Nach Untersuchung durch Statiker

Heringer Bürgerhaus: Sanierung lohnt sich nicht

Zukunft ungewiss: Laut einem von der Stadt Heringen beauftragten Statiker macht die Sanierung des 35 Jahrealten Bürgerhauses weder aus wirtschaftlicher noch aus technischer Sicht Sinn. Das eringer Rathaus (hinten links) ist über ein Treppenhaus mit dem Gebäude verbunden. Fotos: Eisenberg

Heringen. Technisch und wirtschaftlich nicht sanierungsfähig: Zu diesem ernüchternden Ergebnis kommt ein Statiker, der das Heringer Bürgerhaus im Auftrag der Stadt unter die Lupe genommen hat.

Von dessen Erkenntnissen berichtete Bürgermeister Daniel Iliev, als er am Dienstagabend die Mitglieder der sogenannten Lokalen Partnerschaft durch das 35 Jahre alte Gebäude führte. Dieses Gremium aus Vertretern von gewerbetreibenden Vereinen, Initiativen, Kirchen, Bildungsträgern und Bürgern begleitet das Förderprogramm Stadtumbau.

Auf den ersten Blick macht das Bürgerhaus noch einen vergleichsweise guten Eindruck – insbesondere vor dem Hintergrund, dass hier in den vergangenen Jahren kaum investiert wurde. Akuter Handlungsbedarf bestehe allerdings wegen Schäden an den außen liegenden Betonstützen sowie an der Dachkonstruktion an der Ostseite des Gebäudes. Grundproblem sei – wie schon beim ehemaligen Hallenbad – eine hohe Chloridbelastung durch den beim Bau verwendeten Werrakies. Um die Gefahr einer Schließung abzuwenden, müsste die Stadt hier als Sofortmaßnahme 100 000 bis 150 000 Euro investieren. Dann wäre das Bürgerhaus für weitere fünf bis sechs Jahre nutzbar. Denn im Innenraum sei die Substanz des Betons noch vergleichsweise gut – solange sie keiner Feuchtigkeit ausgesetzt sei. Genau das lasse sich aber nach Ansicht des Statikers bei notwendigen Arbeiten am Dach nicht vermeiden, fasste Iliev zusammen.

Machbarkeitsstudie

Im Zuge des Stadtumbauprogramms sollen in einer Machbarkeitsstudie nun die Varianten Abriss und Neubau, Sanierung sowie Teilsanierung beziehungsweise -abriss untersucht werden. Die Wirtschaftlichkeit dieser Optionen hänge letztendlich auch davon ab, wie das Gebäude künftig genutzt werde – sprich: Welches Raumangebote für welche Zwecke unterhalten werden muss, verdeutlichte Projektleiterin Ulrike Gaube von der deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DKK), die das Förderprogramm betreut. Ein solches Anforderungsprofil soll jetzt von den Mitgliedern der lokalen Partnerschaft erstellt werden.

Feuchtigkeitsschaden: In die Dachkonstruktion (im Bild) sowie die Betonsäulen im Außenbereich müsste die Stadt laut Gutachter einen sechsstelligen Betrag investieren, um das Gebäude gefahrlos für weitere fünf bis sechs Jahre nutzen zu können.

Bislang umfasst das bestehende Gebäude weit mehr als den durch Trennwände unterteilbaren Saal mit Bühne: Technik- und Abstellräume, Toiletten und die Gaststätte im Obergeschoss, großräumige Künstlerumkleiden hinter der Bühne und in den Katakomben neben vier Kegelbahnen mit Nebenräumen und Umkleiden auch einen Übungsraum für Vereine sowie reichlich Lager- und Abstellfläche, die über eine Rampe und Tore sogar teilweise befahrbar ist. Hier lagern unter anderem die Strandkörbe des Fritz-Kunze-Bades.

Welche Räume überhaupt benötigt und wie sie künftig genutzt werden könnten, damit befassen sich jetzt die städtischen Gremien. Aus den Reihen der Lokalen Partnerschaft wurde während der Besichtigung bereits angeregt, zum baulichen Zustand und den Sanierungsmöglichkeiten eine zweite Meinung einzuholen.

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