Interview mit Henri Schmidt

„Die Pfarrer hören dann kurz weg“: Die Prinzen zum Auftritt in Heringen

Singen in der Kirche ist für sie kein Neuland: Die fünf Prinzen Sänger (von links) Henri Schmidt, Sebastian Krumbiegel, Je ns Sembdner, Wolfgang Lenk und Tobias Künzel. Zur Band gehören außerdem Bassist Mathias Dietrich und Schlagzeuger Alexander Zieme. Foto: Tine Acker/NH

Die Prinzen gastieren am Donnerstag, 23. Mai, und Freitag, 24. Mai,  in der evangelischen Stadtkirche in Heringen. Wir sprachen mit  Sänger Henri Schmidt

In ihrer 28-jährigen Bandgeschichte haben sich Die Prinzen zu einer festen Größe der deutschsprachigen Popmusik gesungen. Fielen die aus Leipzig stammenden Musiker in den Neunzigern noch mit bunten Frisuren und Textzeilen wie „Mein Hund ist schwul, die dumme Sau“ auf, geben sie sich mittlerweile zahmer. Seit einigen Jahren suchen Die Prinzen mit Kirchenkonzerten die Nähe zum Volk. Am Donnerstag, 23. Mai, und Freitag, 24. Mai, gastieren sie in der evangelischen Stadtkirche in Heringen. Wir sprachen mit „Prinz“ Henri Schmidt über diese Konzerte im etwas anderen Rahmen – und neue Prinzen-Songs.

Herr Schmidt, seit Anfang Mai sind Sie und die anderen Prinzen auf Kirchentour, schon in der Vergangenheit haben sie viele Konzerte in Kirchen gegeben. Wie kam es dazu?

Wir haben vor vielen Jahren Post von einem Pfarrer aus Osterwieck bekommen. Weil er im Konfirmanden-Unterricht mit Prinzen-Texten gearbeitet hatte, hat er uns in einem langen Brief erklärt, warum wir unbedingt in seiner Kirche spielen sollten. Das haben wir zuerst für einen Scherz gehalten. Wir konnten uns nicht vorstellen, ein Popkonzert in einer Kirche zu geben.

Aber dann haben Sie Ihre Meinung geändert?

Ja, aufgrund unserer Vergangenheit: Vier der fünf Prinzen-Sänger waren im Leipziger Thomanerchor, einer war im Dresdner Kreuzchor. Wir haben es dann 2009 einfach mal in der Kirche von Osterwieck versucht. Das ist auf wahnsinnigen Zuspruch gestoßen. Und nun sind wir zehn Jahre später bereits auf unserer siebten Kirchentour mit über 40 Konzerten.

Was ist das Besondere beim Singen in einer Kirche?

Wir beginnen unsere Kirchenkonzerte immer mit einem alten Choral aus dem Repertoire des Thomanerchors. Dabei verzichten wir auf Mikrofone und elektrisch verstärkte Instrumente, alles ist akustisch. Das wäre bei einem Open Air nicht möglich. Und was wir mittlerweile besonders genießen: In den Kirchen gibt es weder Security noch Künstlereingänge. Man kann im Publikum fast jedes Gesicht erkennen.

Sind Sie auch privat regelmäßige Kirchengänger?

Zwei Bandmitglieder besuchen regelmäßig den Gottesdienst: Wolfgang Lenk und ich. Aber da wir früher alle in den Knabenchören Passionen und Weihnachtsoratorien gesungen haben, wissen wir seit unserem neunten Lebensjahr, wie man sich in einer Kirche verhält. Es steht auch immer alles noch, wenn wir mit unserem Kirchenkonzert fertig sind.

Haben die Geistlichen keine Probleme damit, wenn Sie schwule Hunde besingen oder mit den Fäkalwörtern in einiger Ihrer Texte?

Auf „Hasso“, wie das Lied heißt, verzichten wir in der Kirche. Wir wissen, dass das nicht in den Rahmen passt. Aber wir schreiben keine Texte um, die Prinzen-Songs kommen auch in der Kirche so, wie man sie kennt. Darüber sprechen wir immer vorab mit den Geistlichen. Und während der Konzerte hören die Pfarrer oder Pastoren bei bestimmten Textzeilen dann mal kurz weg oder gehen raus.

