Kali-Lok soll wieder fahren

Eisenbahnfreunde richten in Vacha  59 Jahre altes Schienfahrzeug her

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Vor dem Schneidbrenner bewahrt: Vereinsvorsitzender Wilfried Erbert aus Heringen steigt auf die Lok, um manches zu richten, damit das Gefährt im kommenden Sommer wieder in Dienst gestellt werden kann.

Vacha – Im alten Vachaer Lokschuppen wird eine betagte Diesellok wieder flottgemacht. Sie soll bald Züge zwischen Vacha und Bad Salzungen ziehen.

Die Mitglieder der Interessenvereinigung Verkehrsgeschichte im mittleren Werratal – kurz gesagt die „Vachaer Eisenbahnfreunde“ – haben sich auf ihre Fahnen geschrieben, Eisenbahnhistorie zu erhalten und erlebbar zu machen. In vielen Jahren Arbeit kümmerten sich die 25 Vereinsmitglieder, die teils europaweit verstreut sind, um die Unterhaltung der Bahnstrecke von Bad Salzungen bis nach Unterbreizbach, sammelten dabei Historisches, sorgten für Bewegung auf den alten Gleisen und betreiben ein reges Vereinsleben.

Ihr neuestes Projekt ist die Wiederzulassung einer Diesellok V50, welche 1960 bei der Firma Krauss-Maffei in München gebaut wurde und daher schon als Oldie zählt, wie der erste Vorsitzende des Eisenbahnvereins, Wilfried Erbert aus Heringen, berichtet.

Zunächst rollte das 54 Tonnen schwere Gefährt auf den Gleisen des Bergwerkes Siegfried-Giesen in Niedersachsen. Später kam es zum K+S-Kaliwerk Hattorf in Philippsthal, wo es seinen Dienst mit einem neuen, 600 PS starken Dieselmotor zuverlässig verrichtete. Vor der anstehenden Verschrottung bewahrte Wilfried Erbert mit seinen Enthusiasten die Lok und erwarb sie schließlich von K+S. Per Tieflader ging es über die Straße von Unterbreizbach nach Merkers, wo die Lok im Industriegebiet wieder auf die Gleise gesetzt wurde, damit sie Richtung Vacha zur Überholung aufbrechen konnte.

Seit Anfang des Jahres ist die „Lokschuppen-Crew“ schon am Werkeln, um eine neue Zulassung zu bekommen. Unter fachgerechter Anleitung des zweiten Vereinsvorsitzenden Maik Amstein, ein gelernter Lokschlosser und Zugführer bei der DB, wird geschraubt oder repariert, geputzt und rangeklotzt. So müssen beispielsweise die Achsen mit Ultraschall untersucht werden, aber auch Wasserdruckprüfungen der Luftkessel vom Sachverständigen sind nötig, um die Lizenz wieder zu erhalten.

„Da liegt noch viel Arbeit vor uns“, meint Wilfried Erbert, der aus Heringen zweimal die Woche rüberkommt, um mit anzupacken. Natürlich müssen dabei die Kosten im Rahmen bleiben, was für einen kleinen Verein nicht gerade einfach ist. Wenn alles klappt, sollte die V 50 im Sommer wieder für bis zu acht Jahre in Dienst gestellt werden, bevor dann die nächste Hauptuntersuchung fällig wird. Für neue Mitstreiter stehen die Tore im Vachaer Lokschuppen immer offen. Helfende Hände technikbegeisterter zur Erhaltung historischer Dinge sind dabei gern gesehen. (Lutz Rommel)

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