„Es war Liebe auf den ersten Blick“

Lieselotte und Hans Leimbach aus Herfa wurden vor 65 Jahren getraut

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Lieselotte und Hans Leimbach sind heute vor 65 Jahren vom späteren Wolfhager Dekan Otto Wassermann getraut worden.

Lieselotte und Hans Leimbach aus dem Heringer Stadtteil Herfa feiern heute Eiserne Hochzeit. 

Natürlich wollten sie ihr nicht alltägliches Ehejubiläum richtig feiern. Aber das Corona-Virus hat auch Lieselotte und Hans Leimbach, die heute vor 65 Jahren geheiratet haben, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die beiden Herfaer begehen ihren Ehrentag deshalb vorerst nur in der Familie, zu der ihre beiden Töchter, drei Enkel und zwei Urenkel zählen.

Der eiserne Bräutigam wurde am 25. Juli 1931 als jüngstes von drei Kindern des Schlossermeisters Heinrich Leimbach und dessen Ehefrau Rosine geborene Heinz in Heringen geboren. Nach dem Besuch der örtlichen Volksschule und des Oberschulgymnasiums in Gerstungen, das er nach dem Krieg nicht weiter besuchen konnte, absolvierte er eine Tischlerlehre. Ab 1950 arbeitete er im Kalibergbau. Von 1954 bis 1957 besuchte er die Bergschule in Dillenburg. Nach Abschluss der Bergbauingenieursausbildung war er als Grubensteiger, Reviersteiger und Fahrsteiger unter Tage tätig. 1980 baute er am Standort Wintershall das Ausbildungsrevier für Bergmechaniker auf, das er acht Jahre lang leitete. Die zielgerichtete Ausbildung des Nachwuchses lag dem Bergmann immer am Herzen, sodass es nur wenig verwundert, dass er bei den Treffen der Ehemaligen bis heute gern gesehener Gast ist.

Da der 88-Jährige stets gerne geturnt, mit zwölf Jahren „Zerrwanst“ und irgendwann auch Geige gespielt hat – unter anderem bis 2019 in der Musikgruppe der Trachten- und Volkstanzgruppe Lautenhausen – verwundert es auch nicht, dass ihm seine spätere Braut beim Turnen im Verein und bei Musik und Tanz auf der Kirmes aufgefallen ist. 1950 lernten die beiden sich näher kennen, 1952 verlobten sie sich. „Es war Liebe auf den ersten Blick.“

Die eiserne Braut hatte am 1. November 1934 als mittlere von drei Töchtern des Elektrikers Balthasar Buch und dessen Ehefrau Berta geborene Katzmann, ebenfalls in Heringen, das Licht der Welt erblickt. Nach achtjährigem Volksschulbesuch wollte sie eigentlich das Schneiderhandwerk lernen. Wegen kurzfristiger beruflicher Neuorientierung der Meisterin klappte das jedoch nicht. Lieselotte machte aus der Not eine Tugend und ging in ihrer Heimatgemeinde „in Stellung“. Das sollte ihr schon bald zugutekommen, denn als ihr Hans in Dillenburg noch einmal zur Schule ging, fand sie in der Oranienstadt eine Stelle als Haushaltshilfe, sodass sie ihm hinterherziehen konnte. Nach Heirat und Rückkehr nach Heringen war sie dann im eigenen Haushalt tätig, und, so wie es früher üblich war, war sie es vor allem, die die beiden Töchter großzog.

Weil es von Herfa näher zum Schacht Neurode, wo Hans in sein Revier einfuhr, war als von Heringen, erwarben die Jubilare in der damals noch selbstständigen Gemeinde, in der der Jubilar zeitweise auch politisch tätig war, ein Grundstück, auf dem sie sich ihren Traum vom eigenen Heim erfüllten. Mit großem Fleiß, positiver Lebenseinstellung und „eisernem Willen“ bauten sie Anfang der 70-er-Jahre ein geräumiges Haus, von dem aus man einen wunderschönen Blick auf das Dorf hat. Bis ins hohe Alter versorgten sie sich noch aus dem eigenen Garten. Über Jahrzehnte gingen die Jubilare in verschiedenen Vereinen ihren Hobbys nach, etwa dem Turnen, Kunstradfahren, Musizieren und dem gemeinsamen Singen im Chor, beispielsweise im Gemischten Chor des örtlichen Gesangvereins. Als eifriger Zeitungsleser schrieb Hans auch gerne Leserbriefe. Seit 1965 ging er zur Jagd, wobei er immer Wert auf die Hege und Pflege der Tiere und des Waldes legte. Darüber hinaus gehörte das Mitglied des Bergmannvereins zu den Aktiven, die das Heringer Bergbaumuseum aufbauten – und als einer, der bis heute stolz darauf ist, Bergmann gewesen zu sein, engagierte er sich viele Jahre als Museumsführer.

Immer wieder sind die Jubilare gerne mit der ganzen Familie an die Nordsee gefahren. Über 20 Mal waren sie auf der Insel Baltrum, aber auch auf Kuba und in Mexiko. Nach dem Rezept für eine lange, glückliche Ehe befragt, sagt „der eiserne Hans“, der noch immer vom Frankfurter Kranz seiner Lieselotte schwärmt, mit fester, ein bisschen auch bewegter Stimme: „Wichtig ist gegenseitiges Verstehen, auch dann, wenn’s schwierig wird. Man darf nicht nachtragend sein, und man muss vergeben können.“  apl

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