Irritation um Rodungsarbeiten

Parkwald als Ausgleich: Bei Lengers fallen Bäume für den Naturschutz

Das Bild zeigt Jagdpächter Harald Fritsch auf der gerodeten Fläche.
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Abgeholzt: Jagdpächter Harald Fritsch hat wenig Verständnis für die Rodungsarbeiten zwischen Lengers und Harnrode. Als naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme soll dort ein Parkwald mit lichtem Baumbestand und Wiesenflächen entstehen.

Jagdpächter Harald Fritsch kritisiert Rodungsarbeiten in Lengers. Laut Regierungspräsidium soll der Harvestereinsatz aber dem Artenschutz dienen.

Lengers/Harnrode – Hoch über dem Werratal, in der Gemarkung des Heringer Stadtteils Lengers, hat ein Harvester bereits ganze Arbeit geleistet.

Wie Streichhölzer knickt die schwere Maschine die jungen Kiefern und Birken um, die hier – direkt an der Grenze zum Philippsthaler Ortsteil Harnrode – seit rund 30 Jahren zu einem stattlichen Wäldchen herangewachsen sind. Der Blick auf die kahle Fläche ruft bei Harald Fritsch Kopfschütteln hervor. „Überall sind die Wälder durch Trockenheit und Borkenkäfer in katastrophalem Zustand. Und hier werden gesunde Bäume gefällt“, ärgert sich der Jagdpächter des benachbarten Reviers Harnrode. Als Landschaftselement in der Feldflur habe das Kiefernwäldchen den Wildtieren Deckung geboten, sagt der Harnröder.

Dass die Bäume nun gefällt werden, sei für ihn nicht nachvollziehbar – zumal erst vor wenigen Jahren direkt neben der nun gerodeten Fläche Laub- und Obstbäume als Vernetzungspflanzung zum Waldgebiet Burgholz gesetzt worden seien.

Der Einsatz des Harvesters diene dem Artenschutz, erklärt hingegen Katrin Walmanns, Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Kassel (RP), auf Nachfrage. Die Arbeiten seien Bestandteil einer mit der Oberen Naturschutzbehörde des RP abgestimmten naturschutzrechtlichen Kompensationsmaßnahme.

„Die durch die Entnahme der Kiefern und Birken zusätzlich entstehenden offenen Bereiche auf der Fläche sollen sich durch angepasste Pflegemaßnahmen zu einem mageren Grünland entwickeln. Die verbleibenden Gehölze werden der natürlichen Entwicklung überlassen. Ziel ist die Entwicklung eines Parkwaldes mit Laubgehölzen und inselartig dazwischen liegenden Wiesenflächen“, erläutert die Behördensprecherin.

Mit dieser Kompensationsmaßnahme gleiche der Düngemittelhersteller K+S „projektbedingte Eingriffe in die Landschaft“ an den Standorten des Werkes Werra aus, erklärt Ulrich Göbel, Pressesprecher des Unternehmens, auf Nachfrage. Auf dem rund 2,3 Hektar großen Areal würden nur Birken und Kiefern gefällt, teilweise mit Trockenheitsschäden, widerspricht Göbel dem Vorwurf, es werde intakter Wald abgeholzt.

Die restlichen Bäume, darunter auch alte Obstgehölze, blieben stehen und könnten sich nun ungehindert entwickeln. Ohnehin handele es sich bei der Fläche historisch nicht um Wald im eigentlichen Sinn, sondern um eine verwilderte Wiese, die nun wieder in ihren früheren Zustand versetzt werde, um den ehemals vorhandenen Lebensraum wieder herzustellen und zu erhalten – mit einer „Aufwertung“ als Parkwald mit Totholzhaufen darin, so Göbel. Dieser lichte Baumbestand mit einer artenreichen Flora auf der darunter befindlichen Wiese werde mindestens in den kommenden 30 Jahren gepflegt. Eine ursprünglich geplante Schafbeweidung scheitere derzeit allerdings an fehlenden Möglichkeiten.

Durch die naturschutzfachlich wertvollen Totholzhaufen und eine Benjeshecke werde Wild auf der Fläche auch in Zukunft Deckung finden, betont der K+S-Sprecher: „Als Äsungsangebot wird auch eine Wildwiese angelegt.“ Zur Höhe der Kosten, die K+S als Vorhabenträger entstehen, äußern sich weder RP noch Unternehmen.

Harald Fritsch hat für diese Form des Naturschutzes allerdings nur wenig Verständnis. Von Freiflächen in Form von Wiesen und Feldern sei das abgeholzte Kiefernwäldchen bereits umgeben gewesen. „Anderenorts wird zum Ausgleich aufgeforstet, hier werden mit großem finanziellen Aufwand Bäume gefällt“, sagt er kopfschüttelnd. (Jan-Christoph Eisenberg)

Ausgleich für Eingriffe in die Natur

Was vom Konto der Natur abgehoben wurde, soll ihm wieder zugefügt werden. Und zwar möglichst „gleichartig und gleichwertig“ durch sogenannte Ausgleichsmaßnahmen – dieser Grundgedanke steht laut hessischem Umweltministerium hinter den Kompensationsmaßnahmen, welche in einer Kompensationsverordnung geregelt sind. Eingriffe in Natur und Landschaft, beispielsweise durch die Erweiterung der K+S-Abraumhalden, muss das Unterhemen naturschutzrechtlich durch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen und forstrechtlich durch Ersatzaufforstungen kompensieren. Diese Maßnahmen müssen möglichst standortnah oder zumindest im Landkreis, zwingend aber im selben Naturraum und Bundesland, in denen die Eingriffe stattfinden, umgesetzt werden. (red/jce)

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