Gute Auftragslage hilft Traditionsbetrieb aus Heimboldshausen

Bei der Baufirma Willi Hermann geht's nach Schrumpfkur weiter 

Eine Nummer kleiner: Vom Firmensitz an der Heringer Straße in Heimboldshausen aus wird weiter gearbeitet – allerdings mit rund 67 Prozent weniger Personal als bisher. Auch die Baumaschinen der aufgegebenen Tiefbau-Sparte wurden bereits verkauft. Fotos: Eisenberg

Heimboldshausen. Dank guter Auftragslage blicken Axel Beuth und Heiko Müller, die Geschäftsführer des Bauunternehmens Willi Hermann, wieder optimistisch in die Zukunft.

Dafür musste der Heimboldshäuser Traditionsbetrieb allerdings eine radikale Schrumpfkur hinter sich bringen: Zum Monatswechsel sind sämtliche Mitarbeiter der Tief- und Straßenbausparte aus dem Betrieb ausgeschieden. Die Zahl der Beschäftigten ist damit von rund 120 am Jahresanfang um rund 67 Prozent auf etwa 40 gesunken.

Wegen rückläufiger Aufträge, niedriger Preise und langer Zahlungsziele im Tiefbau schrieb die Firma im vergangenen Jahr rote Zahlen. Zum Jahresbeginn hatte die Geschäftsführung deshalb entschieden, den Tiefbau aufzugeben und die Sanierung unter Insolvenzschutz in Eigenverwaltung beantragt (unsere Zeitung berichtete).

Die Treue gehalten

„Kunden und Lieferanten haben uns die Treue gehalten“, freut sich Axel Beuth. Alle begonnen Aufträge seien termingerecht abgearbeitet worden. Lediglich bei drei Projekten – darunter das Parkhaus am Bad Hersfelder Klinikum – sei es aufgrund von personellen Engpässen zu Verzögerungen gekommen.

Ein Teil der Beschäftigten sei der drohenden Kündigung durch einen Arbeitsplatzwechsel zuvorgekommen, erklärt Heiko Müller. Bis auf wenige Ausnahmen seien alle gekündigten Mitarbeiter zu vergleichbaren Konditionen bei anderen Firmen untergekommen, ergänzt Axel Beuth.

Zum Monatsbeginn wurden alle Aktivitäten in der neuen Willi Herrmann Hochbau GmbH gebündelt. Für die verbleibenden Mitarbeiter habe der Wechsel keine negativen Auswirkungen, betonen die Geschäftsführer.

Trotz des Insolvenzverfahrens habe das Unternehmen neue Aufträge erhalten, drei große Hochbau-Projekte – zwei Wohn- und Geschäftshäuser in Bad Hersfeld und im Wartburgkreis sowie ein Kindergarten in Westthüringen – wurden während dieser Zeit fertiggestellt. Der Roh- und Umbau sowie die Sanierung von Ein- und Mehrfamilienhäusern, Wohn- und Geschäftshäusern und kommunalen Gebäuden wie Kindergärten, Dorfgemeinschafts- und Feuerwehrhäusern bildet künftig den Schwerpunkt der verbliebenen vier Baukolonnen.

Firmen und Privatpersonen gehören damit ebenso zum potenziellen Kundenkreis wie die öffentliche Hand. Kleinere Baggerarbeiten sollen weiterhin selbst erledigt werden, bei größeren Erdbewegungen greift das Unternehmen künftig auf die Hilfe von Fremdfirmen zurück. Das Insolvenzverfahren befindet sich laut Axel Beuth auf der Zielgeraden: Für einen Schuldenschnitt werde jetzt über einen Vergleich mit den Gläubigern verhandelt. Voraussichtlich im Herbst soll das Bauunternehmen wieder vollends auf gesunden Füßen stehen.

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