Zustellprobleme bei der Post im Werratal

Der Briefkasten bleibt in Heringen oft leer

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Der Zustellstützpunkt an der Philippsthaler Parkstraße: Von hier bedient die Post die Städte Heringen und Vacha sowie die Gemeinden Philippsthal, Unterbreizbach und Wildeck. Postkunden in Heringen beklagen, dass ihre Briefe oft verspätet ankommen, seit die Postautos in der Nachbargemeinde starten. Foto: Jan-Christoph Eisenberg

Heringen – Die Beschwerden über die Postzustellung reißen nicht ab: Bewohner von Heringen beklagen, dass ihr Briefkasten oft tagelang leer bliebe. 

Auch in anderen Orten des Kreises hatte es in der Vergangenheit Beschwerden über verspätet oder nicht zugestellte Post gegeben (unsere Zeitung berichtete).  Oft würden die Sendungen erst später gebündelt eingeworfen.

Bernd Wille aus Heringen hat seine Briefsendungen aus dem vergangenen Monat aufbewahrt: Am 24. Dezember kamen beispielsweise sechs Briefe bei ihm an, die mit Poststempel vom 21, 20., 19., 16. und 10. Dezember versehen sind. Ähnlich groß ist die Datumsspanne auch bei den anderen Brief-Bündeln, die während dieses Monats in seinem Briefkasten landeten. Ein am 4. Mai abgestempelter Brief erreichte Britta Apel aus Widdershausen sogar einen ganzen Monat später – nämlich am vierten Juni.

Dabei handele es sich um keine Einzelfälle, betonen Britta Apel, Bernd Wille, Nadine Angersbach und Diana Reusch. Besonders ärgerlich seien die Verzögerungen, da es oft um wichtige Dokumente wie Rechnungen und Behördenbriefe gehe: Rechnungen, die erst kurz vor oder sogar nach Zahlungsfrist ankommen, zu spät eingetroffene Mitteilungen über abgesagte Gerichtstermine oder Zahlungsaufforderungen, die den Empfänger vor der eigentlichen Rechnung erreichen. Kontrovers diskutiert werden die Probleme bei der Postzustellung auch von den Mitgliedern der Facebook-Gruppe „Was ist los in Heringen“. Dort melden sich allerdings auch Zusteller zu Wort, die sich und ihre Arbeit zu Unrecht an den Pranger gestellt fühlen. Den einzelnen, durchaus engagierten Postboten wolle auch niemand die Schuld an der Misere geben, betont auch Britta Apel. Vielmehr liege der Fehler im System: Durch zu große Zustellbezirke und ein zu großes Paketaufkommen bleibe offenbar die Briefpost liegen, bei der das Unternehmen keine Mitbewerber fürchten müsse.

Aufgetreten seien die Probleme verstärkt, nachdem die Post im Juli 2017 ihren Zustellstützpunkt von Heringen in die Nachbargemeinde Philippsthal verlegt hat und die Wege für die Zusteller länger geworden seien.

Zu Verzögerungen komme es insbesondere dort, wo es offenbar keinen festen „Stammzusteller“ mehr gebe, der seinen Bezirk und die Empfänger kenne, haben die Betroffenen beobachtet.

Das sagt die Post: 

"Wir haben die Probleme wieder im Griff"

Thomas Kutsch von der Pressestelle der Deutschen Post in Frankfurt räumt auf Nachfrage unserer Zeitung ein, dass es in Heringen zu Verzögerungen gekommen sei. Die Ursache liege aber nicht zwingend bei der Zustellung vor Ort: So könne es auch passieren, dass die Sendungen das jeweilige Eingangs- oder oder Ausgangsbriefzenturm zu spät erreicht hätten, witterungsbedingt zu spät am jeweiligen Zustellstützpunkt angekommen seien oder schlicht beim Briefeinwurf die Leerungszeit des Briefkastens bereits überschritten gewesen seien. 

Krankheitsbedingt müssten Zustellbezirke zudem an Vertretungskräfte übertragen werden. „In den Monaten Mai/ Juni hatten wir im Zustellstützpunkt Philippsthal einen erhöhten Krankenstand und zudem urlaubsbedingt auch einen Engpass im Zustellteam, was zur Folge hatte, dass vereinzelt Postsendungen in dem betreffenden Bereich zeitverzögert zugestellt wurden“, erklärt Kutsch. 

In der Zeit vor Weihnachten sei das Zustellteam in Philippsthal sukzessive personell verstärkt worden, um auch bei Krankheitsfällen oder urlaubsbedingten Pausen alle Bezirke zu besetzen. Dennoch sei es im Dezember durch eine Verdoppelung der Brief- und Paketmengen vereinzelt zu wechselnden Besetzungen von Zustellbezirken gekommen, „sodass seitens der Kunden das Gefühl nachvollziehbar sein kann, dass nicht in allen Bezirken immer das Stammpersonal eingesetzt werden konnte“, merkt Kutsch an. Aufgrund der fehlenden Routine sei die Zustellung nach Erreichen der Arbeitszeithöchstgrenze vereinzelt abgebrochen worden. 

„Diese Probleme sind aber seit Ende der Starkverkehrszeit im Griff und aktuell läuft es in den Zustellbezirken wieder nach Plan“, betont der Post-Pressesprecher. Dass Briefe zugunsten der Pakete liegen bleiben, weist Kutsch allerdings zurück: Da in den sogenannten Verbundbezirken Briefe und Pakete gemeinsam im selben Fahrzeug und vom selben Zusteller ausgeliefert würden, mache das keinen Sinn. 

„Für jede zeitverzögert zugestellte Postsendung möchte ich mich bei den Postkunden aber dennoch ausdrücklich entschuldigen, weil es der Anspruch unseres Unternehmens ist, immer die beste Qualität abzuliefern, auch wenn sich dadurch kein Haftungsanspruch seitens des Kunden ableiten lässt“, betont Kutsch. 

Beim Standardbrief garantiere die Post keine festgelegte Laufzeit, sondern gebe ein Laufzeitversprechen, welches in aller Regel auch eingehalten werde.

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