Mit 400 Tonnen über den Berg

Nach 21 Jahren: Erster Zug von K+S auf reaktivierter Bahnstrecke von Unterbreizbach nach Vacha

Vor Bergbau-Kulisse: Der Eröffnungszug verlässt den Bahnhof Unterbreizbach auf der reaktivierten Strecke in Richtung Vacha.
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Vor Bergbau-Kulisse: Der Eröffnungszug verlässt den Bahnhof Unterbreizbach auf der reaktivierten Strecke in Richtung Vacha.

Knapp 21 Jahre nach der Stilllegung war am Mittwoch der erste Güterzug auf der Bahnstrecke von Unterbreizbach nach Vacha unterwegs.

Unterbreizbach/Vacha – Mit einem dumpfen Pfiff und wummerndem Dieselmotor setzt sich Lok DE 2700-01 um punkt 10 Uhr im Bahnhof Unterbreizbach in Bewegung. Am Haken des blauen 80-Tonnen-Kolosses der Bebraer Holzlogistik und Güterbahn (HlG) hängen 20 leere Kesselwagen – insgesamt 400 Tonnen, die über den Berg nach Vacha bugsiert werden müssen.

Es ist nach fast 21 Jahren der erste reguläre Güterzug auf der einstigen Grenzumgehungsstrecke. Neben Vertretern des Streckenbetreibers Regiobahn Thüringen (RBT) und des Düngemittelherstellers K+S sowie den Bürgermeistern Roland Ernst (Unterbreizbach) und Martin Müller (Vacha) verfolgen deshalb auch Vertreter des Eisenbahnbundesamts die Eröffnungsfahrt. Und einige Zaungäste – darunter Kinder und Erzieherinnen der Unterbreizbacher Kita.

K+S-Logistikleiter Andreas Metz hat lange auf diesem Moment hingearbeitet. Bereits im Jahr 2009 hätten die ersten Begehungen stattgefunden, berichtet er kurz vor der Abfahrt. Im Jahr 2019 stellte das Unternehmen seine Überlegungen erstmals bei der Aufsichtsbehörde in Erfurt vor. Im vergangenen Juli band K+S seinen Rangierbahnhof Unterbreizbach wieder an den Schienenstrang an und die RBT als Streckeneigentümer und -betreiber ertüchtigte die Gleise nach Vacha. Zum 30. April gaben schließlich die Behörden grünes Licht für die Inbetriebnahme.

Bereit zur Abfahrt: K+S-Logistikleiter Andreas Metz (links) und K+S-Anschlussbahnleiter Holger Pfannkuch entfernen im Bahnhof Unterbreizbach die sogenannte Schutz-Halttafel, um die Strecke für den Eröffnungszug freizugeben.

Die 5,2 Kilometer lange Strecke ist laut RBT-Prokurist Hubertus Erbstößer für eine maximale Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern zugelassen. Am Scheitelpunkt bei Sünna scheint der 300 Meter lange Eröffnungszug dieses Tempolimit noch zu unterschreiten. Die starke Steigung von bis zu 40 Promille war ein Grund für die Stilllegung im Jahr 2000. Ein 1000-Tonnen-Zug, erklärt Erbstößer, müsse für den Weg über den Berg mindestens halbiert werden. K+S werde deshalb vor allem leere Waggons auf die Strecke schicken, erläutert Logistikleiter Andreas Metz. Durch die Laugen-Transporte und den Containerbahnhof in Röhrigshof habe der Verkehr auf der eingleisigen Strecke durchs Werratal von Heimboldshausen über Heringen nach Gerstungen stark zugenommen. K+S baue am Standort Hattorf in Philippsthal derzeit zusätzliche Abstellgleise. Weitere Waggons können nun im Bahnhof Vacha zwischengeparkt werden. Auch die dort ansässige Waggonwerkstatt sei nun auf kurzem Weg erreichbar. Langfristig könnten auch Leerwaggons über Eisenach, Bad Salzungen und Vacha zu den Werken gebracht werden.

Rund 30 Minuten nach der Abfahrt erreicht der erste Zug, der zuvor allerdings am von zwei Posten mit Fahnen gesicherten Bahnübergang am Steinweg eine Weile auf die Einfahrerlaubnis gewartet hat, den Bahnhof Vacha.

Als Lok DE 2700-01 wenig später in einem dichten Hagelschauer ohne Waggons mit wummerndem Dieselmotor die Rückfahrt nach Unterbreizbach antritt, ist den Beteiligten von K+S und RBT die Freude über die geglückte Eröffnungsfahrt deutlich anzusehen. (Jan-Christoph Eisenberg)

Erster sozialistischer Bahnbau in 90 Tagen 

Die Bahnstrecke Vacha-Unterbreizbach wurde 1952 von der DDR in nur 90 Tagen als „erster sozialistischer Bahnbau“ fertiggestellt, um die innerdeutsche Grenze zu umgehen. Der Schienenweg von Vacha nach Unterbreizbach führte bis dahin durch die Bundesrepublik über Philippsthal-Süd. Nach dem Mauerfall vereinfachte die im Januar 2000 eröffnete Grubenanschlussbahn zwischen den K+S-Standorten Unterbreizbach und Hattorf (Philippsthal) den Abtransport der Kalizüge. Die Strecke Vacha-Unterbreizbach wurde deshalb am 31. August 2000 stillgelegt. (jce)

Erster Zug auf reaktivierter Bahnstrecke Vacha-Unterbreizbach

Knapp 21 Jahre nach der Stilllegung fuhr  der erste Zug des Düngemittelherstellers K+S auf der reaktivierten Bahnstrecke Vacha-Unterbreizbach.
Knapp 21 Jahre nach der Stilllegung fuhr  der erste Zug des Düngemittelherstellers K+S auf der reaktivierten Bahnstrecke Vacha-Unterbreizbach.
Knapp 21 Jahre nach der Stilllegung fuhr  der erste Zug des Düngemittelherstellers K+S auf der reaktivierten Bahnstrecke Vacha-Unterbreizbach.
Knapp 21 Jahre nach der Stilllegung fuhr  der erste Zug des Düngemittelherstellers K+S auf der reaktivierten Bahnstrecke Vacha-Unterbreizbach.
Erster Zug auf reaktivierter Bahnstrecke Vacha-Unterbreizbach

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