum Bad saniert. Der Rest wurde in die Erneuerung der sonstigen Sportanlagen gesteckt. 

Auch verwaltungstechnisch war Vacha vorne mit dabei. Fritz Schäfer schulte die neuen Kollegen und deren Mitarbeiter in kameralistischer Haushaltsführung.

„Wir haben die Grundlagen der Verwaltungsarbeit von Fritz erhalten. Und auch den Rat befolgt, immer irgendwelche Pläne im Schreibtisch zu haben, um Fördergeld zu bekommen. Das hat uns Fritz beigebracht. Und es hat uns nicht geschadet“, stellt Grübel mit spitzbübischem Lächeln fest.

Weil die Hilfe des Nachbarn aus Philippsthal die Stadt Vacha tatsächlich ein Stück weit nach vorne brachte, wurde Schäfer am 23. März 1993 zum Ehrenbürgermeister Vachas ernannt

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