Wirbel um Windkraft-Info: Bürgerinitiative Friedewald kritisiert Broschüre des Heringer Bürgermeisters Daniel Iliev

So könnte es aussehen: Blick von der katholischen Kirche in Herfa zum Waltersberg, wo sieben Windräder entstehen sollen. Baubeginn ist im Herbst. Montage: Archiv

Heringen/Friedewald. Eine vom Bürgerforum Energieland Hessen mit einem Vorwort von Bürgermeister Daniel Iliev herausgegebene Informationsbroschüre zu Windkraft-Projekten im Heringer Stadtgebiet sorgt derzeit für Wirbel.

„Verwunderung und Unverständnis bei vielen Bürgern Herfas und der Bürgerinitiative für ein l(i)ebenswertes Friedewald (BI)“ habe der haushaltsdeckend verteilte Flyer ausgelöst, schreibt der BI-Vorsitzende Thorsten Sindel in einer Pressemitteilung.

Die enthaltenen Informationen griffen zu kurz, basierten zum Teil auf alten Daten und verharmlosten die möglichen Gefahren für Mensch, Tier und Natur durch Windkraftanlagen, argumentiert die BI. Eine im Herbst 2016 angekündigte kritische Stellungnahme der Stadt sei nach derzeitigem Kenntnisstand nicht abgegeben worden, schreibt die BI. Der zwischenzeitlich erteilte Genehmigungsbescheid zum Windpark Waltersberg enthalte extrem viele naturschutzrechtliche Auflagen. Der Ortsbeirat Herfa habe beschlossen, Einwand zu erheben und durch die Stadt Heringen die Auffälligkeiten im Genehmigungsantrag prüfen zu lassen. Auch hier ist die Stadt nach Informationen der BI bisher nicht tätig geworden.

„Statt weiterer kritischer Auseinandersetzung mit der Thematik wurde nun seitens der Stadt ein Windkraftflyer in Heringen verteilt, der vor allem dem Projektierer Enercon viel Raum einräumt. Dies soll wohl vordergründig die allgemeine Akzeptanz für den Windkraftstandort stärken, bevor dann im Oktober die Bauarbeiten für die Windräder beginnen, konterkariert aber zugleich das ehrenamtliche Engagement von BI und Ortsbeirat. Es wäre wünschenswert gewesen, wenn beide im Vorfeld mit involviert gewesen wären. Das hätte sicher für mehr Transparenz gesorgt. So bleibt es bei vielen allgemeinen Aussagen der Hessenagentur als Sprachrohr der Landesregierung“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Auch die Stadt Heringen und ihre Bürger werden nach Ansicht der BI weder von Pachteinnahmen noch von Bürgerbeteiligungen profitieren. Selbst der von Enercon im Flyer angeführte Richtwert, der bei den sieben Anlagen auf 20 Jahre der Stadt Heringen 60 000 Euro Gewerbesteuer bringen soll, sei nur bei optimalen Bedingungen erreichbar und deshalb nichts als Augenwischerei. Für die erhofften Einnahmen würden die Bürger des Stadtteils Herfa über die Maßen durch ein unsinniges Projekt belastet, argumentiert die BI.

Iliev: Sachlich informieren

Bei aller gerechtfertigten Kritik am Windkraft-Standort sei es ihm darum gegangen, sachlich über das Thema zu informieren, sagte Bürgermeister Daniel Iliev auf Nachfrage unserer Zeitung. Deshalb habe er das Angebot der Hessenagentur angenommen und sich mit einem Vorwort an der Broschüre beteiligt.

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