1. Hersfelder Zeitung
  2. Lokales
  3. Philippsthal-Heringen
  4. Philippsthal

Arbeitsplatzerhalt bis 2026 bei K+S: Kali-Jobs sind vorerst sicher

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jan-Christoph Eisenberg

Kommentare

Arbeit unter Tage: Für die knapp 10 000 Beschäftigten von K+S sieht der neue Verbandstarifvertrag den Erhalt der Arbeitsplätze bis Ende 2026 vor. An nicht wirtschaftlichen Produktionsstandorten sind allerdings schon früher betriebsbedingte Kündigungen möglich.
Arbeit unter Tage: Für die knapp 10 000 Beschäftigten von K+S sieht der neue Verbandstarifvertrag den Erhalt der Arbeitsplätze bis Ende 2026 vor. An nicht wirtschaftlichen Produktionsstandorten sind allerdings schon früher betriebsbedingte Kündigungen möglich. © K+S

Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) und der Verband der Kali- und Salzindustrie (VKS) haben sich auf die Sicherung der Arbeitsplätze beim Bergbauunternehmen K+S bis zum 31. Dezember 2026 geeinigt.

Philippsthal/Heringen – Der vereinbarte unternehmensbezogene Verbandstarifvertrag, der laut IGBCE unter enger Einbeziehung des K+S-Gesamtbetriebsrats ausgehandelt wurde, solle Sicherheit in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld geben, die Wettbewerbsfähigkeit stärken und die Arbeitsplätze der knapp 10 000 K+S-Beschäftigten deutschlandweit sichern. In den aktiv produzierenden Kali- und Salzbetrieben, darunter auch die beiden hessischen Standorte Wintershall (Heringen) sowie Hattorf (Philippsthal/Hohenroda) und der thüringische Standort Unterbreizbach des Verbundwerks Werra, gilt diese Garantie allerdings nur eingeschränkt: Solange die Werke einen positiven freien Cashflow – also Überschuss – erwirtschaften, wird eine Beschäftigungssicherung auf jeweils 18 Monate zugesichert.

„Können Betriebe nicht wirtschaftlich weiter betrieben werden, verpflichten sich die Betriebsparteien, in Gespräche einzutreten und erforderlichenfalls Verhandlungen zu einem Interessenausgleich/Sozialplan aufzunehmen. In einem solchen Fall können betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen werden“, teilt die IGBCE mit.

„Im Rahmen der Verhandlungen über die Fortsetzung unserer Zukunftssicherungsvereinbarung konnten wir in fordernden Verhandlungen maximale Sicherheit und Kontinuität erreichen, um mit einer guten und sichernden Vereinbarung die Herausforderungen der nächsten Jahre bewältigen können“, erklärte André Bahn, Betriebsratsvorsitzender des Werkes Werra. „In harten aber fairen und konstruktiven Verhandlungen haben wir eine Vereinbarung erzielt, die beiden Seiten Planungssicherheit bietet und eine gute Grundlage für die kommenden Jahre ist. Den Bedürfnissen beider Seiten wurde dabei Rechnung getragen“, kommentiert Dr. Burkhard Lohr, K+S-Vorstandsvorsitzender und -Arbeitsdirektor, den Tarifabschluss.

Wochenarbeitszeit auf 39 Stunden verlängert

Bestandteil des Zukunftskonzepts 2026 ist die Verlängerung der tariflichen wöchentlichen (durchschnittlichen) Arbeitszeit um eine Stunde auf 39 Stunden pro Woche. Rückwirkend zum 1. Januar wird ein Jahresarbeitszeitkonto eingeführt, auf das die über die tariflich festgelegten 39 Stunden pro Woche hinaus tatsächlich geleistete Arbeitszeit eingebracht wird. Als Ausgleich sind Freizeitentnahme, Auszahlung oder Einbringung in ein Langzeitkonto möglich. 

Hohe Kosten, schwieriger Markt

Durch ein schwieriges Marktumfeld, stark schwankende Preise und erheblichen Wettbewerbsdruck steht der Kali- und Steinsalzbergbau in Deutschland vor großen Herausforderungen. Die IGBCE verweist zudem auf steigende Kosten durch zurückgehende Rohsalzqualitäten und -mengen, höhere Energiekosten und Umweltschutzmaßnahmen sowie die zunehmenden Entfernungen zwischen Schächten und Abbaubereichen. Der vor diesem Hintergrund abgeschlossene unternehmensbezogene Verbandstarifvertrag gilt für die knapp 10 000 Beschäftigten der K+S Aktiengesellschaft und der K+S Minerals and Agriculture GmbH in Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Er hat eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2026. Grundsätzlich ausgeschlossen werden betriebsbedingte Kündigungen in diesem Zeitraum für die Mitarbeiter am Hauptsitz in Kassel, im Analytik- und Forschungszentrum in Unterbreizbach, in Hamburg, in den inaktiven Werken, am Standort Merkers des Werks Werra, der ebenfalls nicht mehr der Kaligewinnung dient, sowie bei der Zentralen Technik mit Sitz in Bad Hersfeld, die alle planbaren Instandhaltungsmaßnahmen über Tage an den Produktionsstandorten der K+S-Tochter Minerals and Agriculture verantwortet.

Für alle den aktiven produzierenden Kali- und Salzbetrieben von K+S zugeordneten Mitarbeiter gilt eine Beschäftigungssicherung auf 18 Monate, die sich laut Moritz Hautmann von der IGBCE-Abteilung Tarifpolitik innerhalb der Laufzeit der Vereinbarung verlängert, solange ein positiver Cashflow erwirtschaftet wird. Für defizitäre Werke ziehen K+S und IGBCE auch vor 2027 betriebsbedingte Kündigungen in Betracht.

Angesichts der Herausforderungen der Branche stehe die steigende Belastung der Mitarbeiter im Fokus der Gewerkschaft. Deshalb soll die Arbeitsfähigkeit die Mitarbeiter erhalten und gefördert werden. Daher seien entlastende Elemente wie auch flexible Arbeitszeitmodelle Teil des Zukunftskonzeptes. Ziel bleibe es, das Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich zu führen, um langfristig die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und Arbeitsplätze in Deutschland sichern zu können. „Durch breite Beteiligung des Betriebsrates und der IGBCE konnten wir eine Regelung verhandeln, die unseren Kolleginnen und Kollegen Sicherheit für die nächsten Jahre bietet und es möglich macht, das Unternehmen auf die Herausforderungen der kommenden Jahre auszurichten“, bewertet Axel Hartmann, Vorsitzender des K+S-Gesamtbetriebsrats und Betriebsratsvorsitzender des K+S-Werkes Neuhof-Ellers, das Zukunftskonzept.

Von Jan-Christoph Eisenberg

Auch interessant

Kommentare