Die Erinnerung wachhalten

30 Jahre Grenzöffnung: Ausstellung in Kleinensee

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Bereiten die Ausstellung zu 30 Jahren Grenzöffnung vor: Einwohner aus Kleinensee und Großensee haben zahlreiche Zeitdokumente und Erinnerungsstücke zusammengetragen.

Kleinensee – Zu Zeiten der deutschen Teilung wurde Kleinensee manchmal auch augenzwinkernd Klein-Berlin genannt: Von drei Seiten war der Heringer Stadtteil von der Grenze zur DDR umgeben.

Die Nachbarn im thüringischen Großensee waren nur einen Steinwurf entfernt – aber dennoch unerreichbar. Eine Ausstellung, die am Wochenende anlässlich des 30. Jahrestages der Grenzöffnung im Gemeinschaftshaus „Schlottentreff“ gezeigt wird, soll an diese außergewöhnliche Situation erinnern. Zusammengestellt wird die Schau gemeinsam von Bewohnern aus Kleinensee und Großensee. „Die Jahrestage der Grenzöffnung haben wir in den vergangen 30 Jahren immer gemeinsam gefeiert, in der Anfangszeit sogar jedes Jahr“, betont Paul Schäfer, der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsvereins Kleinensee. Für die Ausstellung haben die Einwohner beider Nachbarorte unzählige Erinnerungsstücke zusammengetragen, die beide Perspektiven widerspiegeln: Auf der einen Seite Kleinensee, in das nur eine Straße hinein und hinausführte und wo die westliche Welt zu enden schien. Auf der anderen Seite Großensee, das – ebenfalls von drei Seiten von der Bundesrepublik umschlossen – zum Sperrgebiet zählte und nur mit Passierschein betreten werden durfte, wo alle Leitern als mögliche Fluchthilfsmittel mit Kette und Schloss gesichert werden mussten und dessen Bewohner bereits eine Verhaftung riskierten, wenn sie den Verwandten im Nachbarort zuwinkten.

Vom Ausbau der Sperranlagen bis zu deren Verschwinden soll die besondere Grenzsituation der beiden Nachbarorte in der Ausstellung auf zahlreichen Fotos dokumentiert werden. Zu sehen sind aber auch Zeitdokumente wie Zeitungsausschnitte, Fahnen, Grenzschilder und eine der Kerzen, die 1989 bei einer Demonstration an der Grenze entzündet worden waren. Ein Grenzübergang zwischen beiden Dörfern sei damals mehrfach versprochen worden. Nachdem die Sperranlagen bereits am 11. Dezember für einige Stunden offen waren, wurde der Wunsch der Bewohner schließlich im dritten Anlauf am 16. Dezember Wirklichkeit. Filmaufnahmen von diesem Ereignis, das mit Blasmusik gefeiert wurde, sollen in der Ausstellung auf Großbildleinwand gezeigt werden. Dass Mauern und Stacheldraht plötzlich Geschichte waren, habe sich zunächst unwirklich angefühlt, berichten die Einwohner beider Orte übereinstimmend. „Die Ausstellung soll den Anlass bieten, sich über ihre Erlebnisse auszutauschen“, betont Paul Schäfer. Den Ausstellungsmachern ist es wichtig, die Erinnerung wachzuhalten – insbesondere für die junge Generation, die die Zeit, in der Kleinensee augenzwinkernd Klein-Berlin genannt wurde, selbst nicht mehr erlebt hat.

Die Ausstellung „Grenzöffnung Kleinensee – Großensee“ wird am Samstag, 9. November, um 14 Uhr im Gemeinschaftshaus „Schlottentreff“ in Kleinensee, Am Gutshof, eröffnet und kann an diesem Tag bis 22 Uhr besichtigt werden. Am Sonntag, 10. November, beginnt um 10 Uhr ein Frühschoppen im „Schlottentreff“. Die Fotoausstellung ist an diesem Tag bis 15 Uhr geöffnet.

Ein Teil der Exponate wird anschließend in die Fotoausstellung „Von der Teilung bis zur Wiedervereinigung Deutschlands“ integriert, die vom 14. bis zum 17. November im Bürgerhaus des Wildecker Ortsteils Obersuhl gezeigt wird.

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