Betreiber informierte online

Heringer Müllverbrennungsanlage: Erweiterung sorgt für 20 Lastwagen mehr am Tag

Ein Blick auf das Betriebsgeländer der Heringer Müllverbrennungsanlage in der Werraaue.
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Liefert Dampf für das Kraftwerk der benachbarten Kali-Fabrik: Die Kapazität der Heringer Müllverbrennungsanlage soll erweitert werden.

Durch die Erweiterung der Müllverbrennungsanlage in Heringen werden täglich 120 Lastwagen das Betriebsgelände in der Werraaue ansteuern. Das gab die Betreiberfirma jetzt bekannt.

Heringen - Lkw-Verkehr, Geruchs- und Schadstoffemissionen sowie die Herkunft der Abfälle beschäftigten die Teilnehmer, die am Dienstagabend während einer Online-Informationsveranstaltung zur geplanten Kapazitätserweiterung der Heringer Müllverbrennungsanlage per Chatfunktion Fragen an Vertreter der Betreiberfirma EEW Energy from Waste richteten. Wegen der aktuellen Corona-Lage hatte sich das Unternehmen für die Video-Übertragung ins Internet entschieden.

Den Live-Stream, der zwischenzeitlich für einige Minuten abbrach, verfolgten laut Bildschirm-Anzeige bis zu 20 Nutzer. Jürgen Römhild und Christian Funk, technischer und kaufmännischer Geschäftsführer der Heringer Anlage, Berater Dr. Hagen Bauckmann sowie EEW-Pressesprecher Jens Petershagen stellten die Pläne vor, die Jahresbetriebszeit um sieben Prozent von 8200 auf 8760 Stunden sowie den genehmigten Abfalljahresdurchsatz um 16 Prozent von 297 600 auf 345 000 Tonnen pro Jahr zu erhöhen - wir berichteten.

Insgesamt 240 Lkw-Fahrten pro Tag

Zwischen 6 und 22 Uhr steuern laut Jürgen Römhild derzeit etwa 100 Lastwagen das Betriebsgelände in der Werraaue an. Durch die Erhöhung der Abfallmenge werde diese Zahl um 20 Prozent auf 120 Fahrzeuge steigen, was 240 Lkw-Fahrten entspricht (An- und Abfahrt), die sich auf vier Routen verteilen. Eine Anlieferung der Abfälle per Bahn sei weiterhin nicht vorgesehen – unter anderem, weil es in der Anlage keine Entladeeinrichtung für Eisenbahnwaggons gebe.

Zur möglichen Eröffnung der bereits im Jahr 2014 fertiggestellten Umgehung für die Wölfershäuser Straße verwiesen die Unternehmensvertreter auf Verhandlungen zwischen Stadt, Bahn, Hessen Mobil, K+S und EEW. Selbst bei einer Eröffnung könne das Unternehmen die Lkw-Fahrer aber nicht verpflichten, die Straße auch zu benutzen. „Das ist eine hoheitliche Aufgabe“, verdeutlichte Jürgen Römhild. Bestrebungen für eine Reglementierung des Lkw-Verkehrs gebe es in der Nachbarstadt Werra-Suhl-Tal für die Ortsdurchfahrten Berka und Dippach.

Betreiber: Es sind keine Geruchsbelästigungen zu erwarten

Die gesetzlichen Grenzwerte für Schadstoffemissionen würden auch nach der Kapazitätserweiterung eingehalten, betonten die Unternehmensvertreter. Auch Geruchsbelästigungen seinen nicht zu erwarten: Als Geruchsquelle werde der Müllbunker mit Unterdruck betrieben und in Betriebspausen über einen Aktivkohle-Filter entlüftet.

Der in Heringen verbrannte Müll komme aus den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, Waldeck-Frankenberg und Lahn-Dill sowie aus etwa 150 Kilometern Umkreis aus dem Raum Frankfurt, Thüringen und Unterfranken, erklärte Christian Funk. Abfälle aus dem Ausland, etwa Belgien und Großbritannien, würden nicht nach Heringen transportiert, weil die Wege zu anderen EEW-Standorten kürzer seien. Lediglich bei Stillstand anderer Anlagen sei in der Vergangenheit über den Abfallverbund der Kraftwerke ausländischer Müll „im einstelligen Prozentbereich“ in Heringen verbrannt worden, so der kaufmännische Leiter.

Unternehmen hofft auf Genehmigung bis Ende 2021

Die Kapazitätserweiterung muss laut Dr. Hagen Bauckmann ein Genehmigungsverfahren durchlaufen, zu dem unter anderem eine Öffentlichkeitsbeteiligung und eine Umweltverträglichkeitsprüfung gehören. Auf eine Genehmigungsentscheidung des Regierungspräsidiums Kassel hofft das Unternehmen bis Ende nächsten Jahres.

Bauliche Veränderungen sind für die Kapazitätserhöhung nicht notwendig, EEW möchte jedoch Container mit Sanitär- und Aufenthaltsbereichen bei Revisionen sowie eine rund 16 mal 28 Meter große Lagerhalle errichten. Darin sollen laut Jürgen Römhild Ausrüstung wie Rohrleitungen und ein Schlacke-Greifer untergebracht werden, die bislang im Freien lagern.

Untertage oder zur Abdeckung der K+S-Abraumhalden kann die Schlacke aus dem Heringer Müllofen laut Jürgen Römhild nicht direkt verwendet werden, da diese zunächst aufgearbeitet werden müssen. Zur Aufbereitung werden die Verbrennungsrückstände ins Jerichower Land (Sachsen-Anhalt) transportiert. Eine Aufarbeitung vor Ort in Heringen sei nicht vorgesehen.

Fragen zur Kapazitätserweiterung können weiterhin per E-Mail an den Betreiber gestellt werden: heringen@eew-energyfromwaste.com. (Jan-Christoph Eisenberg)

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