Sachlich, aber skeptisch

K+S informierte in Heringen: Viele Fragen zur geplanten Haldenabdeckung

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Wird ihr Gesicht verändern: Bis zum Jahr 2075 sollen die Abraumhalden von K+S komplett begrünt werden. Im Bild die „Monte Kali“ genannte Halde des Standorts Wintershall. 

Heringen. Schwermetalle, Geröll-Lawinen, der Verkehr - die Zuhörer im Bürgerhaus äußerten ihre Sorgen bezüglich der Abraumhalden der K+S-Standorte Hattorf und Wintershall.

Mit einem umfangreichen Vortrag stellten die K+S-Mitarbeiter Dr. Frank Wolf und Dr. Sascha Vensky die Pläne zur Pläne zur Abdeckung der Abraumhalden am Dienstagabend vor zahlreichen Zuschauern in einer Bürgerversammlung im Heringer Bürgerhaus vor.

Voraussichtlich bis zum Jahr 2075 sollen die Abraumhalden der K+S-Standorte Hattorf und Wintershall komplett abgedeckt und begrünt sein.

In weitgehend sachlicher Atmosphäre waren viele Zuhörer dennoch skeptisch und äußerten Bedenken. Ein Überblick:

Schwermetalle

Insbesondere der Schwermetallgehalt der Schlacken aus der Hausmüllverbrennung, die K+S als Abdeckmaterial verwenden möchte, beschäftigte die Besucher. Der Gehalt an Schwermetallen – vor allem Kupfer, Zink und Chrom – sei ein bis zwei Größenordnungen höher als in natürlichem Boden, allerdings bei Weitem nicht in der Größenordnung wirtschaftlich verwertbarer Erze, erläuterte Dr. Frank Wolf. Entscheidend sei allerdings nicht der Anteil der gebundenen Schwermetalle, sondern der wasserlösliche, der bei 0,1 Prozent liege. In den ersten fünf bis zehn Jahren müsse das Haldenwasser deshalb in einer Aufbereitungsanlage gereinigt werden. Danach sei keine nennenswerte Auswaschung zu erwarten – „außer, es gäbe wieder sauren Regen“, sagte Wolf. In diesem Fall müsste der pH-Wert durch Kalkung angeglichen werden.

Sicherheit

Bedenken äußerten die Zuhörer auch hinsichtlich der Sicherheit. Die Befürchtung, dass beispielsweise der Ort Widdershausen unter einer Geröll-Lawine von der Haldenflanke begraben werden könnte, versuchten die K+S-Mitarbeiter mit dem Hinweis auf Materialmenge und Abstände zur Bebauung zu entkräften: Selbst wenn eine Haldenflanke auf einen Neigungswinkel von fünf Grad abrutsche, nehme das nur 212 Meter Fläche ein, rechnete Dr. Frank Wolf vor. Die ersten Häuser seien mindestens 600 Meter entfernt. Als Schlamm könnte das Material nach einem Starkregen allerdings auch weitere Strecken zurücklegen, räumten die K+S-Mitarbeiter ein. Im Genehmigungsverfahren müsse K+S auch ein Gutachten zu den Materialeigenschaften vorlegen und entsprechende Sicherheitsvorkehrungen treffen.

Gleiches gelte für die Befürchtung, der Boden könnte unter dem zusätzlichen Gewicht nachgeben. Die Abdeckschicht entspreche in etwa der Salzmenge, die in zwei bis drei Jahren dort aufgehaldet werde, verdeutlichte Dr. Sascha Vensky. Mehrfach wurde die Frage aufgeworfen, wer in den Jahrzehnten nach dem Ende des Kalibergbaus für die Sicherheit der abgedeckten Halden sorge. Die Antwort, dass das Unternehmen dafür Rücklagen bilden müsse, überzeugte offenkundig nicht alle Zuhörer. Heringens ehemaliger Bürgermeister Hans Ries erneuerte deshalb seine Forderung, das Land in die Haftung zu nehmen.

Großes Interesse: Zahlreiche Zuhörerer verfolgten im Heringer Bürgerhaus die Bürgerversammlung, in der K+S-Vertreter die Pläne zur Haldenabdeckung vorstellten. 

Verkehr

Die Befürchtung, dass durch die Anlieferung des Abdeckmaterials der Lkw-Verkehr in den Ortsdurchfahrten weiter zunimmt, trieb die Heringer ebenfalls um. Nach derzeitigem Planungsstand soll die Hausmüll-Schlacke im Regelbetrieb per Bahn, die Braunkohle-Asche per Lastwagen angeliefert werden. Für den Standort Wintershall bedeute dies an jedem Werktag einen Eisenbahnzug mit 1400 Tonnen Schlacke und sieben Lastwagen mit insgesamt 140 Tonnen Braunkohle-Asche. Die Transporte sollten möglichst von den Ortsdurfahrten ferngehalten werden, betonte Vensky. Auch für die Untertagedeponie Herfa-Neurode und das Müllheizkraftwerk sei versprochen worden, dass die Abfälle überwiegend per Bahn angeliefert werden, merkten Zuhörer an – in beiden Fällen sei das aber nicht beziehungsweise nicht mehr der Fall.

Kosten

Eine konkrete Summe nannten die K+S-Vertreter nicht. Nur so viel: Etwa eine Millionen Euro habe allein der Lysimeterversuch auf 550 Quadratmetern Fläche gekostet. Vom halbtechnischen Versuch über den Großversuch zum Regelbetrieb erhöhten sich diese Kosten jeweils etwa um den Faktor 10, rechnete Dr. Frank Wolf vor.

Heringens Bürgermeister Daniel Iliev sprach am Ende der Veranstaltung von einem „riesigen Vertrauensvorschuss“ gegenüber K+S. Wir bitten um höchste Sicherheitsstufe, Transparenz und ständigen Austausch mit der Kommune“, appellierte der Rathauschef an die Unternehmensvertreter.

 Eine weitere Infoveranstaltung findet am heutigen Mittwoch in der Widdershäuser Mehrzweckhalle statt.

Quelle: HNA

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