Vor 100 Jahren gegründet

Gesangverein Kleinensee: Ein Chor für Freud und Leid

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Feiern das 100-jährige Bestehen ihres Chors: Die Mitglieder des im Jahr 1920 gegründeten Gesangvereins Kleinensee.

Der Gesangverein Kleinensee wurde im Jahr 1920 gegründet und feiert seinen 100. Geburtstag mit einer Reihe von Veranstaltungen.

Während bei manch jüngerem Chor die Anfänge mangels Überlieferung im Dunkeln liegen, können die Mitglieder des Gesangvereins Kleinensee bei ihren Vorbereitungen für das 100-jährige Vereinsjubiläum auf umfangreiche Aufzeichnungen zurückgreifen.

Bis heute erhalten geblieben sind beispielsweise der Originaltext der Gründungssatzung aus dem Jahr 1920 sowie ein Buch mit handschriftlichen Protokollen ab 1921. Außerdem existiert eine umfangreiche Festschrift zum 75-jährigen Bestehen im Jahr 1995, die die heutige Vorsitzende Elke Spörer und ihr Ehemann, Pressewart Gerhard Spörer, derzeit mit Unterstützung weiterer Vereinsmitglieder fürs Jubiläum um die Ereignisse des letzten Vierteljahrhunderts ergänzen. In dieser Broschüre findet sich auch ein Auszug aus dem Gründungsprotokoll vom 4. Juli 1920. An diesem Tag hatten sich 42 sangesfreudige Männer in der Gastwirtschaft Knies zusammengefunden. Zum Vorsitzenden wurde laut Protokoll Georg Banz gewählt, als Chorleiter stellte sich Lehrer Willi Weppler zur Verfügung.

Stöbern in der Vereinsgeschichte: (von links) Pressewart Gerhard Spörer, Vorsitzende Elke Spörer und Ehrenvorsitzender Rainer Fester. Foto: Jan-Christoph Eisenberg

Die Vereinsfahne wurde 1926 bei einem Sängerfest geweiht. Währen des Zweiten Weltkrieges ruhte das Vereinsleben, bereits am 16. Juni 1946 wurden laut Aufzeichnungen die Proben wieder aufgenommen. Der ursprünglich reine Männerchor wurde 1947 um einen gemischten Chor ergänzt. 1973 einigten sich die Mitglieder schließlich, nur diese Vereinssparte fortzuführen.

Streng sei es früher zugegangen, erinnert sich Gerhard Spörer, der selbst seit fast 60 Jahren als Sänger aktiv ist und schon als Kind seinen Vater in den Chor begleitet hatte: Bier habe es immer erst nach der Übungsstunde gegeben. „Wer der Probe fernblieb, musste 50 Pfennige Strafe zahlen“, ergänzt der Ehrenvorsitzende Rainer Fester.

Foto aus den Anfangsjahren: Nach der Vereinsgründung 1920 wurde 1926 die Fahne geweiht. Foto: Vereinsarchiv

Zahlreiche Fotos im Vereinsarchiv erinnern an die Blütezeit des Chorgesangs in den Heringer Stadtteil – an große Sängerfeste in den 1970er bis 1990er Jahren und mehrtägige Vereinsfahrten, die bis nach Südtirol führten.

Heute steht der Gesangverein mit 36 Aktiven im Vergleich zu anderen Chören noch relativ gut da. Die rund 30 Auftritte und 40 Übungsstunden würden meist von etwa 30 Aktiven bestritten, berichtet die erste Vorsitzende Elke Spörer, die dieses Amt seit zehn Jahren innehat. Gesungen werde „in Freud und Leid“ zu Geburtstagen, Jubelhochzeiten, Vereinsjubiläen, Seniorennachmittagen und zur jährlichen Grenzöffnungsfeier ebenso wie zu Beerdigungen oder an Volkstrauertag und Totensonntag in der Kirche. Beim jährlichen Kirmesumzug nehmen die Vereinsmitglieder mit einem Augenzwinkern das örtliche Geschehen aufs Korn. Auch Vereinsfahrten werden noch unternommen – meist in Form von Tagestouren in die nähere Umgebung.

Dennoch: Wie viele Chöre, haben auch die Kleinenseeer Sänger Nachwuchssorgen. Junge Menschen für den traditionellen Gesangverein zu begeistern, sei schwierig – wenngleich das Repertoire bereits um modernere Arrangements und Schlager erweitert wurde.

Chorleiter Andreas Borgazki, ein „Eigengewächs“ des Vereins, sei ein echter Glücksfall, sind sich die Vorstandsmitglieder einig. „Die Zeiten ändern sich, man muss das Beste daraus machen“, betont der Ehrenvorsitzende Rainer Fester optimistisch.

Festakt, Liederabend und Konzert

Das 100-jährige Bestehen des Chores soll im Laufe des Jahres mit mehreren Veranstaltungen gefeiert werden: Ein Festakt mit befreundeten Chören findet am Samstag, 21. März, ab 19 Uhr im Gemeinschaftshaus Schlottentreff statt. Eine Vereinsfahrt zur Verleihung der Zelter-Plakette auf dem Hessentag in Bad Vilbel steht am 7. Juni auf dem Programm. Für den 26. September ist ein Liederabend geplant und voraussichtlich am 3. Advent soll das Jubiläumsjahr mit einem vorweihnachtlichen Kirchenkonzert beschlossen werden. (jce)

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