Appell gegen Extremismus

30 Jahre Grenzöffnung: Gedenkfeier auf der Brücke der Einheit 

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Großes Interesse: Zahlreiche Besucher gedachten am Samstagabend auf der Brücke der Einheit zwischen Philippsthal und Vacha der Grenzöffnung vor 30 Jahren.

Auf der Brücke der Einheit gedachten die Einwohner von Philippsthal, Vacha und der Krayenberggemeinde am Samstag mit zahlreichen Gästen der Grenzöffnung vor 30 Jahren.

Das erste Mauersegment, das am Haken eines Krans emporschwebt, sorgt – wie schon vor 30 Jahren – noch einmal für spontanen Beifall.

Als schwarz-weiße Filmsequenzen, die am frühen Morgen des 12. November 1989 an genau dieser Stelle aufgenommen worden waren, am Samstagabend zu Beginn der Gedenkfeier auf der Brücke der Einheit über die Großbildleinwand flimmern, ist die Freude jener Nacht der Nächte plötzlich wieder greifbar – selbst für diejenigen, die die Grenzöffnung zwischen Philippsthal und Vacha selbst nicht miterlebt haben. „Damals war es auch kalt und nebelig“, raunt eine Besucherin, andere scheinen auf den Bewegtbildern sich selbst oder gute Bekannte wiederentdeckt zu haben.

Ungetrübt ist die Freude bei der Gedenkfeier nicht - das Wahlergebnis in Thüringen beschäftigt

Ganz ungetrübt ist diese Freude bei der gemeinsamen Gedenkveranstaltung der Partnerstädte und -gemeinden Vacha, Philippsthal und Dorndorf (Krayenberggemeinde) allerdings nicht: Vachas Bürgermeister Martin Müller und seinen Dorndorfer Amtskollegen Ingo Jendrusiak treibt das Ergebnis der jüngsten Landtagswahl in ihrem Bundesland um. Obwohl viele Probleme der Nachwendezeit überwunden seien und es vielen heute materiell gut gehe, seien die Menschen offenbar unzufrieden, resümiert der Vachaer Rathauschef in seiner Ansprache: „Anders kann ich mir das Wahlergebnis nicht erklären“. 

Flammender Appell „gegen jede Art von Extremismus“

Durch das Erstarken der politischen Ränder fühle er sich an „Weimarer Verhältnisse“ erinnert, bei denen zwischen NSDAP und KPD kein Platz für die politische Mitte geblieben sei. Müller sieht nun vor allem die Landespolitik am Zug, alte Denkmuster aufzubrechen, ohne jedoch den Radikalen den Weg zu ebnen. Mit einem flammenden Appell „gegen jede Art von Extremismus“ wendet sich Ingo Jendrusiak an die Besucher. Sein eindringliches, selbst verfasstes Gedicht „Überlege, wo du stehst“ erntet kräftigen, lang anhaltenden Applaus.

„Steht zusammen“ lautet schließlich auch die Mahnung von Philippsthals scheidendem Bürgermeister Ralf Orth. Den Dank für die friedliche Revolution stellt vorher der Vachaer Pfarrer Roland Jourdan in den Mittelpunkt seiner Andacht, bevor er gemeinsam mit seiner Philippsthaler Amtskollegin Heidi Houska Segenswünsche spricht.

Geschichte der Grenzöffnung als Lasershow

Freudige, feierliche, aber auch nachdenkliche Weisen stimmen an diesem Abend die Bergmannskapelle Hattorf und die Chorgemeinschaft Vacha an. Nachdem die Europahymne und die deutsche Nationalhymne verklungen sind, flackern über den Köpfen der Besucher die Motive einer Lasershow auf, die die Geschichte der Grenzöffnung auf ihre ganz eigene, unkonventionelle Weise erzählt. Und plötzlich überwiegt wieder die Freude jener Tage im Herbst 1989, die sich an diesem Abend förmlich mit Händen greifen lässt. jce

30 Jahre Grenzöffnung: Gedenkfeier auf der Brücke der Einheit

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