Sechs Tiere werden am Weinberg vermisst

Außergewöhnlich viele Katzen sind in Philippsthal spurlos verschwunden

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Ratlos: (von links) Michele Most mit Sohn Ben, Anja Apel und Lena Diehl suchen bisher vergeblich nach ihren Katzen. Auch Suchmeldungen im Internet und auf Flugblättern waren bisher erfolglos. Das vollständige Bild sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuz oben rechts klicken.

An Zufälle glauben Anja Apel, Lena Diehl und Michele Most längst nicht mehr. Dafür werden am Philippsthaler Weinberg inzwischen einfach zu viele Katzen vermisst.

Insgesamt sechs Samtpfoten sind innerhalb von sechs Monaten alleine in diesem Straßenzug verschwunden. Anderenorts in der Werragemeinde sind weitere Tiere verschollen. Im sozialen Netzwerk Facebook kursieren mehrere Suchmeldungen – und ein Foto einer getöteten Katze, deren Körper regelrecht zerfleischt wurde.

„Wie vom Erdboden verschluckt“, sind seit Oktober die beiden Kater von Lena Diehl. Beide Tiere durften regelmäßig ins Freie, seien aber nie lange unterwegs gewesen. Im Januar verschwanden innerhalb weniger Tage die beiden Kater einer weiteren Familie. Vor rund drei Wochen ist auch Kater Cooper nicht mehr zu seiner Besitzerin Michele Most zurückgekehrt. „Früher haben wir an einer Hauptstraße gewohnt und hatten immer Angst, dass er überfahren wird. Jetzt ist er in einem ruhigen Wohngebiet verschwunden“, erzählt sie.

Mitte April kehrte schließlich auch Anja Apels Katze Kira nicht mehr zu ihrer Familie zurück. Das fünfjährige Tier mit dem pechschwarzen Fell ist gechipt und war ebenfalls regelmäßig im Umfeld des Hauses unterwegs.

Intensive Suche

Viele Versuche haben die verzweifelten Katzenbesitzerinnen bereits unternommen: Weder die intensive Suche im weiteren Umkreis noch Flugblätter, Aufrufe im Internet oder Nachfragen in der Nachbarschaft sowie bei den umliegenden Tierheimen lieferten bislang Hinweise auf deren Verbleib. Anja Apel hat sogar mit zwei speziell für das Aufspüren vermisster Haustiere ausgebildeten Hunden nach ihrer Kira suchen lassen. Unabhängig voneinander seien beide der Fährte der Katze in den nahegelegenen Wald gefolgt, wo die Spur sich schließlich auf einer Wegekreuzung verlor.

Für die Besitzerinnen ist es deshalb durchaus vorstellbar, dass ihre Katzen Opfer eines Wildtiers geworden sind. Möglicherweise seien die Tiere aber auch einem Katzenhasser in die Falle gegangen – mangels konkreter Anhaltspunkte können Anja Apel, Michele Most und Lena Diehl nur mutmaßen.

Die Philippsthalerinnen wollen nun vor allem andere Katzenbesitzer in der Werragemeinde dafür sensibilisieren, ihre Tiere gut im Auge zu behalten und auch die übrigen Einwohner auf das Verschwinden der Katzen aufmerksam machen. „Vielleicht hat jemand etwas beobachtet, dem er bisher keine Bedeutung beigemessen hat“, meint Anja Apel.

Mit jedem Tag sinken zwar die Chancen, die Tiere lebend wiederzusehen, dennoch bleibe immer ein Funken Hoffnung. „Ich hätte gerne endlich Gewissheit, was mit unserer Katze passiert ist“, verdeutlicht Anja Apel und die anderen in der Runde nicken zustimmend.

Tipps für die Suche nach vermissten Tieren

Die Tierschutzorganisation Tasso mit Sitz in Sulzbach (Taunus) betreibt nach eigenen Angaben Europas größtes Haustierregister. Auf seiner Internetseite gibt der Verein folgende Tipps für die Suche nach vermissten Tieren: 

- Tier als vermisst melden: Als ersten Schritt sollten Besitzer ihr Tier telefonisch oder im Internet bei einem Haustierregister als vermisst melden.

- Nach Umzug: Suchplakate sollten auch entlang des Weges zwischen alter und neuer Wohnung aufgehängt werden. Manchmal versuchen die Tiere, dorthin zurückzulaufen.

- Nachbarn fragen: Gerade Katzen werden oft versehentlich in Garagen und Kellern eingesperrt. Da sich Katzen oft vor Fremden verstecken, ist es am besten, wenn die Besitzer die Nachbarn beim Nachschauen begleiten. 

- Tierheime informieren: Die Tierschutzvereine arbeiten zwar in der Regel mit den Suchregistern zusammen, dennoch wissen beispielsweise Aushilfen nicht immer davon.

- Tier anlocken: Entlaufene Tiere lassen sich mit Rufen oder Geräuschen wie dem Klappern der Futterschale anlocken – vornehmlich im vertrauten Revier, um die Tiere nicht noch weiter von Zuhause wegzulocken. 

- Futterstelle einrichten: Etwas Futter an geschützten Stelle kann helfen, das Tier an den Ort zu binden.

- Unfall berücksichtigen: Auch mögliche Verstecke, in die sich ein verletztes Tier zurückgezogen haben könnte, sollten bei der Suche berücksichtigt werden.

- Tod nicht ausschließen: Auch bei Gemeinden nachfragen, ob ein überfahrenes Tier gefunden wurde. Nicht überall wird kontrolliert, ob es registriert ist.

www.tasso.net

VON JAN-CHRISTOPH EISENBERG

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