Neuer Entsorgungsweg ab 2022

K+S investiert bis zu 700 Millionen Euro: Grube Springen soll künftig Salzabwasser aufnehmen

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Projektleiter Dirk Weigert an der Rohrleitung über die der unterirdische Zwischenspeicher befüllt wird. Über diesen Weg soll auch das Abwasser für die Grube Springen unter die Erde gelangen. 

Ab dem Jahr 2022 soll hoch konzentriertes Salzabwasser aus dem K+S-Werk Werra in die ehemalige Kaligrube Springen im Wartburgkreis eingeleitet werden.

Das von Fachleuten als „Einstapelung“ bezeichnete Verfahren hat der Düngemittelhersteller K+S am Donnerstag vorgestellt. Das Vorhaben ist Teil des Maßnahmenprogramms zur Salzwasserreduzierung der Flussgebietsgemeinschaft Weser und soll die Kaliproduktion auch nach dem Ende der Salzwasser-Versenkung in den Plattendolomit sichern. 

Die Erlaubnis für diesen umstrittenen Entsorgungsweg läuft 2021 aus. In einem Vergleich mit dem BUND hatte K+S im Jahr 2017 auf eine Verlängerung verzichtet. Das technische Konzept für die Einstapelung sieht vor, ab 2022 jährlich rund 1,4 Millionen Kubikmeter Salzlösung aus der Kainitkristallisations- und Flotationsanlage (KKF) über ein bestehendes Leitungssystem von Philippsthal nach Heringen zu transportieren. 

Dort wird die Lösung aufkonzentriert und über eine Rohrleitung im Schacht Grimberg nach unter Tage geleitet. Von dort soll eine 20 Kilometer lange Rohrleitung nach Springen verlegt werden. Nach dem Bau einer zusätzlichen Eindampfanlage sollen ab 2028 sämtliche Produktionsabwässer des Werkes Werra in Springen* eingestapelt werden können. Über die Werra müssten dann nur noch die Haldenwässer entsorgt werden. 

Grube Springen bietet genügend Raum, um 20 Jahre Salzabwässer aufzunehmen

Das zum ehemaligen Bergwerk Merkers gehörende Grubenfeld bietet laut K+S genügend Raum, um die flüssigen Rückstände 20 Jahre lang aufzunehmen. Über das Vorhaben müssen sowohl die hessische als auch die thüringische Bergbehörde entscheiden. K+S geht davon aus, dass die Pläne genehmigungsfähig sind.

Salzsee unter der Erde: Seit Sommer 2019 betreibt K+S in der Grube Hattorf-Wintershall einen unterirdischen Zwischenspeicher für Salszabwässer. Nach demselben Prinzip - nur dauerhaft - funktioniert auch die Einsapelung in Springen. 

Bei einen vorangegangenen Großforschungsprojekt sei es vor allem um Sicherheitsaspekte gegangen: Die flüssigen Rückstände dürfen weder das als Sicherheitspfeiler verbliebene Salzgebirge auflösen, noch in andere Bereiche des Bergwerks gelangen, zu dem auch die Untertage-Deponie Herfa-Neurode gehört. Mit dem Gegendruck der eingestapelten Salzlösung sollen zugleich die bislang unkontrollierten Wassereinbrüche in Springen als Altlast des DDR-Bergbaus gestoppt werden.

In die notwendige Infrastruktur wird K+S bis zum Start laut Projektleiter Stefan Deppe Rund 50 Millionen Euro investieren. Zu den Gesamtkosten des Vorhabens macht das Unternehmen offiziell keine Angaben, beim Pressetermin wurde jedoch auf die Einschätzung des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow verwiesen, nach der diese zwischen 500 und 700 Millionen Euro liegen werden.

Staatsvertrag muss geändert werden

Für den Bau der untertägigen Leitung zwischen Wintershall und Springen müssen die Landtage über die Änderung eines Staatsvertrages entscheiden: Ein mindestens 200 Meter breiter Sicherheitsstreifen aus Salzgestein trennt die Gruben in Hessen und Thüringen. Unterbrochen wird dieser bislang nur durch in Rollloch, durch das den hessischen Kalifabriken Rohsalz aus der Grube Unterbreizbach zugefördert wird. Hinzukommen jetzt zwei Bohrungen für die Salzwasserleitung.

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