Sie haben auf Ihrer Kirchentour 2017 schon ein Konzert in der Stadtkirche in Heringen gegeben ...

... das so klasse war, dass wir gesagt haben: In zwei Jahren kommen wir wieder. Ich weiß noch genau, dass es damals sehr warm in der Kirche war, gefühlt 60 Grad. Ich war nach dem zweiten Song klitschnass geschwitzt. Aber das Publikum hat die Temperatur sehr sportlich angenommen. Da war richtiges Partyfeeling. Wir hatten das Gefühl, der ganze Ort war da.

Ist Ihnen von der Stadt noch etwas in Erinnerung geblieben?

Leider nicht, wir mussten damals gleich weiter und haben außerhalb übernachtet. Aber dieses Jahr spielen wir eine Doppelshow in Heringen und werden die Stadt ganz genau unter die Lupe nehmen. Das ist der Luxus, den wir uns auf unseren Kirchentouren gönnen: die Zeit, sich auch mal den Ort anzusehen.

Ihre letzte Single Unsere besten Zeiten ist 2015 erschienen. Nehmen Sie noch neue Stücke auf?

Für unser dreißigjähriges Jubiläum 2021 schreiben wir gerade neue Songs und bereits nächstes Jahr im Herbst erscheint ein neues Album. In unseren ersten Jahren haben wir jedes Jahr ein Album herausgebracht, die Industrie hat ständig neue Songs gefordert. Aber jetzt sind wir seit 28 Jahren mit der Originalbesetzung im Geschäft. Wenn man so lange durchhält, bestimmt man selbst, wann Songs gut genug sind. Da redet uns niemand mehr rein.

Hier gibt es Eintrittskarten

Für beide Kirchenkonzerte der Prinzen in der Stadtkirche in Heringen am Donnerstag, 23. Mai, und Freitag, 24. Mai, ab jeweils 19.30 Uhr sind noch Karten zu haben. Diese gibt es bei der Hersfelder Zeitung, z 0 66 21/1 611 68, in der Glückauf-Apotheke (Hauptstraße 22, Heringen,z 0 66 24/359), im Weltladen Bad Hersfeld (Klausstraße 36, z 0 66 21/6 64 80), bei Sandras Spielzeugland (Kirchweg 1, Obersuhl, z 0 66 26/77 34 34) oder per E-Mail an mail@dieprinzen.de

Zur Person: Henri Schmidt

Henri Schmidt (51) wurde in Leipzig geboren. Wie die meisten Bandmitglieder hat er in seiner Jugend im Leipziger Thomanerchor gesungen. Den Prinzen gehört er seit 1989 als Bariton an. Schmidt ist seit seiner Kindheit Fußballfan, bis zur Vereinsauflösung 2011 war er Mitglied bei FC Sachsen Leipzig, seitdem bei Schalke 04.

Schon gewusst?

Nach der Wende waren die Prinzen die erste kommerziell erfolgreiche Musikgruppe aus Ost-Deutschland. Dabei hätte es fast keine Band gegeben: Kurz vor ihrem Durchbruch und dem Mauerfall verließen einige Mitglieder die DDR. 

 Ihr erstes Album „Das Leben ist grausam“ haben die Prinzen 1990 mit Annette Humpe aufgenommen, kurz darauf gingen sie auf ihre erste Tournee – mit Udo Lindenberg. Auch Stefan Raab hat 1996 ein Prinzen-Album produziert.  

Die Prinzen haben sich einst wegen der Wildecker Herzbuben umbenannt. Denn bis 1991 traten sie unter dem Namen Die Herzbuben auf. Da sie und die Gruppe aus dem Landkreis zur selben Zeit einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden, nahmen die Leipziger Musiker den Namen Die Prinzen an, um einer Verwechslung vorzubeugen. 

Prinzen-Mitglied Sebastian Krumbiegel hat 2009 als Mitglied der Bundesversammlung den Bundespräsidenten gewählt. sgr

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