Zwei Konzerte in der Kirche

Die Prinzen in Heringen: Halsbrecherisch wortakrobatisch

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Alte Hits und neue Lieder: Die Prinzen sorgten in der Heringer Kirche schnell für beste Stimmung. Das komplette Foto sehen Sie, wenn Sie auf das Kreuzchen oben rechts klicken.

Küssen verboten: Die Prinzen gastieren erneut in der Heringer Kirche. Für das erste Konzert am Donnerstagabend gab es stehende Ovationen vom Publikum.

Die Frage, ob es in Gohlis-Nord oder in Heringen schöner ist, war am Ende des ersten von zwei aufeinanderfolgenden Konzertabenden mit den Prinzen in der Kirche in Heringen zwar nicht geklärt, aber Spaß hatten sowohl das Publikum als auch die bestens aufgelegten Musiker am Donnerstag.

Auch wenn die Temperaturen weniger an eine Sauna erinnerten, als bei dem Konzert zwei Jahre zuvor, war die Stimmung auch dieses Mal ausgezeichnet. Fast 30 Jahre nach ihrer Gründung begeistert die Band ihr Publikum noch immer und bringt Menschen verschiedener Generationen zusammen, was sich auch in Heringen deutlich zeigte.

Mit alten Hits wie „Deutschland“, „Küssen verboten“, „Du musst ein Schwein sein“, „Ich wär so gerne Millionär“ und „Alles nur geklaut“ heizten die Prinzen musikalisch kräftig ein. Mit ihrem Eingangsstück, einem a capella gesungenen Choral, zeigten die fünf Sänger, die ihre musikalische Grundausbildung im Leipziger Thomanerchor und im Dresdener Kreuzchor erhielten, dass die Kirchentour auch ein Stück Rückkehr zu den Wurzeln ist. Nicht fehlen durften auch einige Beispiele aus der Abteilung „trauriges Lied“, die mit ihrem deutlichen Balladencharakter und ernsteren Themen eine weitere Farbe ins Konzert brachten.

Und Farbe brachte die Band auch mit ihrer sehr effektvollen Lightshow in das Heringer Gotteshaus, die gerade das Altarkreuz und die Fenster immer wieder in neues Licht setzte.

Die Lieder, die – so wie man es von den Prinzen gewohnt ist – geradezu halsbrecherisch wortakrobatisch von Schaben in der Leberwurst in Schwaben, von Toilettenartikeln in Hotels („Shampoo und Conditioner“) und von den wesentlichen Säulen des Lebens („Liebe tut weh, Essen macht dick, Leben strengt an“) erzählten, handelten von sehr menschlichen Themen: Von Liebe, vom Leiden, vom grandiosen Scheitern aber auch von Abgründigem, wie zum Beispiel im Bekenntnis eines Stalkers in dem Song „Ich will dich haben“. Auch die Musik selbst wurde immer wieder zum Thema gemacht.

Die fünf singenden Prinzen Sebastian Krumbiegel, Tobias Künzel, Wolfgang Lenk, Jens Sembdner und Henri Schmidt wurden auf der Bühne begleitet durch Mathias Dietrich am Bass und Ali Zieme am Schlagzeug. Sie bewiesen ein ausgezeichnetes Gespür für ihr Publikum, das sie im Handumdrehen in einen erstaunlich textsicheren Backgroundchor verwandelten.

Gerade die räumliche Situation in der Heringer Kirche, wo der als Bühne genutzte Altarraum einen Mittelpunkt bildet, der von fast jedem Punkt in der Kirche aus gesehen eine große Nähe zu den Künstlern ermöglicht, bildete eine ideale Voraussetzung für ein besonderes Konzerterlebnis.

Mit lang anhaltendem Applaus und stehenden Ovationen bedankte sich das Publikum in Heringen schließlich für ein stimmungsvolles und mitreißendes Konzert.

Von Ute Janßen

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