Nachdenken über Werte und Tradition

Bergleute aus ganz Deutschland kamen zur Kirchschicht nach Heringen: Gottesdienst und Bergparade

Traditionsbewusst: In ihren Trachten kamen Bergleute aus ganz Deutschland zur Kirchschicht nach Heringen. Der Gottesdienst wurde von der Bergkapelle und Bergleuten mitgestaltet. Foto: Schade

Heringen. Paukenschläge, Klarinettenspiel, Trompetenklang – auf den Straßen Heringens ging es hoch her. Bergleute aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands trafen sich zur 24. Kirchschicht des Bergmannsvereins Glückauf Wintershall.

In Bergmannstracht und mit Vereinsfahnen ausgestattet, trafen sich die Bergleute am Heringer Bürgerhaus zu einer Bergparade. Hinter der Wintershaller Bergmannskappelle marschierten sie zur voll besetzten Stadtkirche. Dort wurden sie von den Pfarrern Thorsten Waap (evangelisch) und Andreas Bieber (katholisch) empfangen. Thema des Gottesdienstes war auf Wunsch der Bergleute „Werte, Traditions- und Glaubensverlust“.

Kirchen verlieren weltweit an Anhängern, immer weniger Menschen bekennen sich zu Gott oder wollen teilhaben an einer alten Tradition wie den Bergmannsvereinen. Dies führt dazu, dass Kirchen ihre Gebäude abgeben müssen, da die Gottesdienstbesucher wegbleiben oder dass Vereine aufgeben müssen, da sie keinen Nachwuchs mehr finden. Grund dafür ist, laut Pfarrer Thorsten Waap, der demografische Wandel. In den vergangenen Jahren starben mehr Kirchenmitglieder als neue durch die Taufe in die Kirche eingetreten seien. Im Jahre 2017 gab es 50 Beerdigungen in der Heringer Kirche, aber nur 15 Taufen.

Der Gottesdienst war entgegen dem Trend gut besucht. Kaum ein Platz der Kirche war frei geblieben. Viele Besucher des Gottesdienstes waren Familienmitglieder der Bergleute wie Doris Rudolph aus Heringen. Sie besuchte zum neunten Mal die Kirchschicht des Bergmannsverein Wintershall. „Mein Mann war auf dem Berg beschäftigt und ist Mitglied im Bergmannsverein. In unserer Familie ist es daher eine Tradition“, erzählt sie stolz. Ganz andere Beweggründe den Gottesdienst zu besuchen hat Karola Bommer aus Philippsthal, die bereits zum zehnten Mal an dieser Veranstaltung teilnahm. „Eine direkte Verbindung zum Bergbau habe ich nicht“, gesteht sie. „Mir gefällt die Tradition und ich bewundere den Zusammenhalt der Bergleute, daher schaue ich es mir immer wieder gerne an“.

Die Mitglieder des Bergbauvereins Glückauf gestalteten den Gottesdienst mit. Sie trugen Gebete und Rollenspiele vor, die sich mit dem Thema des Gottesdienstes befassten. Unter anderem überlegten zwei Bergleute, wie sie Kirche wieder interessanter gestalten könnten. Mit lustigen Ideen wie einem „Weihrauchtasting“, „Beichten in the Dark“ oder „Deutschland sucht den nächsten Super-Konfirmanden“ brachten sie die Gottesdienstbesucher zum Lachen.

Die Kollekte des Gottesdienstes wurde an die Bebraer Werkstätten gespendet.

Nach dem Gottesdienst zogen die Bergleute in einer weiteren Parade zum Heringer Bürgerhaus. Dort angekommen gaben sich die Bergleute die Hände und wünschten sich Glück Auf. Anschließend nahmen sie gemeinsam das Tzscherperfrühstück, bestehend aus frischem Brot, Wurst, Schinken und sauren Gurken, ein.

Kirchschicht des Bergmannsvereins Glückauf Wintershall in Heringen

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