Heringer Männergesangverein

Nach 170 Jahren geht es nur noch gemeinsam

Blick in die Vereinsgeschichte: (von links) Vorsitzender Alois Prem, zweiter Vorsitzender Achim Gaurun und Kassierer Hans-Georg Spangenberg stöbern in alten Fotos und Unterlagen. Foto: jan-christoph eisenbergBlick in die Vereinsgeschichte: (von links) Vorsitzender Alois Prem, zweiter Vorsitzender Achim Gaurun und Kassierer Hans-Georg Spangenberg stöbern in alten Fotos und Unterlagen. Foto: jan-christoph eisenberg

Heringen - Bei der Feier seines 170-jährigen Bestehens sieht sich der Heringer Männergesangverein mit Existenznöten konfrontiert.

Dass das170-jährige Bestehen des Männergesangvereins Heringen – genau genommen kein „echtes“ Jubiläum, sondern ein runder Vereinsgeburtstag – dennoch gefeiert werden soll, erklärt der erste Vorsitzende Alois Prem so: „Wir wissen nicht, was in fünf Jahren ist“.

Im Jahre 1849 gegründet, dürfte der Verein nicht nur der älteste noch aktive Chor im Landkreis, sondern auch einer der ältesten im gesamten Mitteldeutschen Sängerbund sein. Wie vielen traditionellen Gesangvereinen, machen auch dem Männerchor der Werrastadt Nachwuchssorgen zu schaffen.

Blick in die Vereinsgeschichte: (von links) Vorsitzender Alois Prem, zweiter Vorsitzender Achim Gaurun und Kassierer Hans-Georg Spangenberg stöbern in alten Fotos und Unterlagen. Foto: jan-christoph eisenbergBlick in die Vereinsgeschichte: (von links) Vorsitzender Alois Prem, zweiter Vorsitzender Achim Gaurun und Kassierer Hans-Georg Spangenberg stöbern in alten Fotos und Unterlagen. Foto: jan-christoph eisenberg

Die Initiative zur Gründung, so ist es in der umfangreichen Vereinschronik überliefert, war seinerzeit vom Lehrer und Kantor Karl Jacob Wehnes ausgegangen, der damit an die Tradition Adjuvantenchors anknüpfte – einen Kirchenchor, für den es Bereits aus dem Jahr 1692 erste Belege gibt.

In den Aufzeichnungen früherer Jahrzehnte finden sich zahlreiche Fotos und Konzertprogramme, die an die goldenen Zeiten des Chorgesangs zeugen. Kassierer Hans-Georg Spangenberg kann sich noch daran erinnern, dass sich neue Mitglieder erst bei einem Vorsingen um die Aufnahme bewerben mussten. Mit verschiedenfarbigen Bohnen in Gläsern soll früher darüber abgestimmt worden sein, ob der Neuling in die Reihen der Sänger aufgenommen werden soll.

Das ist allerdings lange vorbei: „In der ersten Reihe stehen mehr Leute, als der ganze Chor Mitglieder hat“, bemerkt der zweite Vorsitzende Achim Gaurun beim Blick ein altes Gruppenbild. Von den aktuell rund 40 Mitgliedern sind nur noch 14 als Sänger aktiv. Bereits seit einigen Jahren treten die Heringer deshalb nur noch gemeinsam mit dem Männerchor aus Wölfershausen auf. „Von dieser Zusammenarbeit profitieren beide Seiten“, so Alois Prem. Der aktuelle Chorleiter Johannes Zajonskowski, der aus Österreich stammt und in Vacha lebt, sei ein echter Glücksgriff. Versuche, Nachwuchs zu gewinnen, habe es durchaus gegeben, berichten die Vorstandsmitglieder. Letztendlich seien diese aber zu unterschiedlichen Interessen gescheitert: „Einen 20-Jährigen lockt man mit Volksliedern nicht hinterm Ofen hervor, einem 80-Jährigen fallen englische Liedtexte schwer, verdeutlicht Hans-Georg Spangenberg. Die Jüngsten im Chor sind inzwischen über 50, der Älteste stolze 92 Jahre.

In Zukunft werde deshalb die Zusammenarbeit eine noch größere Rolle spielen: Mit weiteren Männerchören der Region werde ein gemeinsames Repertoire einstudiert, um sich bei Engpässen noch besser gegenseitig untereinander aushelfen zu können, erzählt Alois Prem.

Zunächst soll aber am Samstag, 13. April, ab 18.30 Uhr das 170-jährige Bestehen im Restaurant Salzkristall gefeiert werden. Geplant sind auch Ehrungen für langjährige Mitglieder, die dem Chor bereits seit bis zu 70 Jahren die Treue halten.

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