Der Grenzöffnung gedacht

Kleinensee/Großensee: Warnung vor neuen Mauern

Der Gesangverein Kleinensee umrahmte den Gedenk-abend musikalisch.

Die Einwohner von Kleinensee und Großensee feiern jedes Jahr ihre ganz eigenen Wiedervereinigung - erst recht im 30. Jahr des Mauerfalls.

Am 9. November vor 30 Jahren fiel die innerdeutsche Grenze in Berlin, damit war die Teilung der beiden deutschen Staaten aufgehoben. Die Bürger von Kleinensee und Großensee mussten sich allerdings noch bis zum 16. Dezember gedulden, dann fielen schließlich auch die über drei Meter hohen Wände, die die beiden Dörfer seit 1952 voneinander getrennt hatten.

Der Gesangverein Kleinensee umrahmte den Gedenk-abend musikalisch.

Zum Jahrestag der Grenzöffnung luden deshalb der Heimat- und Verkehrsverein Kleinensee und der Heimatverein Großensee zu einer Feierstunde, an der „Gedenkstätte DDR-Grenze“ ein. „Unsere ganz persönliche Wiedervereinigung haben wir bisher jedes Jahr gefeiert, das drückt die Nähe unserer beiden Dörfer aus“, erklärte Fritz Ewald. Dem pensionierten Pfarrer aus Dankmarshausen ist es deshalb wichtig, dass die Menschen aus beiden Dörfern stets aufeinander zugehen und die vor 30 Jahren erkämpfte Freiheit auch weiterhin würdigen.

Viele der Dutzende Besucher der Gedenkfeier wussten, wovon Fritz Ewald sprach, denn sie standen bereits vor 30 Jahren am gleichen Ort und sahen die innerdeutsche Grenze fallen. Ewald erinnerte sich zur Feierstunde an das gemeinsame Erlebnis und regte gleichzeitig zum Gedenken an jene an, die an der Grenze zu Großensee bei Fluchtversuchen erschossen worden waren.

Auch Wilfried Marnach vom Pfarramt Widdershausen erinnerte in seiner Rede an den Schmerz, den die Grenze zwischen Großen-und Kleinensee bedeutet hatte. Vor dem nur wenige Meter langen Mauerrest, der heute als Gedenkstätte zwischen den beiden Dörfern geblieben ist, berichtete Pfarrer Marnach vom Schmerz der Getrennten: „Die einen Familienmitglieder standen auf der West-, die anderen auf der Ostseite und alle haben geweint.“ Als dann am 16. Dezember die Grenze fiel, sei das für ihn das größte politische Wunder aller Zeiten gewesen, so Marnach.

Lob für Zusammenarbeit

Umso mehr lobte Marnach die Zusammenarbeit der beiden Dörfer seit der Wiedervereinigung. Auch Bürgermeister René Weisheit aus der Stadt Werra-Suhl-Tal bekräftigte, dass es wichtig sei, aus der Geschichte zu lernen und Weisheit sieht die im kleinen vorgelebte Zusammenarbeit auch heute als richtungsweisende Chance für ganz Deutschland und Europa.

Die Möglichkeit aus der Vergangenheit zu lernen, sah auch Heringens Bürgermeister Daniel Iliev. Er bekräftigte die essenzielle Bedeutung der deutschen Teilung für jüngere Generationen, die die Wende nicht miterlebt hatten. „Die Erlebnisse müssen an die nächste Generation weitertransportiert werden, damit wir an unsrer Freiheit arbeiten können und keine neuen Grenzen erschaffen“, so Iliev. Stattdessen rief der Bürgermeister zu Offenheit und Einigkeit auf. „Wir müssen Brücken bauen und unsere Herzen öffnen.“

Auch Bernd Maus, Ortsvorsteher von Kleinensee, und Amtskollege Hagen Bause aus Großensee schlossen sich dem Aufruf zur Einheit und Brüderlichkeit an. Symbolisch pflanzten die Bürgermeister Daniel Iliev und René Weisheit anschließend eine Linde, als Zeichen der Wiedervereinigung. Und die schallenden Klänge des Gesangvereins Kleinensee, und der Kapelle „Die blauen Mützen“, erhoben sich mit „Möge die Straße uns zusammenführen“ und „Nun danket alle Gott“, über das verbliebene Mauerstück an der DDR Gedenkstätte.

Zum Abschluss der Feierstunde überschritten ehemals getrennte Dorfbewohner die ehemalige Grenze gemeinsam und trafen sich im Gemeinschaftshaus Kleinensee, um Erinnerungen und Fotos vom Mauerfall vor 30 Jahren auszutauschen.

Von Kim Hornickel

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