Streit im Stadtparlament

Salz im Brunnen: Noteinspeisung soll Wasserversorgung in Kleinensee sichern

Wasser gesucht, auf Salz gestoßen: Im Sommer 2009 war mit der Bohrung des Tiefbrunnens in Kleinensee begonnen worden. Unser Archivbild zeigt (von links) Stadtwerke-Chef Heiko Habermann, Steffen Voigt und Kay Schulz von der Firma Nöring & Preißler, Projektleiter Christian Etzle, Wilhelm Nöring (Geschäftsführer des Bohrunternhemens) sowie den damaligen Bürgermeister und heutigen Stadtrat Hans Ries.  Archivfoto: Hans-Heinrich Hartmann
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Wasser gesucht, auf Salz gestoßen: Im Sommer 2009 war mit der Bohrung des Tiefbrunnens in Kleinensee begonnen worden. Unser Archivbild zeigt (von links) Stadtwerke-Chef Heiko Habermann, Steffen Voigt und Kay Schulz von der Firma Nöring & Preißler, Projektleiter Christian Etzle, Wilhelm Nöring (Geschäftsführer des Bohrunternhemens) sowie den damaligen Bürgermeister und heutigen Stadtrat Hans Ries.

Weil ein erst vor wenigen Jahren gebohrter Brunnen versalzen ist, soll der Heringer Stadtteil Kleinensee künftig verstärkt Wasser aus dem benachbarten Thüringen beziehen.

Heringen – Als es am Donnerstagabend im Heringer Stadtparlament um die Trinkwasserversorgung von Kleinensee ging, wurde einmal mehr tief gebohrt – diesmal allerdings nicht nach Wasser, sondern in der Vergangenheit.

Denn über weite Strecken drehte sich die Debatte um die Frage, wer den Bau eines inzwischen versalzenen Trinkwasserbrunnens zu verantworten hat. Schlussendlich machten die Stadtverordneten den Weg frei für den vorzeitigen Bau einer Not- und Reserveeinspeisung aus der Quelle Hönebach des Zweckverbandes Horschlitter Mulde. Für eine schnelle Umsetzung dieses Vorhabens, das zugleich den ersten Schritt für einen Versorgungsverbund zwischen Kleinensee, Großensee und Dankmarshausen bildet, beschloss das Parlament einstimmig bei fünf Enthaltungen, ursprünglich für einen neuen Hochbehälter in Lengers eingeplante 61 000 Euro umzuschichten. Dessen Bau wird aufs kommende Jahr verschoben. Bürgermeister Daniel Iliev, der die Sondersitzung nach dem Scheitern eines entsprechenden Dringlichkeitsantrags in der vorigen Woche beantragt hatte, bezifferte die Salzbelastung des 2009 gebohrten und 2015 ans Netz gegangenen Brunnens auf 500 Milligramm pro Liter.

„1,6 Millionen Euro wurden in den Sand gesetzt. Wie schon die Kraftwerkstraße, gehört auch dieses Projekt ins Steuerzahler-Schwarzbuch“, wetterte Eckhard Bock (CDU). „Mit aller Gewalt“ habe der damalige Bürgermeister Hans Ries den Brunnenbau für die Löschwasserversorgung eines mangels Zufahrt nie realisierten Industriegebiets durchgesetzt und die SPD-Fraktion durch Diffamierungen zur Zustimmung genötigt.

Dass die WGH in einer Pressemitteilung K+S die Schuld für den Salzeintrag gebe, sei „ein Affront“ und bringe Arbeitsplätze in Gefahr, beklagte Bernd Maus (SPD). Salzhaltiges Wasser sei eine geologische Besonderheit der Region, nicht umsonst gebe es Orts- und Flurnamen wie „Bad Salzungen“, oder „Am Salzgraben“. „Unterstützt die Arbeit der Stadtwerke, alles andere wäre den Bürgern in Kleinensee nicht zu erklären“, appellierte Maus, der Ortsvorsteher dieses Stadtteils ist. Sein Fraktionskollege Alfred Rost ergänzte, dass K+S seinerzeit ausdrücklich vom Brunnenbau abgeraten habe.

„Wir wollen wissen, was auf uns zukommt“, entgegnete Ute Marhold (WGH). In einem Änderungsantrag forderte ihre Fraktion, dem Stadtparlament zunächst Leitungspläne und Vertragsbedingungen für den Wasserbezug sowie Messwerte des Brunnens und einen Nachweis, dass der drohende Salzeintrag bereits beim Bau bekannt gewesen sei, vorzulegen. Ferner solle endlich ein Ausgleich für die Bergbau-Belastungen nach dem Vorbild des Steinkohlefinanzierungsgesetztes eingefordert werden. Eine schnelle Lösung verhindere das nicht: Schließlich sei das Salz-Problem schon seit 2017 bekannt, passiert sei seither aber nichts, argumentierte die WGH-Fraktionsvorsitzende.

Diesen Vorwurf wies Rathauschef Iliev allerdings zurück: Mit großem Aufwand sei die Quelle Großensee wieder ans Netz gebracht worden, um das Brunnenwasser zu verschneiden – was bis vor Kurzem auch funktioniert habe. Für Informationen zum Wasserverbund verwies er auf den Wirtschaftsplan der Stadtwerke: „Wenn Sie den nicht lesen, tut es mir leid“.

Für den Änderungsantrag stimmten fünf der sechs WGH-Vertreter. Er fand bei 13 Gegenstimmen und einer Enthaltung keine Mehrheit. Den beschlossenen Ursprungsantrag trugen auch die beiden WGH-Stadtverordneten aus Kleinensee mit, vier WGH- und ein SPD-Vertreter enthielten sich. (Jan-Christoph Eisenberg)

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