Spendenaktion in Heringen

Tattoos sollen dem kleinen Leon helfen

Wie eine große Familie: Gast-Tätowierer Steffen aus Geisa, Andreas Becher mit Luisa, Leon und Ehefrau Stephanie, Kai und Maik vom Tattoo-Studio „Nadelkissen“ in Heringen (von links nach rechts). Fotos: Konopka

Leon Becher war eine extreme Frühgeburt und hat mit Schäden der körperlichen und geistigen Entwicklung zu kämpfen. Um eine Therapie in der Slowakei zu ermöglichen, hat jetzt das Tattoo-Studio Nadelkissen aus Heringen Spenden gesammelt.

HERINGEN. 660 Gramm wog der kleine Leon Becher nur, als er am 29. Juni 2014 auf die Welt geholt wurde. „Diese extreme Frühgeburt blieb nicht ohne Schäden“, erzählen seine Eltern Stephanie und Andreas Becher. Leon ist geistig und körperlich stark beeinträchtigt. Er kann nicht sprechen und nicht laufen.

Um Leons Leben so normal wie möglich zu gestalten, soll ihm eine spezielle Therapie im Adeli Medical Center in der Slowakei helfen. „Leider werden die Kosten von etwa 6 000,- Euro nicht von der Krankenkasse übernommen“, sagt Mutter Stephanie Becher, die in Heringen geboren ist und mit ihrer Familie in der Oberpfalz lebt. Vater Andreas Becher mit breitem oberpfälzer Dialekt: „Für diese Aktion sind wir aus Bruck angereist.“ Zur Familie gehört auch noch die zweieinhalbjährige Luisa.

Widerspruch eingelegt

Ein entsprechendes Widerspruchsverfahren seitens der Eltern zum Krankenkassen-Beschluss läuft. Die Kasse zahle nicht, weil einzelne Therapie-Maßnahmen in Deutschland nicht anerkannt seien. Tatsache ist: Bei Leon wirkt die Therapie. Deshalb soll er künftig zweimal jährlich in die Slowakei. „Im letzten Jahr waren wir auf eigene Kosten mit Leon 14 Tage zur Therapie“, erzählt Stephanie Becher, denn „je länger wir mit der Therapie warten, desto schlechter sind die Chancen für Leon auf ein besseres Leben.“

Spezielle Therapie

Bei der speziellen Therapie werden die Kinder in Gummibänder eingespannt, wodurch das normale Gangbild erlernt werden soll. Dazu kommt noch eine Magnetfeldtherapie, Logopädie und Sauerstoffzufuhr in einer Druckkammer. Stephanie Becher: „Nach 14 Tagen konnte Leon an den Händen gehalten gehen und hat angefangen zu sprechen.“ Durch die Gummiband-Therapie werde auch das Gehirn trainiert, was ihm beim Sprechen lernen helfe.

Um den Eltern bei den Kosten für die Therapie zu helfen, hatte das Tattoostudio „Nadelkissen“ an der Hauptstraße in Heringen am Samstag einen „Spendentag für Leon“ organisiert. Piercer Maik: „Leons Mutter Stephanie ist eine liebe Kundin von uns.“ Es lag nahe, dass man hilft. „Da war auch Herzblut mit im Spiel.“

Das „Nadelkissen“-Team versteht sein Handwerk. Coco ist die gute Seele und managt alles, was zum Studioalltag dazu gehört. „Sie ist unser Goldstück und zieht die Fäden im Hintergrund.“ Momentan ist Coco in Mutterschaftsurlaub. Tätowierer Kai ist der Künstler. Er tätowiert seit 2007 und hat sich auf Black and Grey sowie Fantasy spezialisiert. Der Piercer Maik ist seit 2001 im Umgang mit Nadeln und Schmuck sehr geschickt und legt viel Wert auf das Ausmessen der Akupunkturpunkte am Ohr, bevor gepierct wird. Als Gast-Tätowierer für die Spendenaktion hatten sie auch noch Steffen Hruschka von „Sting of Steel“ aus Geisa in Thüringen mit ins Boot geholt.

Nadine Maier aus Widdershausen ließ sich von Kai einen schicken Pfeil auf den Unterarm tätowieren, während die Heringerin Janine Wille von Maik ein Ohr-Piercing bekam. „Tat gar nicht weh.“ Das Studio hatte eine Auswahl an Motiven im Angebot, aber die Kunden konnten auch eigene Tattoo-Ideen einbringen.

Aktion bis 3.30 Uhr

Ursprünglich sollte um 20 Uhr Schluss sein. „Bei über 100 Leuten wurde aus dem Spendentag quasi die lange Nacht der Tattoo-Nadel“, erzählen Maik und Kai erschöpft, aber sehr zufrieden. „Der letzte Kunde verließ Sonntagfrüh um 3.30 Uhr die Tattoo-Liege.“

5000 Euro bekommen 

Von dem Erlös für die Tattoos und Piercings gingen 50 Prozent an Leon. Bürgermeister Daniel Iliev unterstützte ebenfalls die Aktion. „Ich möchte helfen, wo ich kann“, sagte er und spendete privat 100 Euro. Von der SPD-Philippsthal überreichte Andreas Nennstiel aus dem Erlös der Weihnachtsaktion einen Spenden-Scheck über 222 Euro. Andreas Prieß (Mobile Großdiskothek x-cite) hatte einen Scheck über 150 Euro dabei. Daneben beteiligten sich noch viele weitere Unternehmen aus der Region an der Spendenaktion. Frei nach dem Motto „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“, genossen bei Grillwürstchen und alkoholfreien Getränken die Tattoo-Fans den sehr langen Aktionstag – und halfen damit Leon. Am Ende kamen so rund 5000 Spenden-Euro zusammen. (ko)

Von Ludger Konopka

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