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Delegation aus Heringen reist zu Festtagen in polnische Partnerstadt

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Von: Jan-Christoph Eisenberg

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International: Die polnischen Gastgeber mit den zu den Odolanów-Tagen angereisten Delegationen aus Georgien, der Ukraine sowie Deutschland. Zweiter von rechts ist Heringens Bürgermeister Daniel Iliev. Weitere
International: Die polnischen Gastgeber mit den zu den Odolanów-Tagen angereisten Delegationen aus Georgien, der Ukraine sowie Deutschland. Zweiter von rechts ist Heringens Bürgermeister Daniel Iliev. © Jan-Christoph Eisenberg

Der Austausch zwischen Odolanów und Heringen wurde zuletzt durch Corona erschwert. Zu den Odolanów-Festtagen, die in den vergangenen zwei Jahren pandemiebedingt ausgefallen waren, ist jetzt aber wieder eine Delegation in die polnische Partnerstadt gereist.

Odolanów – Die Sehnsucht nach ein wenig Normalität und Unbeschwertheit – sie scheint nach zwei Jahren Corona auch in Polen groß zu sein.

Rasant: Die Fahrgeschäfte auf dem Rummelplatz.
Rasant: Die Fahrgeschäfte auf dem Rummelplatz. © Eisenberg, Jan-Christoph

Bei den Festtagen in Heringens Partnerstadt Odolanów ist auf den ersten Blick jedenfalls alles wie vor der Pandemie. Der Empfang ist herzlich – und nach wie vor wird hier kein gewöhnliches Kleinstadtfest gefeiert, sondern eine Veranstaltung der Superlative: Auf dem mehrere Fußballfelder großen Festgelände unweit des Stadtkerns locken rasante Fahrgeschäfte. Vor der Bühne, auf der während der drei Festtage national bekannte Künstler wie die Blues- und Rockband Dzem auftreten, drängt sich das Publikum – wenn nicht, wie während der Festansprache von Bürgermeister Marian Janicki am Samstagabend, gerade ein kräftiger Schauer über der 5100-Einwohner-Stadt niedergeht.

Doch es ist nicht allein der Regen, der gelegentlich die ausgelassene Stimmung trübt: Mehr noch als Corona wirft der Krieg in der Ukraine seine langen Schatten bis in den Festtrubel und ist unweigerlich Thema, wenn die internationalen Gäste untereinander ins Gespräch kommen. Neben Vertretern der deutschen Partnerstädte Heringen (Werra) und Heringen/Helme ist auch eine Abordnung aus dem oberschlesischen Czarków angereist – sowie eine georgische Folkloregruppe, die auf der rund 3500 Kilometer langen Strecke aus Martvili im Südkaukasus mehrere Tage im Reisebus unterwegs war.

Die Folkloregruppe aus Odolanóws georgischer Partnerstadt.
Die Folkloregruppe aus Odolanóws georgischer Partnerstadt. © Eisenberg, Jan-Christoph

Da die georgische Partnerstadt Odolanóws wiederum Verbindungen ins ukrainische Bojarka pflegt, ist auch eine Delegation aus der 35 000-Einwohner-Stadt vor den Toren Kiews gekommen, um Kontakte für eine Städte-Freundschaft mit den Polen zu knüpfen. „Wir sind nur 3,7 Millionen Einwohner – was sollen wir tun“, verdeutlicht einer der Georgier, dass die Angst vor einem russischen Angriff auch die Menschen in seinem Heimatland umtreibt.

Für einen emotionalen Moment sorgt auch Bojarkas stellvertretende Bürgermeisterin Tetjana Kochkova am Rande einer Konferenz der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie: Nachdem auf der Leinwand idyllische, vor Kriegsausbruch aufgenommene Bewegtbilder der Stadt zu sehen waren, berichtet sie, dass der Fluss im Film – wie schon im Zweiten Weltkrieg – nach der Zerstörung der Brücken das Vorrücken des Militärs verhindert und so die Bewohner gerettet habe.

Wahrzeichen von Odolanów: Das Standbild des Heiligen Martin.
Wahrzeichen von Odolanów: Das Standbild des Heiligen Martin. © Eisenberg, Jan-Christoph

Corona, das ist zuvor während der Tagung deutlich geworden, hat die Kommunalverwaltungen vor ähnliche Herausforderungen gestellt: Technische Probleme und mangelnde Erfahrung beim Fernunterricht, Pflegekräfte am Limit – die Schilderungen der polnischen Gastgeber klingen allzu vertraut. „Wir wohnen zwar viele Kilometer entfernt, aber die Pandemie ist dieselbe“, resümiert Heringens Bürgermeister Daniel Iliev.

Beim Festbankett am Abend im Hotel Nadaryczna rücken Krieg und Krise aber für einen Moment in den Hintergrund: Bei deftigem Essen, „Piwo“ – Bier, Wodka und georgischem Traubenschnaps „Chacha“ wird gemeinsam gefeiert getanzt, gesungen, gelacht – sind selbst Sprachbarrieren zweitrangig. Ein wenig Normalität und Unbeschwertheit in unruhigen Zeiten – wenn doch die Völkerverständigung im Großen genauso einfach wäre. (Jan-Christoph Eisenberg)

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