K+S stabilisiert demografische Entwicklung im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Neue Studie: Region blutet ohne Kali-Bergbau aus

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Der Monte Kali mit Blick nach Widdershausen.

Hersfeld-Rotenburg. Ein Ende des Kalibergbaus würde zu einem Bevölkerungsrückgang und einer Schwächung der Region führen, die sich zumindest kurz- und mittelfristig nicht ausgleichen lassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine sozioökonomische Studie, welche die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) und das Büro Leuninger und Michler im Auftrag des Düngemittelhersteller K+S erstellt haben.

Dr. Stefan Leuninger stellte die Ergebnisse am Dienstagabend den Studienbeteiligten sowie den Heringer Stadtverordneten im Gemeinschaftshaus Leimbach vor. Zu den rund 4400 Mitarbeitern des Werks Werra kommen demnach rund 3000 Beschäftigte im regionalen Mittelstand, die indirekt von K+S profitieren. Das Werk zahlt jährlich 231 Millionen Euro Löhne und Gehälter. 2015 vergab K+S zudem Aufträge über 158,2 Millionen Euro an mittelständische Betriebe in der Region.

Von rund 30 Millionen Euro Gewerbesteuerzahlungen profitieren laut Leuninger über Umlagen die gesamten Landkreise Hersfeld-Rotenburg und Wartburgkreis. Die Kaufkraft der Beschäftigten des Werks Werra bezifferte der Diplom-Geograf auf rund 24 Millionen Euro. Nicht nur in finanzieller Hinsicht habe das Werk Einfluss auf das gesellschaftliche Leben: Durch kurze Wege zum Arbeitsplatz bleibe den Beschäftigten Zeit, sich in Vereinen zu engagieren.

Besonders hart träfe ein Ende die Stadt Heringen, welche in einer sogenannten Lupenanalyse gesondert betrachtet wird. Bei einer untersuchten „Null-Variante“, also dem Ende des Bergbaus, würde die Stadt Einrichtungen wie die Werratalschule und damit ihren Status als Mittelzentrum verlieren. Im Vergleich zu einer ersten Erhebung im Jahr 2013 registrieren die Autoren der Studie eine wachsende Verunsicherung im Bezug auf den Fortbestand des Bergbaus. 

Mit Blick zum Monte Kali

Ein Großteil der Heringer Bevölkerung sei sich der stabilisierenden Wirkung des Kalibergbaus in der Region bewusst und deshalb auch bereit, eine Vergrößerung der Abraumhalde hinzunehmen – erwarte im Gegenzug vom Unternehmen aber ein Höchstmaß an Transparenz. Dieses Fazit zieht Dr. Stefan Leuninger hinsichtlich der geplanten Erweiterung der Monte Kali genannten Abraumhalde des Standorts Wintershall, aus deren Anlass die sozioökonomische Studie zu den Wechselwirkungen zwischen Kaliwerk und Region erstellt wurde. Den umliegenden Ortschaften der Stadt Heringen bescheinigt der Autor einen attraktiven und gepflegten Eindruck. 

Nicht nur die Halde sei in den vergangenen Jahren in Richtung der Dörfer gewachsen, auch die Wohnbebauung sei konsequent in Richtung des weißen Berges ausgeweitet worden – die Menschen hätten also mit Blickbeziehung zur Halde gebaut, verdeutlichte der Diplom-Geograph. „Auffallend gut“ sei in den Heringer Stadtteilen die Qualität der öffentlichen Infrastruktur, also der Kitas, der Spielplätze und der Dorfgemeinschaftshäuser. 

Dennoch zeigte Leuninger den Kommunalpolitikern bei der Ergebnispräsentation auch Verbesserungspotenziale auf: Insbesondere von jungen Menschen sei ein mangelhaftes Angebot im öffentlichen Nahverkehr beklagt worden – welcher auch den Wegfall von Einkaufsmöglichkeiten in den Ortsteilen kompensieren müsse. Das Analytik- und Forschungszentrum von K+S in Unterbreizbach mit 110 qualifizierten Arbeitsplätzen werde bisher kaum wahrgenommen und biete weitere Anknüpfungspunkte. Der Kalibergbau als Alleinstellungsmerkmal könne über Kalimuseum, Haldenführungen und Erlebnisbergwerk Merkers hinaus noch stärker in die touristischen Aktivitäten der Region eingebunden werden, sagte Leuninger – beispielsweise durch themenbezogene Wanderwege. 

Vor allem fehle es im Werratal aber an attraktiven Gewerbeflächen. Die Autobahn-ferne entbinde eine Kommune nicht davon, gute Rahmenbedingungen für mittelständische Strukturen zu schaffen, so der Autor der Studie. Ohne Arbeits- und Ausbildungsplätze laufe die Region leer, die Landschaft allein reiche nicht aus, um die Menschen als Pendler in andere Wirtschaftsräume in der Region zu halten. Vorräte bis 2060 Die Frage nach der Zukunft betonte K+S-Werksleiter Christoph Wehner, dass zunächst der Erhalt des Bergbaus bis zum Ende der Vorräte im Jahr 2060 sichergestellt werden müsse. Danach gelte es, gemeinsam nach neuen Strukturen zu suchen. Wehner verwies auf das Kaliwerk Siegmundshall bei Hannover, in dem die Produktion in absehbarer Zeit ende. Dort werde derzeit nach Unternehmen gesucht, welche die vorhandene Infrastruktur, beispielsweise Kraftwerke oder Bahnanschluss, nutzen.

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