Regierunspräsidium erteilt K+S neue Einleiterlaubnis für die Werra: Salz-Grenzwerte sinken schrittweise

K+S darf bis 2027 weiter Salzwasser in die Werra leiten 

Unser Bild zeigt die Einleitstelle am Werk Werra, Standort Hattorf bei Philippsthal. Archiv
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Erlaubnis erteilt: K+S darf bis 2027 weiter salzhaltige Abwässer in die Werra einleiten. Unser Bild zeigt die Einleitstelle am Werk Werra, Standort Hattorf bei Philippsthal.

Der Düngemittelhersteller K+S darf bis Ende 2027 weiter salzhaltige Abwässer aus den Werken Werra und Neuhof-Ellers in die Werra einleiten.

Philippsthal - Eine entsprechende wasserrechtliche Erlaubnis hat das Regierungspräsidium Kassel als zuständige Genehmigungsbehörde dem Bergbauunternehmen mit Hauptsitz in Kassel am Donnerstag erteilt. Die bisherige Erlaubnis läuft zum Ende des Jahres aus. Mit der neuen Erlaubnis werden die Salzgrenzwerte in der Werra am Pegel Gerstungen erneut schrittweise gesenkt. Damit soll laut Mitteilung des Regierungspräsidiums den Vorgaben der Bewirtschaftungsplanung der Flussgebietsgemeinschaft Weser Rechnung getragen werden. Philippsthal / Heringen – Mehr 500 Seiten umfasst die Erlaubnis für die Einleitung salzhaltiger Abwässer von K+S in die Werra, die Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber am Donnerstag unterzeichnet hat.

Nach den Vorgaben der Bewirtschaftungsplanung der Flussgebietsgemeinschaft (FGG) Weser sollen die Grenzwerte am Pegel Gerstungen demnach bis 2027 schrittweise sinken. Während der Bewirtschaftungsplan laut Regierungspräsidium nur Zielwerte als sogenannte 90-Prozent-Perzentile vorgebe, mussten diese in der Erlaubnis auf Grenzwerte umgerechnet werden. Der Grenzwert für Chlorid wird stufenweise von aktuell 2400 Milligramm pro Liter auf zunächst 2000 mg/l, ab Januar 2023 weiter auf 1820 mg/l und ab Januar 2024 nochmals auf 1700 mg/l reduziert. Die Grenzwerte für Magnesium und Kalium sinken ebenfalls stufenweise bis auf 235 mg/l beziehungsweise 150 mg/l im Jahr 2024. Daneben sieht die Erlaubnis laut K+S auch eine Verringerung der Maximalmenge von aktuell 6,7 Millionen Kubikmeter auf fünf Millionen Kubikmeter Salzabwasser pro Jahr vor. Unter Vorbehalt ist eine weitere Absenkung der Grenzwerte für die Jahre 2026/2027 angedacht – abhängig von der erneuten Überprüfung der Zielwerte durch die FGG Weser im Jahr 2024.

„Durch die genehmigungsrechtliche Umsetzung der Bewirtschaftungsplanung der FGG Weser und die damit einhergehende weitere Absenkung der Grenzwerte für Chlorid, Kalium und Magnesium am Pegel Gerstungen, konnte für die kommenden sechs Jahre ein weiterer Schritt Richtung Verbesserung der ökologischen Bedingungen an Werra und Weser gemacht werden. Zugleich wurden damit die Weichen für eine planbare Fortsetzung der Produktion im nordosthessischen Kalirevier gestellt“, sagte Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber zur Unterzeichnung der Zulassungsentscheidung.

„Die neue Erlaubnis ist eine gute Nachricht für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Werken Werra und Neuhof-Ellers“, erklärte der K+S-Vorstandsvorsitzende Dr. Burkhard Lohr. „Sie zeigt auch, dass unsere umfangreichen Investitionen und Maßnahmen zur weiteren Entlastung der Umwelt und zur umweltgerechten Umstellung des Entsorgungskonzeptes am Werk Werra anerkannt werden.“

Der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND Hessen) begrüßte zwar die Verringerung der Salzeinleitung. Die Umweltprobleme durch den Kalibergbau bleiben aber weiterhin ungelöst, kritisierte der Landesvorsitzende Jörg Nitsch Anfang der Woche nach Veröffentlichung des Bewirtschaftungsplans Salz durch das Umweltministerium.

Das Regierunspräsidium Kassel hatte im vergangenen Jahr zunächst über die Erlaubnis für 2021 und erst jetzt über die Folgeerlaubnis entschieden. Durch diese gestufte Entscheidung sollte die Bewirtschaftungsplanung der FGG Weser für die dritte Bewirtschaftungsperiode berücksichtigt werden. Im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung für das Gesamtverfahren waren die Antragsunterlagen im Jahr 2020 in 66 Kommunen entlang des Flusses ausgelegt worden. Insgesamt gingen laut RP mehr als 650 Einwendungen ein, und es wurden mehr als 280 Behörden, Kommunen und Verbände beteiligt. Der normalerweise übliche Erörterungstermin war pandemiebedingt durch eine Online-Konsultation ersetzt worden. (Jan-Christoph Eisenberg)

Ab 2028 soll nur noch Haldenabwasser im Fluss entsorgt werden

Die bei der Produktion entstehenden oder an den Rückstandshalden aufgefangenen Salzabwässer wurden bislang in die Werra eingeleitet oder in die Gesteinsschicht Plattendolomit versenkt. Die Versenkung fällt zum Jahresende weg, die Einleitung wird reduziert. K+S bezeichnet die neuen Zielwerte als „anspruchsvoll“, kündigt aber an, diese einzuhalten. Es sei unverändert das Ziel, ab 2028 kein Produktionsabwasser mehr in die Werra zu leiten. Dafür setzt K+S auf die „Einstapelung“ genannte Flutung der Grube Springen und die Haldenabdeckung. Von der zunächst geplanten Abdeckung mit einem Gemisch aus Hausmüll-Schlacke und Braunkohle-Asche soll das Unternehmen inzwischen aber abgerückt sein und an einem anderen Verfahren arbeiten. Einzelheiten nannte K+S bislang nicht. Laut BUND soll es sich um eine Infiltrationshemmschicht mit deutlich verringerter Schutzwirkung handeln. 

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