Wanderziel weggebaggert?

Irritation um Renaturierung der Heringer Jungsthalquelle

Trostloser Anblick: Heringens Bürgermeister Daniel Iliev, der sich vor Ort selbst ein Bild vom aktuellen Zustand machte, möchte die Jungsthalquelle als Wanderziel erhalten. Inzwischen hat Hessenforst angekündigt, die Steinquader der alten Fassung ein Stück von der Quelle entfernt neu aufzumauern.
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Trostloser Anblick: Heringens Bürgermeister Daniel Iliev, der sich vor Ort selbst ein Bild vom aktuellen Zustand machte, möchte die Jungsthalquelle als Wanderziel erhalten. Inzwischen hat Hessenforst angekündigt, die Steinquader der alten Fassung ein Stück von der Quelle entfernt neu aufzumauern.

Hessenforst lässt die Jungsthalquelle im Wald zwischen Heringen und Lengers renaturieren. Dass dafür die Quellfassung aus dem Jahr 1881 abgebrochen wurde, sorgt für Irritationen.

Heringen – Traurig und entsetzt reagierten Wanderer und Spaziergänger, die in den vergangenen Tagen die Jungsthalquelle erreichten.

Dort im Wald zwischen Heringen und Lengers war offenbar ein Bagger angerückt und hatte die steinerne Quellfassung aus dem Hang gerissen. Die Steinquader – einer davon trägt die Inschrift 1881 – lagen anfangs daneben auf dem Waldboden verstreut. Inzwischen wurden sie zwar zu einer Art Bruchsteinmauer aufgeschichtet, dennoch bietet sich dem Betrachter ein eher trostloses Bild.

Verärgerte Leser wiesen unsere Zeitung auf den Abbruch der Quellfassung hin. Auch Heringens Bürgermeister Daniel Iliev berichtet von einem „Sturm der Entrüstung“, der die Stadtverwaltung in Form mehrerer verwunderter oder gar erboster Anrufer erreicht habe. Deren Ärger kann der Rathauschef nachvollziehen. Denn obwohl aus ihr seit einigen Jahren kaum noch Wasser fließe, sei die Quelle nach wie vor ein beliebtes Wanderziel.

So sah es vor der Renaturierung aus: Der oberste Stein der Quellfassung trägt die Jahreszahl  1881.

„Viele Menschen aus den umliegenden Orten verbinden mit der Jungsthalquelle Kindheitserinnerungen“, verdeutlicht Iliev. Auch er sei schockiert und traurig über den aktuellen Zustand gewesen. Veranlasst wurden die Arbeiten vom Landesbetrieb Hessenforst, von dem sich der Bürgermeister im Vorfeld eine bessere Kommunikation gewünscht hätte. Denn von den Vorgängen an der Quelle habe die Stadtverwaltung erst durch die aufmerksamen Einwohner erfahren. Informationen vom zuständigen Forstamt Rotenburg habe die Stadt bislang nicht, beklagt Iliev.

Nach Beginn der Arbeiten: Die Steinquader lagen anfangs auf dem Waldboden verstreut. 

Um die Lebensbedingungen für Bachbewohner zu verbessern, werde die Jungsthalquelle derzeit renaturiert, erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung Volker Neumann, Bereichsleiter für Dienstleistung/Hoheit im Forstamt Rotenburg, auf Nachfrage unserer Zeitung. Mit Blick auf den Naturschutz sei es heute nicht mehr zeitgemäß, Quellen zu vermauern und in Rohren zu fassen. Denn damit werde für die Gewässerökologie wichtigen Kleinstlebewesen wie Höhlenflohkrebsen der Weg in den Grundwasserkörper verbaut. Auch anderenorts, etwa in der Rhön, würden deshalb die Fassungen von Quellen entfernt, um diese wieder in einen naturnahen Zustand zu versetzen, erläutert der Forstamtsmitarbeiter. Finanziert werde die Renaturierung über das Regierungspräsidium Kassel, mit dem die Maßnahme auch abgestimmt sei. Die Stadt sei nicht in die Planungen eingebunden gewesen, da es sich bei dem Waldgebiet um Eigentum des Landes handele. Einen Einwohner, der sich regelmäßig um die Pflege des Areals kümmere, habe man aber im Vorfeld in Kenntnis gesetzt.

Der Öffentlichkeit sollte das Projekt nach Abschluss der Arbeiten vorgestellt werden. „Es wäre wohl besser gewesen, das früher zu tun“, räumt Volker Neumann ein. Wie beliebt die Quelle als Wanderziel sei, sei im Forstamt offenbar unterschätzt worden. Als Anlaufpunkt für Waldspaziergänge werde die Jungsthalquelle in etwas anderer Form erhalten bleiben, versichert der Forstbeamte. Die Steine der historischen Quellfassung sollen dazu neu aufgemauert werden – allerdings ein Stück unterhalb direkt an einem Wanderweg. Rund um die Quelle selbst sei eine Altholzinsel entstanden, die Gefahr für rastende Wanderer durch herabfallende Äste sei dort zu groß, argumentiert Neumann. Am neuen Standort der Steinblockmauer würden auch eine Ruhebank und eine Informationstafel aufgestellt, kündigt der Forstbeamte an.

Mit dieser Lösung kann sich Bürgermeister Daniel Iliev durchaus anfreunden: Denn so bleibe zumindest die fast 140 Jahre alte Quellfassung als Wanderziel erhalten. „Sie einfach wegzubaggern, wäre nicht hinnehmbar gewesen.“ (Jan-Christoph Eisenberg)

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