Rathauschef reagiert auf K+S-Pläne zum Bahn-Lückenschluss

Heringens Bürgermeister Daniel Iliev will wieder Personenzüge im Werratal

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Abgeklemmt: Bislang endet das Gleis der Bahnstrecke nach Vacha (links) kurz vor dem Bahnhof Unterbreizbach, bereits gegen Ende des Jahres sollen hier aber wieder Güterzüge des Düngemittelherstellers K+S fahren. Heringens Bürgermeister Daniel Iliev schlägt jetzt vor, die Gleise nach dem Lückenschluss auch für Personenzüge zwischen Gerstungen und Bad Salzungen zu nutzen

Heringens Bürgermeister Daniel Iliev regt an, den Personenverkehr auf der Bahnstrecke durchs Werratal wieder aufzunehmen.

Mit diesem Vorstoß greift der Rathauschef die Pläne des Düngemittelherstellers K+S auf, im Laufe des Jahres die ungenutzte Bahnstrecke zwischen Vacha und Unterbreizbach für den Güterverkehr zu reaktivieren. 

Daniel Iliev, Bürgermeister Heringen

Durch diesen Lückenschluss wäre die Schienenverbindung von Gerstungen über Heringen und Heimboldshausen nach Bad Salzungen wieder durchgängig befahrbar – allerdings nicht wie vor der Grenzziehung auf direktem Weg zwischen Vacha und Philippsthal, sondern mit Umweg über die Grubenanschlussbahn nach Unterbreizbach und von dort weiter über die ehemalige Grenzumgehungsstrecke über Sünna nach Vacha. 

Geschichte: Mit der Stilllegung der ehemaligen Hersfelder Kreisbahn zwischen Bad Hersfeld und Heimboldshausen wurde 1993 auch die letzte Personenzugverbindung in den hessischen Teil des Werratals eingestellt. Unser Bild zeigt den letzten Triebwagen im Bahnhof Heimboldshausen. 

Durch die Wiederinbetriebnahme will K+S zunächst eine direkte Anbindung zu benötigten Abstellgleisen in Vacha sowie der seit 2018 dort ansässigen Waggonwerkstatt des Waggonwerks Brühl schaffen. Langfristig soll die Strecke aber auch zur Entlastung der bereits stark frequentierten, eingleisigen Bahnanbindung über Gerstungen dienen, über die derzeit der gesamte Zugverkehr ins Kali-Revier abgewickelt wird (unsere Zeitung berichtete).

Lokführergewerkschaft begrüßt den Vorstoß von Iliev

„Die Reaktivierung der Bahnstrecke können wir im Werratal nur begrüßen, sehen wir doch viel mehr als lediglich positive Effekte für die Kaliindustrie“, betont der Heringer Rathauschef. Iliev regt deshalb an, Synergien zu schaffen, um den öffentlichen Nahverkehr deutlich auszubauen und den Menschen im Werratal – nach dem Ende der Hersfelder Kreisbahn – ein attraktives Nahverkehrsangebot über die Bahn zu bieten. „Mit Verbindungen beispielsweise zum Bahnhof Bad Salzungen hätten wir so die Möglichkeit, regionale und überregionale Ziele bequem per Bahn zu erreichen. Bereits kürzlich haben wir in Gesprächen mit dem Regionalmanagement Nordhessen diesen Vorschlag angebracht, mit der Hoffnung, dass darüber strategische Unterstützung für das Werratal erfolgt“.

Die Zeichen stehen dabei aus Sicht des Bürgermeisters positiv – immerhin habe der Nordhessische Verkehrsverbund kürzlich erklärt, in Infrastruktur und Bahn investieren zu wollen. „Eine Bahnstrecke für den Personenverkehr wäre eine großartige Steigerung der Lebensqualität der Kommunen im Werratal. Wir sollten die Chance, die sich nun durch die kommende Bahnreaktivierung auftut, nutzen“, betont der Rathauschef. 

Patrick Rehn, GDL-Ortsgruppe Bebra

Zustimmung findet der Vorstoß des Heringer Bürgermeisters bei Patrick Rehn, Vorstandsmitglied der Ortsgruppe Bebra der Lokführer-Gewerkschaft GDL: „Die Idee, den Personenverkehr im Werratal wiederzubeleben, hat durchaus Charme“, sagte Rehn auf Nachfrage unserer Zeitung. Für die Fahrgäste ergäben sich dadurch in Gerstungen Umsteigemöglichkeiten zu den Zügen in Richtung Bebra und Eisenach sowie in Bad Salzungen etwa in Richtung Meiningen. 

Voraussetzung wären laut Rehn allerdings Investitionen in die Infrastruktur der Strecke, etwa die Bahnsteige: „Der derzeitige Zustand würde es nicht hergeben“. Auch die Kapazitäten des bereits stark durch den Güterverkehr frequentierten Abschnitts zwischen Heringen und Gerstungen müssten gegebenenfalls erweitert werden. Wenn eine eventuelle Reaktivierung gelingen solle, müsse außerdem der Busverkehr als Zubringer auf die Züge abgestimmt werden, mahnt Rehn. jce

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