Eine WG für neue Kali-Kumpel

K+S wirbt mit Fahrdienst und Unterkünften um Auszubildende

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Zuhause auf Zeit: Florian Schuchardt im WG-Zimmer in Röhrigshof. Musik zähl t zu den Hobbys des angehenden Bergbautechnologen.

Mit einer Azubi-WG in Philippsthal und eigenem Fahrdienst am Werk Werra wirbt der Düngemittelkonzern K+S um neue Auszubildende  - denn  Nachwuchs ist schwer zu finden.

Röhrigshof –Zweiradgarage, Garten, Küche, Bad, Gemeinschaftsraum und natürlich das eigene Zimmer – und das alles mit Blick auf den Förderturm: Sichtlich stolz führt Florian Schuchardt durch sein Zuhause auf Zeit.

Der 17-Jährige ist angehender Bergbautechnologe im ersten Lehrjahr im Werk Werra des Düngemittelherstellers K+S und kommt eigentlich aus Unterellen bei Gerstungen. Von dort mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Ausbildungsplatz zu gelangen, ist zum Schichtbeginn um kurz nach vier Uhr morgens unmöglich. 

„Der demografische Wandel macht sich auch bei uns bemerkbar“, berichtet Silvana Krieg, Referentin für Ausbildungsmarketing im Werk Werra bei K+S. Auf Messen und an Schulen wirbt das Unternehmen offensiv um neue Auszubildende – längst nicht mehr nur im näheren Umkreis der Standortgemeinden. Mitarbeiter kommen inzwischen aus dem gesamten Raum Fulda, Eschwege, Kassel oder Erfurt – und manche sogar aus deutlich weiter entfernten Regionen. 

Der tägliche Weg zum Arbeitsplatz wird damit zur Herausforderung – insbesondere für Auszubildende im ersten Lehrjahr, die in der Regel wegen ihres Alters noch nicht selbst Auto fahren dürfen.

Zuhause auf Zeit: Florian Schuchardt im WG-Zimmer in Röhrigshof. Musik zählt zu den Hobbys des angehenden Bergbautechnologen.

Vor knapp zwei Jahren hat das Werk daher eigene Unterkünfte für Azubis geschaffen: Zwei Wohnungen eines werkseigenen Mehrfamilienhauses im Philippsthaler Ortsteil Röhrigshof wurden inzwischen zu Wohngemeinschaften umfunktioniert. Für ihre Zimmer zahlen die Azubis eine erschwingliche Miete, zweimal pro Woche schaut ein Sozialpädagoge als Ansprechpartner für Fragen oder Problemen vorbei.

„Mittlerweile sind wir richtig gute Freunde“, beschreibt Florian Schuchardt das Verhältnis zu seinen Mitbewohnern, einem angehenden Anlagen- sowie einem angehenden Industriemechaniker. Zusammen organisieren die Azubis Putzplan und Einkäufe, mindestens einmal pro Woche wird gemeinsam gekocht. „Wir wollen uns nicht nur von Fast Food ernähren“, erzählt der 17-Jährige augenzwinkernd. Im Fahrgemeinschaften mit Kollegen gelangt Schuchardt zur knapp zwölf Kilometer entfernten Schachtanlage Herfa-Neurode, wo er in die Grube einfährt. Die Wochenenden verbringt der angehende Bergmann meist in seinem Heimatort in Thüringen. Der Schritt in die Selbstständigkeit sei ihm leichtgefallen: „Ich war von zuhause aus schon sehr eigenständig“, betont er.

Mit Chauffeur zur Arbeit

Im vergangenen August wurde zusätzlich ein Azubi-Shuttle eingerichtet. Zwei Fahrer mit Teilzeitstelle steuern den eigens angeschafften Kleinbus morgens von Ronshausen über Bosserode, Dankmarshausen, Heringen und Herfa bis zum Ausbildungszentrum am Standort Hattorf und nach der Frühschicht wieder zurück.

Der Fahrplan sei auf Azubis zugeschnitten, die ihren Arbeitsplatz nicht mit regulären Buslinien erreichen, verdeutlicht Ausbilder Josef Büchel: Da die ersten Fahrgäste den Bus bereits am Standort Wintersall verlassen, steigen in Heringen die Reststrecke bis Hattorf weitere Azubis zu.

Mit dem Siebensitzer werden so insgesamt zehn Personen zu ihrem Ausbildungsplatz gebracht. Die Mitfahrer verpflichten sich, den Service ein Jahr lang zu nutzen und zahlen dafür eine Pauschale, die sich laut Silvana Krieg an den Tarifen des öffentlichen Nahverkehrs orientiert.

Wenn im Sommer im Werk Werra etwa 80 neue Azubis starten, mancher inzwischen volljährige Mitfahrer aber inzwischen aufs eigene Auto umsteigt, müssen Fahrplan und Route entsprechend angepasst werden, verdeutlicht Josef Büchel.

Aus Sicht des Ausbilders und der Referentin zahlt sich dieser Aufwand aber aus: Beide Angebote hätten sich bewährt, die Nachfrage sei sogar weit größer als die aktuellen Kapazitäten.

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